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„Team das beste Marketing-Werkzeug“

Die Weltmeisterschaft in Russland sehen Teamchef Daniel Ratushny und seine Spieler nur vor dem Fernseher. Auch 2017 bleibt ein privater WM-Besuch das höchste der Gefühle. Obwohl Ratushny die Entwicklung des Teams positiv stimmt, droht Österreich den Anschluss zu verlieren. Sein Fazit im Gespräch mit ORF.at: Die österreichischen Spieler müssen in den Clubs mehr Verantwortung bekommen.

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Vor zwei Jahren wurde Ratushny überraschend als neuer Trainer von Red Bull Salzburg präsentiert. Noch überraschender übernahm der 45-Jährige zwei Monate später als Nebenjob den Posten des österreichischen Teamchefs. Nach einer radikalen Verjüngung fällt die sportliche Bilanz nach zwei Jahren bescheiden aus. Sowohl der Klassenerhalt in der A-Gruppe 2015 als auch der Wiederaufstieg bei der B-WM in Katowice wurden verpasst.

In seiner Funktion als Teamchef sieht der Kanadier den Hauptgrund für das Verpassen seiner Ziele in der schleppenden Förderung der bestehenden und künftigen Nationalspieler. „Wichtig ist, dass die Spieler bei ihren Clubs in Situationen kommen, in denen sie Verantwortung übernehmen“, so der 45-Jährige im Gespräch mit ORF.at, „wir haben einige Österreicher, die im Club Powerplay spielen, aber nicht genug.“

Zu viele Legionäre

Die Clubs mit Regelungen zu zwingen, Österreicher einzusetzen, davon hält der Kanadier aber nichts. „In der Praxis ist das nicht möglich." Man muss den Coachs Spielraum geben, wie viele Österreicher und Importspieler sie im Kader haben“, so Ratushny. Aber sollte die Legionärsanzahl nicht von oben gesteuert, sprich reduziert werden? „Es gibt nicht nur Schwarz-Weiß. Gute Legionäre halten das Niveau der Liga hoch“, erklärt Ratushny.

Konstantin Komarek (AUT) und Gasper Kroselj (SLO)

GEPA/Matic Klansek

Konstantin Komarek war einer der wenigen Teamspieler mit viel EBEL-Eiszeit

In der vergangenen Saison kurvten insgesamt 103 Imports über das Eis der Erste Bank Eishockey Liga (EBEL). Bei manchen schien der kanadische Reisepass allerdings das einzige Qualitätsmerkmal zu sein. „Langfristig wäre eine stetige Reduzierung der Legionäre das Beste. Das kann nur von Club zu Club passieren, wenn die Vereine bereit sind, eine langfristige Entwicklung zu fördern“, so Ratushny.

„Dann kommt die Maschine ins Laufen“

Der 45-Jährige hofft daher auf ein Umdenken. „Die Clubverantwortlichen müssen verstehen, dass das Nationalteam das beste Marketingwerkzeug für das österreichische Eishockey ist. Mit einem starken Nationalteam kann man mehr junge Menschen begeistern. Dann kommt die Maschine ins Laufen“, so Ratushny, der aber auch die Interessen der Vereine versteht: „Du hast eine Gewinn- und Verlustrechnung, musst darauf schauen, dass du viele Zuschauer hast. Für das österreichische Eishockey und die Vereine wäre eine langfristige Strategie aber gesünder.“

Für Ratushny ist es auch wichtig, über den eigenen Tellerrand zu blicken. Stichwort Modeling: „Man muss nichts neu erfinden, man kann sich bei den großen Hockey-Nationen etwas abschauen. Man kann Dinge, die in anderen Ländern zum Erfolg geführt haben, für sich zu einem österreichischen Weg adaptieren. Es gibt viele gescheite Leute in verantwortlichen Positionen, die bereit sind, Dinge zu verändern“, so der Teamchef, der auch noch mehr Investitionen in die Trainerausbildung fordert.

Kein Problem mit zwei Hüten

Ratushny stand in seiner Doppelfunktion selbst in der Zwickmühle zwischen Entwicklung des Teams und Erfolgsdruck im Club: „Da muss man ausbalancieren. Man muss den jungen Spielern Möglichkeiten geben, sich zu entwickeln, aber gleichzeitig nicht zu viel, dass eventuell Schaden für das Team entsteht“, so der Trainer. Einen Interessenkonflikt mit seiner Funktion als Teamchef bestreitet Ratushny allerdings: „Für mich war es immer, als ob ich zwei Hüte hätte“, so der 45-Jährige.

Kritik an seiner Doppelrolle nahm und nimmt der Trainer gelassen. „Mit zwei Jobs bin ich natürlich immer offen für Kritik. Leute, die etwas kritisieren wollen, werden immer etwas finden. Ich denke aber, ich war in der Lage, jedem Job die Liebe, Aufmerksamkeit und Fürsorge zu geben, die er verdient“, so Ratushny. „Ich habe so hart gearbeitet, wie es meine Spieler getan haben, und Opfer gebracht.“ In beiden Funktionen habe er aber immer darauf geachtet, „was für dieses Team das Beste ist“.

Viel Lernerfahrung

Das Beste war aber im Team nicht genug. Nach dem verpassten Aufstieg ist Österreich auch im kommenden Jahr zweitklassig. „Natürlich ist da Enttäuschung und auch Ärger. Man denkt daran, was man hätte besser machen können. Aber so ist der Sport, das ist Hockey“, so Ratushny im Rückblick auf die verpasste Chance, im kommenden Jahr wieder im Konzert der Großen mitzuspielen. Für den 45-Jährigen gehören Niederlagen zum Entwicklungsprozess dazu: „Hockey ist eine Metapher für das Leben. Es geht auf und ab. Die schlechten Zeiten tun weh, aber man kann daraus lernen.“

Trainer Daniel Ratushny (AUT) und Benjamin Petrik (AUT)

GEPA/Matic Klansek

Ratushny und seine Spieler verpassten ihre Ziele bisher zweimal knapp

Lernen kann man aus den zwei Jahren Teamchef Ratushny, dass Österreich trotz einer radikalen Verjüngung im Team den Anschluss an die Besten nicht ganz verloren hat. Was war der größte Schritt, der in zwei Jahren als Teamchef gelungen ist? „Die wichtigste Änderung ist der Wechsel zu jungen Spielern. Wir haben eine gute Gruppe, die als Team auftritt“, so der Teamchef und erinnert an die B-WM: „Wir haben in Polen mit vier Linien gespielt, alle vier Linien haben getroffen. Es gibt eine gute Balance. Wir haben ein paar sehr gute junge österreichische Spieler.“

Auf die Frage, was denn jenes Problem ist, das selbst er in zwei Jahren nicht beheben konnte, findet Ratushny eine wenig überraschende Antwort: „Es geht nur ums Toreschießen. Wir hatten in Prag nur acht Tore in sieben Spielen, in Katowice zehn Tore in fünf Spielen. Es ist ein kleiner Schritt vorwärts im Vergleich zu Prag, aber wir haben diesmal auch nicht gegen so starke Gegner gespielt.“ Eines habe sich jedenfalls verbessert: „Die Defensive ist gut“, so der Kanadier.

Keine Kontrolle über Resultate

Im Unterschied zu Salzburg, wo Ratushny in zwei Jahren zwei Meistertitel feierte, war das Beste für das Nationalteam nicht gut genug. Anders als seine Vorgänger verfehlte der Kanadier die gesteckten Ziele. Jim Boni, Lars Bergström, Bill Gilligan und Emanuel Viveiros schafften immerhin den Aufstieg in die A-Gruppe. Unter Viveiros qualifizierte man sich - allerdings mit einer deutlich routinierteren Mannschaft - sogar für Olympia.

„Als Trainer sind Gewinnen und Verlieren deine ständigen Begleiter. Es ist schon fast ein Selbstschutz, dass man sich auf die Qualität des Spiels und nicht nur auf die Ergebnisse konzentriert. Resultate sind natürlich wichtig, sie bleiben unter dem Strich stehen“, so Ratushny, „aber ich kann sie nicht kontrollieren, sondern nur versuchen, sie zu beeinflussen, wenn ich mich auf die kleinen Details im Spiel konzentriere.“

Zumindest den Spagat zwischen heimischer Liga und Nationalteam muss Ratushny künftig nicht mehr schaffen. Ab Sommer trainiert der Kanadier den HC Lausanne in der obersten Schweizer Liga. Und wenn die Eidgenossen dem Kanadier keine Steine in den Weg legen, dann wird Ratushny auch bei der Olympiaqualifikation Anfang September als österreichischer Teamchef hinter der Bande stehen. Dort warten gegen Gastgeber Lettland, Deutschland und Japan drei schwierige Aufgaben.

Das Gespräch führte Karl Huber, ORF.at

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