Themenüberblick

Clark als irischer Unglücksrabe

Zlatan Ibrahimovic hat sich bei seinem ersten EM-Auftritt in Frankreich mit einem Remis begnügen müssen. Der Superstar und Schweden trennten sich am Montag im Spiel der Gruppe E im Stade de France von Saint-Denis von Irland mit 1:1 (0:0). Und diese Punkteteilung war aus schwedischer Sicht noch glücklich. Nur von einem eigenen Spieler ließ sich der irische Abwehrriegel knacken.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Vor 73.000 Zuschauern im Stade de France waren die Iren über weite Strecken die gefährlichere Mannschaft. Schweden wachte erst auf, nachdem Wes Hoolahan Irland kurz nach der Pause (48.) mit einem sehenswerten Treffer in Führung geschossen hatte. Ciaran Clark brachte die Iren mit einem Eigentor jedoch um die Früchte ihrer Arbeit (71.). Irland muss damit weiter auf einen Pflichtspielsieg gegen die Schweden warten.

Clark kostet Irland Sieg

Den Schweden gelingt durch ein Eigentor der Ausgleich. Nach einer schönen Kombination bringt Ibrahimovic den Ball zur Mitte, wo Ciaran Clark ins eigene Tor einköpfelt.

Fankick statt Rauferei

Überraschungen in Sachen Aufstellung packten weder Martin O’Neill noch sein schwedischer Kontrahent Erik Hamren aus. Wer sich bei den Iren aus sentimentalen Gründen Altmeister Robbie Keane in der Startelf gewünscht hätte, wurde enttäuscht. Der 143-fache Teamspieler saß auf der Bank. Jonathan Walters und Shane Long erhielten den Vorzug. Auf Zlatan Ibrahimovic mussten die Fans hingegen nicht verzichten. Auch die Schweden boten mit dem Superstar und Marcus Berg eine Doppelspitze auf.

Weil Iren und Schweden einen Ruf als gern gesehene Gäste bei Fußballturnieren zu verteidigen hatte, taten die Anhänger vor dem Spiel alles, um nicht mit bisher unangenehm aufgefallenen Radaubrüdern anderer EM-Teilnehmer in einen Topf geworfen zu werden. Anstelle von Schlägereien lieferten sich die Fans beider Nationen vor dem Stade de France ein gemütliches Kickerl unter Freunden. Im Stadion war der eine oder andere Schlachtgesang schon das einzige, was von einem Sektor zum anderen flog.

Irland deutlich gefährlicher

Auf dem Spielfeld ging es in den Anfangsminuten deutlich ruppiger zu, von den Iren war ein kompromissloser Spielstil auch zu erwarten gewesen. Technische Gustostückerln gab es vorerst wenn nur von den Schweden. Die „Boys in Green“ agierten im Angriff wie erwartet bieder: Ein ums andere Mal wurden die Stürmer mit hohen Pässen gesucht. Zu Beginn waren die Schweden auch die aktivere Mannschaft und versuchten zu kombinieren.

Hendrick an die Latte (32.)

Riesenchance der Iren: Hendrick hämmert den Ball aus großer Distanz ans Aluminium.

Aber je länger die erste Hälfte dauerte, umso sicherer stand die irische Abwehr und umso mehr wuchs das Selbstvertrauen. Irland wurde gefährlicher und war dem 1:0 deutlich näher als Ibrahimovic und Co. Nach einer Kopfballvorlage rutschte John O’Shea vor dem leeren Tor am Ball vorbei (18.), dann hämmerte Jeff Hendrick das Leder an die Querlatte (32.). Irlands Nummer 13 hatte schon davor Andreas Isaksson im Tor erfolglos geprüft (10.).

Vom anfänglichen Sturm der Schweden war gegen Ende der ersten Hälfte nichts mehr zu sehen. Selbst Ibrahimovic blieb eine zündende Idee schuldig. Irland hatte den Superstar vorerst im Griff. Bei Ballverlusten der Schweden waren die Iren im Gegenzug immer sofort zur Stelle. Die Flanken in den Strafraum funktionierten bei O’Neills Truppe deutlich besser. An einer hechtete Shane Long knapp vor der Pause vorbei. Mit 0:0 und ohne ernstzunehmende schwedische Torchance ging es in die Kabine.

Robbie Brady (IRL) schießt über das schwedische Tor

APA/AFP/Jonathan Nackstrand

Isaksson hatte in Hälfte eins mehr zu tun als sein irisches Gegenüber

Irischer Blitzstart nach der Pause

Die zweite Hälfte begann so, wie die erste aufgehört hatte. Wieder war es Kendrick, der aus der Distanz abzog, Isaksson musste sich gehörig strecken (46.). Nur zwei Minuten später war der schwedische Keeper aber machtlos: Nach schöner Vorarbeit von Seamus Coleman hämmerte Hoolahan den Ball humorlos und trocken volley in die Maschen (48.). Aufgrund der bisherigen Chancen eine verdiente Führung für die Iren. Sogar Ibrahimovic schien nach dem sehenswerten Treffer anerkennend zu applaudieren.

1:0 Hoolahan (48.)

Wes Hoolahan bringt Irland durch einen herrlichen Dropkick mit 1:0 in Führung.

Wahrscheinlich hatte der Superstar aber nur seine Kollegen motiviert. Und beinahe hätten sich die irischen Fans auch nur eine Minute über das 1:0 freuen dürfen. Den bei den Schweden schien der Gegentreffer einen Schalter umgelegt zu haben. Emil Forsberg hatte den postwendenden Ausgleich auf dem Fuß, der 24-Jährige jagte den Ball aber über die irische Querlatte (49.). Unmittelbar davor hatte Goalie Darren Randolph bei einem missglückten Abwehrversuch von Ciaran Clark noch glänzend reagiert. Mit einem Schlag war deutlich mehr Farbe in der Partie.

Glücklicher Ausgleich

Der schwedische Coach reagierte auf die wiedergefundene Spielfreude seiner Truppe. John Guidetti ersetzte den an diesem Tag unauffälligen Berg. Der Youngster sah kurz nach seiner Einwechslung auch das erste echte Lebenszeichen von Ibrahimovic: ein verdeckter Schussversuch des Torjägers ging knapp vorbei (60.). Den irischen Fans blieb bei dieser Aktion ihre inoffizielle Hymne „Fields of Athenry“ im Hals stecken.

Ibrahimovic wird gefährlich (60.)

Superstar Zlatan Ibrahimovic mit seiner ersten nennenswerten Aktion im Spiel. Doch auch sein Versuch verfehlt das Ziel.

Irland war gewarnt und versuchte die Schweden früh zu stören. Das gelang auch lange gut, weil die Skandinavier sehr unkonzentriert agierten. Viele Fehlpässe ließen bei Teamchef Hamren die Sorgenfalten immer tiefer werden. In der 71. Minute machte Clark mit seiner zweiten unglücklichen Aktion im Spiel alles zunichte, was sich die Iren mühsam aufgebaut hatten. Der Verteidiger bugsierte eine scharfe Flanke von Ibrahimovic ins eigene Tor. Diesmal war Randolph machtlos. Der irische Keeper konnte einem leidtun.

Immerhin: Der Schock saß bei den Iren nicht allzu tief. Die „Boys in Green“ taten nun wieder mehr für die Offensive. Helfen sollte dabei Rekordmann Keane, der rund zehn Minuten vor Schluss zum 144. Mal für Irland ein Spielfeld betrat. Wirkliche Gefahr konnte der 35-Jährige aber nicht erzeugen. Auch den Schweden wollte der Lucky Punch zu drei Punkten nicht gelingen. Am Ende blieb es beim glücklichen Remis aus schwedischer Sicht. Und Irland muss weiter auf einen Pflichtspielsieg gegen die Nordmänner warten.

Karl Huber, ORF.at

EM, Gruppe E, erste Runde

Montag:

Irland - Schweden 1:1 (0:0)

Saint-Denis, Stade de France, 73.000 Zuschauer, SR Mazic (SRB)

Torfolge:
1:0 Hoolahan (48.)
1:1 Clark (71./Eigentor)

Irland: Randolph - Coleman, O’Shea, Clark, Brady - McCarthy (85./McGeady), Whelan, Hendrick - Hoolahan (78./Keane) - Walters (64./McClean), Long

Schweden: Isaksson - Lustig (45./Johansson), Lindelöf, Granqvist, Olsson - Larsson, Lewicki (86./Ekdal), Källström, Forsberg - Berg (59./Guidetti), Ibrahimovic

Gelbe Karten: McCarthy, Whelan bzw. Lindelöf

Tabelle:
1. Italien * 3 2 0 1 3:1 6
2. Belgien * 3 2 0 1 4:2 6
3. Irland * 3 1 1 1 2:4 4
4. Schweden 3 0 1 2 1:3 1
* im Achtelfinale

Links: