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Arbeitssieg für Titelverteidiger

Die Serie der späten Tore hat sich am Montag auch im achten Spiel der Europameisterschaft in Frankreich fortgesetzt: Beim Spiel von Titelverteidiger Spanien mussten die 33.000 Zuschauer im Stadion von Toulouse bis zur 87. Minute warten, bis Gerard Pique das Goldtor zum 1:0-Sieg gegen Tschechien gelang.

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Spanien strebt in Frankreich den dritten EM-Titel in Folge an. Doch dass das nicht einfach wird, hat der Weltmeister von 2010 vor zwei Jahren in Brasilien beim WM-Aus in der Gruppenphase erlebt. Der erste Auftritt des Titelverteidigers wurde daher gespannt erwartet, und das Spiel entwickelte sich aufgrund der kompromisslosen Defensivtaktik der Tschechen auch zum Geduldsspiel.

Spanien - Tschechien: 1:0 Pique (87.)

In den Schlussminuten brechen die Spanier doch noch den tschechischen Abwehrriegel. Andres Iniesta hat das Auge für Gerard Pique, und der köpfelt zur Führung ein.

Viel spanischer Ballbesitz, wenig Chancen

Das Team von Vicente del Bosque startete wie gewohnt mit viel Ballbesitz in das Spiel und das Turnier, hielt sich aber mit zwingenden Offensivaktionen noch zurück. Juventus-Stürmer Alvaro Morata verfehlte in der 29. Minute mit einem Schuss von links nur knapp das Tor. Tschechien hatte die eigene Hälfte nur in den ersten zehn Minuten verlassen und da auch nur sporadisch. Danach schienen sie in ihrer Spielfeldhälfte dem Pausenpfiff entgegenzuharren.

Petr Cech (Tschechien) bei einer Abwehr

APA/AP/Hassan Ammar

So oder so ähnlich spielten sich die meisten Strafraumszenen ab: Spanien konnte die tschechische Abwehrmauer nicht durchdringen

Zehn Minuten vor der Halbzeit drückten dann auch zwei Statistiken das Geschehen auf dem Platz vorbildlich aus. Spanien hatte bis dahin 222 Pässe gespielt, Tschechien 74. Dafür war die Elf von Trainer Pavel Vrba um zwei Kilometer mehr gelaufen als die Iberer. Die Tschechen wurden also vom regierenden Europameister über den Platz gehetzt und jagten dabei erfolglos dem Ball nach.

Einseitige Partie

Tschechien, das seine Qualigruppe vor Island und der Türkei gewonnen hatte, verließ die eigene Hälfte offensichtlich nur widerwillig bzw. wenn doch, dann nur, um sich anschließend gleich wieder zurückzuziehen. Lediglich in der 45. Minute prüfte Tomas Necid nach Vorarbeit von Theodor Gebre Selassie Spaniens Torwart David De Gea, der sich die letzten Negativschlagzeilen zu einem angeblichen Pornoskandal nicht anmerken ließ.

Spanien - Tschechien: Chance Hubnik (57.)

Eine der seltenen Chancen für Tschechien.

74:26-Prozent lautete das Ballbesitzverhältnis für Spanien. Damit war alles über die erste Hälfte gesagt. Tschechien agierte auch zu Beginn der zweiten 45 Minuten destruktiv, sicherte hinten ab und lauerte auf den einen, womöglich spielentscheidenden Fehler von „La Roja“. In der 57. Minute spitzelte dann Roman Hubnik auch einen Freistoß von Ladislav Krejci Richtung spanisches Tore, doch De Gea hatte mit dem etwas zu schwachen Ball keine Mühe.

„Furia roja“ schlägt doch noch zu

Tschechien hatte offensichtlich Mut geschöpft und wagte sich verstärkt nach vorne. Cesc Fabregas musste einmal am eigenen Fünfer in Bedrängnis klären, musste aber trotzdem in der 70. Minute für Bayern-Legionär Thiago Alcantara vom Platz. David Silva von Manchester City hatte in der 72. Minute wieder einmal eine erwähnenswerte Tormöglichkeit, traf aber auch nicht.

Spanische Spieler jubeln

APA/AFP/Pascal Guyot

Freude und Erleichterung bei der „Furia roja“ nach dem 1:0 (87.) durch Pique

Bis in der 87. Minute Gerard Pique nach einer gefühlvollen Flanke Andres Iniesta die tschechische „Mauer“ übersprang und den Ball an Torhüter Petr Cech vorbei im Tor zum späten, aber verdienten 1:0 unterbrachte. Die Erleichterung war groß, und zum Schluss gab es nur noch einen Schreckensmoment, als Vladimir Darida den Ball in der 92. Minute noch auf das spanische Tor knallte, aber genau auf Torhüter De Gea zielte. Der Titelverteidiger war mühevoll, aber erfolgreich ins Turnier gestartet.

Martin Wagner, ORF.at

EM, Gruppe D, erste Runde:

Montag:

Spanien – Tschechien 1:0 (0:0)

Stadium de Toulouse, 33.000 Zuschauer, SR Marciniak (POL)

Tor: Pique (87.)

Spanien: De Gea - Juanfran, Pique, Ramos, Alba - Fabregas (70./Thiago), Busquets, Iniesta - Silva, Morata (62./Aduriz), Nolito (82./Pedro)

Tschechien: Cech - Kaderabek, Sivok, Hubnik, Limbersky - Darida, Plasil - Gebre Selassie (86./Sural), Rosicky (88./Pavelka), Krejci - Necid (75./Lafata)

Gelbe Karten: keine bzw. Limbersky

Tabelle:
1. Kroatien * 3 2 1 0 5:3 7
2. Spanien * 3 2 0 1 5:2 6
3. Türkei 3 1 0 2 2:4 3
4. Tschechien 3 0 1 2 2:5 1
* im Achtelfinale

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