Vom Flutlicht ins Zwielicht
Zweifelhafte Finanzdeals, Briefkastenfirmen und viele bekannte Namen: Ein internationales Journalistennetzwerk hat Millionen Dokumente über Steueroasen und ihre Akteure ausgewertet. Zwischen den Namen von amtierenden Staatschefs finden sich auch zahlreiche ehemalige und aktive Spitzensportler und ein hochrangiger FIFA-Funktionär. Der Datensatz stammt von der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca (Mossfon) mit Sitz in Panama.
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11,5 Millionen Dokumente verschiedenster Art aus den Jahren von 1977 bis 2015 wurden vom Internationalen Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ) und der „Süddeutschen Zeitung“ aufgearbeitet. Das ICIJ hat 180 Journalisten, die mit über 100 Medienpartnern zusammenarbeiteten, um die Panama-Papers zu analysieren. Viele der gefundenen Daten haben auch einen Bezug zu Sportfunktionären und Spitzensportlern wie etwa Fußballsuperstar Lionel Messi.
Die vielen Geschäfte des Juan Pedro Damiani
Die Daten zeigen auf, welches Geflecht an internationalen Firmen oft benutzt wird, um Geldflüsse umzuleiten. Involviert ist dabei auch der 57-jährige FIFA-Funktionär Juan Pedro Damiani aus Uruguay. Damiani ist nicht nur Präsident von Uruguays Traditionsclub Penarol Montevideo, sondern auch Mitglied der FIFA-Ethikkommission, die zuletzt viel zu tun hatte, um der Korruption beschuldigte Fußballfunktionäre zu sperren.

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Bis jetzt konnte sich Juan Pedro Damiani (r.) im Glanz der FIFA-Bosse sonnen
Nach den geleakten Unterlagen von Mossfon wird Damianis Kanzlei jedoch selbst mit zumindest sieben Offshore-Firmen des ehemaligen FIFA-Vizepräsidenten Eugenio Figueredo in Verbindung gebracht. Dem 84-jährigen Uruguayer Figueredo wird von US-Behörden unter anderem Geldwäsche vorgeworfen. Er wurde im Mai 2015 in Zürich wegen Bestechungsverdachts verhaftet und mittlerweile an Uruguay ausgeliefert. Dort gestand er die Annahme von Bestechungsgeldern bei der Vergabe von Sportrechten.
Was bedeutet Offshore?
Zumeist bezeichnet der Begriff Offshore-Finanzplatz Standorte, die sich durch niedrige Steuern, ein hohes Maß an Vertraulichkeit, Geheimhaltung und eine minimale Finanzmarktaufsicht und -regulierung auszeichnen. Solche Offshore-Finanzplätze werden auch als „Steueroase“ bezeichnet.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt
Die Mossfon-Aufzeichnungen zeigen außerdem Vermittlungstätigkeiten von Damianis Firma mit einem Unternehmen von Hugo und Mariano Jinkis, einem Vater-Sohn-Gespann, das im Verdacht steht, Millionen Dollar an Bestechungsgeldern bezahlt zu haben, um die FIFA-Übertragungsrechte für Lateinamerika zu erhalten.
Die „Panama-Papers“ von Mossack Fonseca zeigen keine illegalen Aktivitäten von Damianis Firma, werfen aber Fragen für die FIFA auf, die sich in der Post-Blatter-Ära unter Gianni Infantino neu positionieren will und muss. Damianis Firma bestritt auch jegliche Geschäftsbeziehung zu den von den US-Behörden verdächtigten FIFA-Funktionären. Außerdem wolle Damiani nichts zu dem in Uruguay gegen Figueredo laufenden Verfahren sagen.
Dennoch dürfte Damiani schön langsam Druck zur Klarstellung seiner Geschäftsbeziehungen mit Figueredo verspüren. Am 18. März, einen Tag nachdem die recherchierenden Journalisten ihn mit entsprechenden Fragen konfrontiert hatten, meldete er sein Geschäftsverhältnis zu dem ehemaligen FIFA-Vize beim Weltfußballverband. Etwas zu spät offenbar, denn die FIFA-Ethikkammer hatte bereits Voruntersuchungen gegen Damiani eingeleitet.
Vom Golfstar bis zum Fußballidol
Doch die Mossfon-Dokumente weisen auch prominente aktive und ehemalige Sportler als Kunden dieser „Fabrik“ für Offshore-Firmen auf. Neben elf ehemaligen und mehr oder weniger bekannten NHL-Spielern finden sich darin auch die Namen von umso bekanntere Golfspielern wie etwa Nick Faldo, Ian Woosnam, Mark McNulty und Retief Goosen. Auch die früheren oder aktuellen Besitzer von 20 großen Fußballclubs, darunter Inter Mailand und den Boca Juniors, tauchen in den Akten auf.

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Topgolfer Nick Faldo zählte auch zu den Kunden von Mossack Fonseca
Es werden auch 20 „High Profile“-Spieler genannt. Der mit Abstand glanzvollste Namen in den „Geheimunterlagen“ ist aber zweifelsohne jener von Lionel Messi. Der argentinische Superstar vom FC Barcelona und sein Vater Jorge Horacio haben laut den Akten in Panama die Offshore-Firma Mega Star Enterprises gegründet. Zum ersten Mal taucht diese Firma, die heute noch im Besitz von Jorge Messi ist, in den Mossack-Fonseca-Daten im Juni 2013 auf - wenige Tage nachdem Messi und sein Vater wegen Steuerbetrugs von den spanischen Behörden angeklagt wurden.
Das Geschäft mit den Bildrechten
Nach Erkenntnissen der Ermittler sollen Messi und sein Vater zur Umgehung der spanischen Steuer die Werberechte an ein Netz von Scheinfirmen abgetreten haben. Die Honorare, die der Fußballer von verschiedenen Weltkonzernen für seine Werbeauftritte und Bildrechte erhielt, sollen am Finanzamt vorbei in Steuerparadiese geflossen sein. Weder Vater noch Sohn Messi nahmen zu den Vorwürfen bisher öffentlich Stellung.

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Jorge Messi wird sich wohl viele Fragen über seine Finanzgebarung für seinen Sohn Lionel gefallen lassen müssen
Solche Konstruktionen waren bei Fußballern in Spanien lange Zeit keine Seltenheit, die spanischen Finanzämter hatten nämlich im Profifußball eine gewisse Großzügigkeit walten lassen. Das änderte sich vor wenigen Jahren. Angesichts von Krise und Massenarbeitslosigkeit schlugen die Steuerbehörden und die Justiz eine härtere Gangart ein, um sich so verlorenes Geld wiederzuholen.
Staatsanwalt fordert Haftstrafen
Der Steuerfall Lionel Messi wird von 31. Mai bis 3. Juni vor einem Gericht in Barcelona verhandelt. Ihm und seinem Vater werfen die Ankläger vor, den spanischen Staat von 2007 bis 2009 um 4,16 Millionen Euro betrogen zu haben. Der Staatsanwalt fordert Haftstrafen von bis zu 22 Monaten, falls die beiden Argentinier für schuldig befunden werden.
Messi und sein für seine geschäftlichen Angelegenheiten zuständiger Vater haben den spanischen Steuerbehörden als „Korrektur“ bereits fünf Millionen Euro überwiesen, nachdem sie 2013 formell angeklagt worden waren. Den Prozess hat das Gericht erst nach Saisonende angesetzt. Das Champions-League-Finale, das Messi mit dem FC Barcelona erreichen will, findet am 28. Mai in Mailand statt.
Offshore-Firmen als „Sparschwein“
Messi ist nicht der einzige Fußballpromi, der ins Steuerzwielicht geraten ist. Die ehemaligen Spitzenfußballer Ivan Zamorano aus Chile und der Argentinier Gabriel Heinze werden ebenso genannt wie der aktuelle Leicester-City-Spieler Leonardo Ulloa, ein Teamkolllege von ÖFB-Teamkapitän Christian Fuchs. Sie alle haben über ihre Manager Einkünfte aus Vermarktungen über steuerschonende Umwege wieder retour bekommen.

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Jerome Valcke soll mithilfe einer Offshore-Firma eine Jacht gekauft haben
Genannt werden aber auch der derzeit wegen undurchsichtiger Zahlungen gesperrte UEFA-Präsident Michel Platini und der ehemalige FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke. Platini bediente sich der Dienste von Mossack Fonseca im ersten Jahr seiner UEFA-Präsidentschaft. Platini betonte in einer Stellungnahme, dass alle seine Vermögenswerte den Steuerbehörden bekannt seien.
Platini lege Wert darauf, wissen zu lassen, „dass die Gesamtheit seiner Konten und seines Vermögens der Schweizer Steuerverwaltung bekannt sind“. Valcke benutzte eine Firma auf den britischen Jungferninseln, um eine Jacht auf den Cayman-Inseln zu kaufen. Auf Nachfrage von ICIJ meinte der 55-jährige Franzose nur: „Schreibt, was ihr wollt.“
Minigehälter für Fußballmillionäre
Interessant ist auch noch der Fall von Darko Kovacevic. Der heute 42-jährige vielfache serbische Nationalspieler erhielt nach Erkenntnissen spanischer Ermittler in der Saison 2006/07 offiziell von seinem Club Real Sociedad 2.000 Dollar Gehalt pro Monat. In Wahrheit zeigen die geleakten Mossfon-Daten, dass Kovacevic in dieser Saison rund 1,4 Mio. Dollar über die Firma IMFC Leasing in den Niederlanden bekam.

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Kovacevic kassierte 2006 bei Real Sociedad offiziell 2.000 Dollar pro Monat
Die Spanier gingen hierbei offensichtlich ziemlich unverfroren vor, denn den recherchierenden Journalisten ließ Sociedads Generalmanager Inaki Otegi über Umwege ausrichten, es sei im spanischen Fußball gängige Praxis, die ausländischen Spieler über ausländische Firmen zu bezahlen.
Doppelte Verträge
Die Praxis von doppelten Verträgen, also offiziellen Verträgen für Liga, Finanzamt und Sozialversicherung, die nur einen Teil der wahren Bezüge abdecken, tauchte auch in Österreich auf. Laut einem „Profil“-Bericht aus dem Jahr 2011 kam es 2009 beim damaligen Zweitligisten FC Lustenau zu so einem Fall. Der Spanier Alex Miguel Santana Fabelo erhielt zwei Verträge, die sich nur bei den Bezügen unterschieden.
Die Praxis der doppelten Verträge beinhaltet, dass vom Spieler neben dem offiziellen Vertrag ein zweiter Vertrag unterzeichnet wird, der die tatsächlichen Nettobezüge aufweist. Der Differenzbetrag zwischen offiziellem niedrigen Bruttobezug (z. B. 2.500 Euro) und inoffiziellem Nettolohn (z. B. 3.500) wird schwarz ausbezahlt.
Der damalige Lustenau-Präsident Dieter Sperger bestätigte laut „Profil“ den doppelten Vertrag für Fabelo. Die österreichische Fußball-Bundesliga sprach dafür eine Geldstrafe aus. Jeder wisse, dass im Fußball schwarz gezahlt werde, behauptete auch der einstige Sturm-Graz-Zampano Hannes Kartnig freimütig 2011 vor Gericht im Steuerhinterziehungsprozeß gegen ihn. Der damalige Bundesliga-Vorstand Georg Pangl wies prompt diese Aussage als unzulässige Verallgemeinerung zurück.
Mehr Transparenz nötig
Viele Clubs profitieren vom Wesen eines gemeinnützigen Vereins. Ein solcher Verein ist nicht nur steuerbegünstigt, er unterliegt auch weniger strengen Bilanzierungsregeln. Aufgrund der oftmals nicht nachvollziehbaren finanziellen Gebarung wird schon lange gefordert, dass die Clubs ihre Profimannschaften aus dem gemeinnützigen Verein in Kapitalgesellschaften ausgliedern.
Denn Haftungsstrukturen, Kontrollmechanismen und Aufsichtssysteme können die Transparenz nur erhöhen. Die Wiener Austria hat etwa bereits 2007 ihren Profibetrieb in eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft ausgegliedert.
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