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Rumänen nur beinahe Spielverderber

Die Fans hätten vorgewarnt sein können: Vier der letzten fünf Spiele zwischen Frankreich und Rumänien haben unentschieden geendet. Doch diesmal nicht. Die Eröffnungspartie der 15. Fußball-Europameisterschaft vor 80.000 Fans im Stade de France vor den Toren von Paris endete am Freitag nach einem späten Treffer mit einem 2:1 (0:0) für die Gastgeber.

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Olivier Giroud hatte nach einer durchwachsenen ersten Hälfte der Franzosen die Gastgeber mit 1:0 (57.) in Führung gebracht, die Bogdan Stancu jedoch wenige Minuten später durch einen Elfmeter (65.) wieder ausgleichen konnte. Dimitri Payet von West Ham United war es vorbehalten, mit einem Traumtor aus 20 Metern für den Sieg von „Les Bleus“ zu sorgen.

Dimitri Payet (Frankreich) jubelt mit seinen Teamkollegen

APA/AFP/Philippe Lopez

Dimitri Payet wurde mit seinem 2:1 zum umjubelten Helden der Franzosen

Die Rumänen präsentierten sich dabei im ersten Spiel der Gruppe A über 90 Minuten weit stärker als erwartet und als beinahe perfekter Spielverderber, die mit einer konzentrierten Mannschaftsleistung einem der Turnierfavoriten fast einen Punkt abknöpften - wenn da nicht Payet mit seinem exakten Weitschuss zum 2:1 gewesen wäre.

Kurze, aber bunte Eröffnung

Knapp zwei Stunden davor eröffneten im Stade de France von Saint-Denis der französische DJ David Guetta, die schwedische Popsängerin Zara Larsson und Hunderte Tänzerinnen mit einem Spektakel aus Tanz, Farben, Licht, Nebel und Musik die EM 2016. Auf einem riesigen Teppich mit parkartigem Muster waren Lampions und ein riesiges Karussell zu sehen.

EM-Eröffnungsfeier

APA/AFP/Miguel Medina

Tanz, Farben, Licht und Musik eröffneten die Fußball-EM 2016

Cancan-Tänzerinnen umschwärmten die Szene in Kostümen. Als ein riesiges Eiffelturm-Bild auf einem 550 Quadratmeter großen Banner in die Luft gezogen wurde, verwandelten die 80.000 Zuschauer die Ränge im Stadion mit Farbtafeln in die Nationalfarben der 24 Teilnehmerländer.

Flotter Auftakt

Nach der kurzen, aber umso beschwingteren Eröffnungsfeier wäre die Party auch beinahe gleich mit einem Kracher für Rumänien losgegangen. In der vierten Minute tauchte nach einer Ecke von der linken Seite Bogdan Stancu vor Frankreichs Schlussmann Hugo Lloris auf, doch der Keeper der Franzosen rettete mit einem glänzenden Reflex.

Frankreich - Rumänien:

Gleich in den ersten Minuten wurden die Außenseiter nach einem Eckball gefährlich (4.).

Die Partie nahm von Anfang an nicht den Verlauf, mit dem wohl viele gerechnet hatten. Nur zwei Tore hatten die Rumänen in der EM-Qualifikation kassiert, daher war ihnen die Rolle der „Maurer“ zugedacht. Aber die Elf von Anghel Iordanescu blieb dem französischen Gastgebern ein unangenehmer Gegner - der rumänische Riegel hielt. In der 14. Minute allerdings blieb den Fans der „Equipe Tricolore“ der Jubel im Hals stecken.

Immer wieder Griezmann

Antoine Griezmann kam im Strafraum im zweiten Versuch an den Ball, nachdem Vlad Chiriches dem Angreifer von Atletico Madrid den Ball mit dem Bauch serviert hatte - er hatte jedoch mit seinem Stangenköpfler Pech. Der 25-jährige hatte dann in der 36. Minute neuerlich das 1:0 am Fuß. Sein Torschuss war aber auch noch von Rumäniens Cristian Sapunaru abgefälscht worden und dadurch wahrscheinlich gefährlicher als notwendig.

Frankreich - Rumänien:

Griezmann traf per Kopf nur die Stange (14.).

Vor dieser Großchance hatte das Spiel folgendes Bild: Frankreich im Ballbesitz, Rumänien stört gekonnt und lässt die Mannschaft von Didier Deschamps im scheinbaren Glauben, die Partie im Griff zu haben. 63 Prozent Ballbesitz für Frankreich kurz vor der Pause war eine beeindruckende Statistik, aber es war auch eine wertlose.

Rumänien kein Jausengegner

Es war kein schlechtes Eröffnungsspiel. Und Frankreich bemühte sich auch, aber die Weltranglisten-22. aus Rumänien waren trotz der Chancen von „Les Bleus“ eben kein Jausengegner. Das bewiesen sie gleich bei einer Chance von Stancu (48.), der einen Seitfallschuss nach Flanke von Nicolae Stanciu am Tor vorbeizog.

Die Franzosen haben zwar noch nie ein Pflichtspiel gegen Rumänien verloren, aber es wurde immer klarer, dass das diesmal ein hartes Stück Arbeit für sie werden würde. In der EM-Qualifikation war die Auswahl von Iordanescu ungeschlagen geblieben. Allerdings trugen sich seine Spieler bei fünf Siegen und fünf Remis selbst auch nur elfmal in die Schützenliste ein. Doch der Torbann wurde gebrochen.

Führungsfreude währte nur kurz

Als Pogba in der 56. Minute kurz außerhalb des Strafraums knallhart draufhielt, konnte Ciprian Tatarusanu noch mit dem Fuß abwehren - kurz darauf war die französische EM-Eröffnungsglückseligkeit perfekt. Olivier Giroud war aus wenigen Metern per Kopf zum 1:0 zur Stelle (57.), rempelte dabei auch den rumänischen Torhüter - der seinerseits jedoch auch etwas zu lasch nach dem Ball griff. Der Freudentaumel in Blau währte nur wenige Minuten.

Frankreich - Rumänien: 1:0 durch Giroud (57.)

Giroud erlöste die Gastgeber und traf zum verdienten 1:0.

Nach einem Foul von Patrice Evra an Stanciu entschied Schiedsrichter Viktor Kassai auf Elfmeter, den Stancu trocken zum 1:1-Ausgleich (65.) verwertete. Damit war bei den Franzosen wieder Tempo und Druck machen angesagt. Deschamps brachte noch für die Schlussphase Kingsley Coman und Anthony Martial statt den Topstars Griezmann und Paul Pogba, die dem Spiel nicht wie erhofft ihren Stempel hatten aufdrücken können.

Payet schlägt eiskalt zu

Frankreichs Equipe bemühte sich unbeirrt um ein weiteres Tor. Sie wollten ihren Fans einen Sieg schenken und der Fußballwelt beweisen, dass sie zu Recht als einer der Sieganwärter gelten.

Frankreich - Rumänien:

Payet traf mit einem herrlichen Schuss zum 2:1 für Frankreich (89.).

Es war schließlich ein Geniestreich von Payet, der sich mit seinem Prachttreffer aus 20 Metern zentimetergenau ins linke Kreuzeck zum Retter der „Grande Nation“ machte und sich direkt in die Herzen der Franzosen schoss.

Martin Wagner, ORF.at

EM, Gruppe A, erster Spieltag

Freitag:

Frankreich - Rumänien 2:1 (0:0)

Paris, Stade de France, 80.000 Zuschauer, SR Kassai (HUN)

Torfolge:
1:0 Giroud (57.)
1:1 Stancu (65./Elfmeter)
2:1 Payet (89.)

Frankreich: Lloris - Sagna, Rami, Koscielny, Evra - Pogba (77./Martial), Kante, Matuidi - Griezmann (66./Coman), Giroud, Payet (92./Sissoko)

Rumänien: Tatarusanu - Sapunaru, Chiriches, Grigore, Rat - Pintilii, Hoban - Popa (82./Torje), Stanciu (72./Chipciu), Stancu - Andone (61./Alibec)

Gelbe Karten: Giroud bzw. Chiriches, Rat, Popa

Tabelle:
1. Frankreich * 3 2 1 0 4:1 7
2. Schweiz * 3 1 2 0 2:1 5
3. Albanien 3 1 0 2 1:3 3
4. Rumänien 3 0 1 2 2:4 1
* im Achtelfinale

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