Organisatoren sind vorgewarnt
Neben der Terrorgefahr bereitet den EM-Veranstaltern auch die in letzter Zeit quer durch Europa wiederaufgeflammte Gewalt unter Hooligans einiges an Kopfzerbrechen. Gleich in der ersten EM-Woche stehen vier Partien auf dem Programm, denen die Sicherheitskräfte besonderes Augenmerk schenken.
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Am 11. Juni stehen einander England und Russland gegenüber, am nächsten Tag trifft Kroatien auf die Türkei. Dazu kommen am 16. Juni die Partien England - Wales und Deutschland - Polen. Alle vier Spiele könnten einiges an Gewaltpotenzial unter den Fans freisetzen.
„Waffenruhe“ unter russischen Hooligans
Vor dem Match zwischen England und Russland in Marseille kündigten gewaltbereite russische Fans bereits an, ihre traditionelle Clubrivalität ruhen zu lassen. „Während der Spiele der russischen Nationalmannschaft müssen alle Fangruppen vereint sein. Es gibt eine Waffenruhe“, heißt es in einem unter den Fangruppen kursierenden Schreiben.

Reuters
Englische Hooligans haben in Marseille schon einmal für Wirbel gesorgt
Für die englischen Anhänger hatte in der Vergangenheit auch der Austragungsort Marseille wegen des hohen arabischen Bevölkerungsanteils einige Brisanz geboten. Bei der WM 1998 lieferten sich rund um das Match England - Tunesien Anhänger beider Seiten zwei Tage lang Kämpfe im alten Hafen und auf den benachbarten Stränden. „Das ist lange her, und das Verhalten der englischen Fans hat sich seither deutlich verbessert“, sagte Mark Roberts, der in England die Polizeiarbeit mit den Fußballfans leitet und auf eine ruhige EM hofft. „Aber wir müssen vorsichtig sein und dürfen nichts voraussetzen.“
PSG-Fans auf Wirbel aus?
Beim Spiel zwischen der Türkei und Kroatien in Paris stehen einander nicht nur die Fans der beiden Mannschaften gegenüber, durch Anhänger von Paris Saint-Germain könnte es auch „hausgemachte“ Probleme geben.
Die PSG-Hooligans zählten in den letzten zwei Jahrzehnten zu den gewaltbereitesten in ganz Europa, vor fünf Jahren wurden sie daher aus dem Parc de Prince verbannt. Im Rahmen von Champions-League-Partien kam es auch danach immer wieder zu Ausschreitungen. Im Dezember 2012 etwa gab es eine gewalttätige Auseinandersetzung mit Anhängern der „Bad Blue Boys“ von Dinamo Zagreb. Dass es unter den PSG-Rowdys auch serbische Krawallmacher gibt, dürfte angesichts der jahrelangen Spannungen auf dem Balkan nicht unbedingt zur Beruhigung der Lage beitragen.
Heißes Treffen unter Nachbarn
Die Rivalität zwischen England und Wales ist schon durch die Nachbarschaft im Vereinigten Königreich gegeben, Straßenschlachten zwischen Anhängern von Clubs aus beiden Verbänden sind keine Seltenheit. Nun könnte sich die Konkurrenz auch auf internationaler Ebene entfalten.
Dass im nordfranzösischen Lens gespielt wird, macht zudem auch die Anreise über den Ärmelkanal relativ einfach. „Durch die Nähe zu Frankreich können die Leute mehrmals kommen“, sagte Szenekenner Roberts. „Wenn wir jemanden identifizieren, der Probleme bereitet, werden wir sofort ein Reiseverbot anstreben.“
Rendezvous abseits des Stadions
Bei der WM 2006 in Deutschland wurden Auseinandersetzungen zwischen Hooligans aus dem Gastgeberland und Polen weitgehend dadurch verhindert, dass die Polizei den polnischen Anhängern die Einreise verweigerte. Bei der nun anstehenden Partie in Paris könnte es eher abseits des Stadions zu Problemen kommen. Denn auf beiden Seiten gibt es die Tendenzen, „Kämpfe“ unter den Anhängern vorher auszumachen und diese dann fern des eigentlichen Fußballereignisses auszutragen.
Auf die Verantwortlichen in Frankreich dürfte in den EM-Wochen also einiges an Arbeit in den und rund um die Stadien zukommen. Aber die Polizei- und Ordnungskräfte werden auch Fingerspitzengefühl beweisen müssen, denn nicht jede lautstarke - und wohl auch durch Alkohol aufgeheizte - Stimmung unter den Fans führt auch zu Krawallen.
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