Themenüberblick

Keine Grabenkämpfte im Nationalteam

24 Teams zu je 23 Spielern ergibt insgesamt 522 Kicker, die bei der EM 2016 dabei sind. Einige von ihnen werden nicht einmal zum Einsatz kommen, für andere werden am Ende des Turniers nur ein paar Minuten auf dem Rasen zu Buche stehen. Nicht selten haben bei Nationalteams oder Clubs die Reservisten ihr Ego über die Interessen der Mannschaft gestellt und die Stimmung vergiftet. Grabenkämpfe und schlechte Leistungen waren die Folge.

Im ÖFB-Team ist dieser Umstand kein Problem. Jeder ist sich seiner Rolle bewusst und trägt seinen Teil zu einem intakten, ja fast schon familiären Teamgefüge bei. Dass es Teamchef Marcel Koller - auch mit seiner konsequenten Personalpolitik - gelungen ist, so eine Atmosphäre innerhalb des Nationalteams zu schaffen, ist sicherlich ein Eckpfeiler für den Aufschwung des ÖFB-Teams in den letzten Jahren.

Gespräch mit dem Fußball-Experten Hackmair

Stefan Illsanker hat mit der Reservistenrolle kein Problem.

Die Kunst des Reservisten muss es sein, auf den Punkt bereit zu sein, wenn man ihn braucht. Das war in der Qualifikation so, und das wird auch bei der EM der Fall sein. Vor Gelb-Sperren, Verletzungen und Formkrisen ist kein Team gefeit. Stefan Ilsanker erfüllte diese Rolle, als David Alaba gegen Russland verletzt war. Rubin Okotie sprang für Marc Janko mit seinen Siegestreffern gegen Montenegro und die Russen in die Bresche.

Ilsankers Credo als Vorbild

Ilsanker hat als Backup für Julian Baumgartlinger für seine Rolle im Nationalteam ein einfaches wie auch vorbildliches Credo. „Wenn man mit dem Adler auf der Brust für sein Land spielen kann, fällt die Motivation nicht schwer. Da ist es egal, ob man ab der ersten Minute dabei ist oder erst in der 93. Minute eingewechselt wird. Ich persönlich freue mich über jede Minute“, erklärte Ilsanker, der am 30. Mai 2014 beim 1:1 gegen den jetzigen EM-Gegner Island sein Debüt im ÖFB-Team gab.

Stefan Ilsanker

GEPA/Christian Ort

Stefan Ilsanker ist das Paradebeispiel eines Teamplayers

„Ich bin damals in eine intakte Mannschaft gekommen und seitdem begeistert, ein Teil davon zu sein. Keiner ist dem anderen etwas neidisch. Wir gewinnen und verlieren miteinander, und wenn man zum Einsatz kommt, gibt man sein Bestes“, fasste der Leipzig-Legionär seine Einstellung in Worte. Ähnlich äußerte sich auch Jakob Jantscher: „Jeder wird akzeptiert, egal ob er von Beginn an spielt oder eingewechselt wird.“

Teamchef Koller braucht ein Gespür

Vor dem Auftaktspiel gegen Ungarn ist die ÖFB-Startelf vielleicht nicht mehr ganz so in Stein gemeißelt wie in der Qualifikation. Neuartiges ist zwar nahezu auszuschließen, Koller muss im Training aber herausfiltern, welche Spieler mental und körperlich bereit für das Turnier sind. Ein Fragezeichen steht dabei hinter der Fitness von Marc Janko. Martin Harnik kämpft nach seiner schwierigen Saison bei Stuttgart mit seiner Form.

Marcel Koller mit dem ÖFB Team am Trainingsplatz

GEPA/Christian Ort

Marcel Koller ist es gelungen, ein Team mit Zusammenhalt zu schaffen

„Der Trainer weiß, was er von mir erwarten kann und was nicht. Jeder von uns im Kader hat den Anspruch zu spielen und möchte sich aufdrängen“, sagte Harnik, für den gegen die Niederlande Marcel Sabitzer in der Startelf gestanden war. Auch Jakob Jantscher und der universell einsetzbare Alessandro Schöpf wären Alternativen. „Wir haben das große Glück, dass wir auf jeder Position gut aufgestellt sind. Ich persönlich habe keine Präferenzen, wer vor mir spielt“, meinte Rechtsverteidiger Florian Klein.

Hinteregger oder Prödl neben Dragovic?

Die einzig wirklich offene Position für das Auftaktspiel ist der Platz neben Aleksandar Dragovic in der Innenverteidigung. Anwärter dafür sind Martin Hinteregger und Sebastian Prödl. Hinteregger startete gegen Malta, Prödl stand dafür gegen die Niederlande in der Anfangsformation. „Ich habe mich bestmöglich vorbereitet und meine Hausaufgaben erfüllt, um dem Trainer die Wahl zu geben, mich auch aufzustellen. So bin ich in die Vorbereitung gegangen, so werde ich auch ins Turnier gehen und hoffe natürlich auf Einsätze“, erklärte Prödl.

Allgemein fühlt sich jeder Spieler im ÖFB-Team bereit für den Auftakt. An den letzten Details wird gearbeitet. „Niemand ist nervös oder ängstlich. Ich habe das Gefühl, dass jeder richtig frei im Kopf ist. Natürlich nimmt die Konzentration und Anspannung zu. Aber wir haben alles in uns. Wenn wir das umsetzen, werden wir sicher ein gutes Spiel machen“, ist Klein überzeugt.

Christian Wagner, ORF.at, aus Mallemort

Links: