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Herber Dämpfer für den Geheimfavoriten

Italien hat Belgiens Traum vom EM-Titel einen herben Dämpfer versetzt. Die in der ungewohnten Rolle des Außenseiters agierende „Squadra Azzurra“ setzte sich am Montagabend in Lyon im Schlager gegen den Geheimfavoriten mit 2:0 durch. Emanuele Giaccherini erzielte die italienische Führung (32.), Graziano Pelle fixierte in der Nachspielzeit (93.) den Sieg.

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Der Vizeeuropameister von 2012 präsentierte sich im proklamierten Gipfeltreffen der Gruppe E auf den Gegner perfekt eingestellt. Während die Mannschaft von Antonio Conte damit einigermaßen beruhigt in die weiteren Vorrundenpartien gehen kann, sind die „Roten Teufel“ gegen Irland und Schweden bereits unter Zugzwang.

Italienische Spieler jubeln

APA/AFP/Jeff Pachoud

Die Italiener feierten einen nicht von allen Experten erwarteten Erfolg

Startformationen ohne Überraschungen

Beide Teamchefs verzichteten auf große Überraschungen in der Startformation. Conte entschied sich für eine Variante mit einer Dreierabwehrkette aus Andrea Barzagli, Leonardo Bonucci und Giorgio Chiellini vor Torhüter und Kapitän Gianluigi Buffon. Im Angriff schickte der zukünftige Chelsea-Trainer sein Stammduo aus der Qualifikation, Pelle und Eder, aufs Feld.

Contes belgisches Gegenüber Marc Wilmots setzte in der Innenverteidigung nach dem Ausfall von Kapitän Vincent Kompany auf Toby Alderweireld und Thomas Vermaelen. Im offensiven Mittelfeld liefen Kapitän Eden Hazard, Kevin de Bruyne und Marouane Fellaini auf, als Solospitze Romelu Lukaku.

Flotter Beginn mit belgischen Vorteilen

Beide Mannschaften suchten gleich nach dem Anpfiff die Offensive, richtig gefährlich waren aber weder ein von Barzagli abgefangener Lukaku-Stanglpass (2.) noch ein vom belgischen Goalie Thibaut Courtois parierter Eder-Schuss (4.). Auch Italiens Torhüterlegende Buffon gab sich bei einem Weitschuss von Radja Nainggolan keine Blöße (10.). Die Belgier übernahmen zwar langsam das Kommando und drängten die „Azzurri“ in die Defensive, spätestens an der Strafraumgrenze waren sie aber mit ihrem Latein am Ende.

Paukenschlag durch Giaccherini

In der 32. Minute nützten die Italiener dann ihre erste Großchance: Bologna-Mittelfeldspieler Giaccherini startete perfekt in einen von der Mittellinie bis in den Strafraum geschlagenen Bonucci-Pass und ließ Courtois nicht den Funken einer Abwehrchance.

Giaccherini trifft nach Traumvorlage

Genialer Pass von Bonucci von der Mittellinie über die belgische Abwehr. Alderweireld kommt zu spät, Giaccherini kann alleine vor Courtois einschieben.

Spiegelte schon das 1:0 nicht den Spielverlauf wider, so wäre es wenig später beinahe sogar 2:0 gestanden: Antonio Candreva zwang Courtois mit einem schönen Schuss von der Strafraumgrenze zu einer Glanzparade. Nach dem folgenden Eckball behinderte sich die belgische Abwehr beim Klärungsversuch gegenseitig, der unverhofft zum Kopfball gekommene Pelle verfehlte aber das Tor (36.).

Emanuele Giaccherini (Italien) trifft

APA/AFP/Emmanuel Dunand

Emanuele Giaccherini sorgte für den ersten Torjubel der „Tifosi“

Die - nicht nur durch den Rückstand - in die Defensive geratenen „Roten Teufel“ versuchten zwar, sich aus der italienischen Umklammerung zu lösen, mehr als ein Fehlschuss von Axel Witsel (39.) gelang bis zum Pausenpfiff des englischen Schiedsrichters Mark Clattenburg aber nicht mehr.

Lukaku vergibt Ausgleichschance

Nach dem Seitenwechsel entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Die bis dahin beste Möglichkeit der Belgier vergab Lukaku. Der Everton-Stürmer versuchte nach einer idealen Vorlage von De Bruyne einen Heber über Buffon, dieser ging allerdings auch über das Tor (53.). Im Gegenzug konnte sich Courtois bei einem Kopfball von Pelle auszeichnen (54.).

Konterchance für Lukaku

Uncharakteristischer Fehler der Italiener tief in der gegnerischen Hälfte. Den perfekt gespielten Konter der Belgier kann Lukaku aber nicht verwerten.

Der Weltranglistenzweite Belgien lief weiter erfolglos gegen die - rein aus Juventus-Verteidigern bestehende - kompakt stehende Abwehr an und wurde zu Distanzschüssen gezwungen. Vor allem Hazard versuchte sich darin mehrmals. Wilmots versuchte sein Glück mit einer Auswechslung im Angriff: Divock Origi ersetzte Lukaku (73.). Wenig später musste im gegnerischen Sturm Eder für Ciro Immobile vom Platz. Der vierfache Weltmeister wehrte sich nun auch mit hartem Einsteigen gegen den Ausgleich. Clattenburg zeigte unter anderem Chiellini, Bonucci und dem für Daniele de Rossi eingewechselten Thiago Motta die Gelbe Karte.

Pelle stoppt belgische Schlussoffensive

Die letzte gute Chance der Belgier zum 1:1 vergab Origi, der Kopfball des Liverpool-Jungstars strich aber über die Latte (82.). Das drohende 0:2 verhinderte danach vorerst noch Courtois, der einen Immobile-Schuss spektakulär ablenkte (85).

Pelle setzt Schlusspunkt

In der Nachspielzeit spielt Italien einen Angriff gegen die weit aufgerückten Belgier abgebrüht zu Ende: Candreva passt mit aller Ruhe auf Pelle, der sehenswert einschießt.

Die zunehmend verzweifelte Schlussoffensive der „Roten Teufel“ wurde durch den Treffer von Pelle Sekunden vor dem Schlusspfiff jäh beendet. Nach einem Konter verwertete der Southampton-Stürmer eine Hereingabe von Candreva.

Enttäuschte belgische Spieler

APA/AP/Michael Sohn

Die Belgier hatten sich vom Auftaktspiel sicher mehr erwartet

Damit misslang den Belgiern die Revanche für die Niederlage in der Gruppenphase der Heim-EM 2000. Auch damals hatte Italien (mit Conte) gegen Belgien (mit Wilmots) mit 2:0 gewonnen. Während die „Squadra Azzurra“ in der Folge ins Finale einzog, mussten die Gastgeber bereits nach der Vorrunde die Koffer packen.

Rudolf Srb, ORF.at

EM, Gruppe E, erste Runde

Montag:

Belgien - Italien 0:2 (0:1)

Stade de Lyon, 53.000 Zuschauer, SR Clattenburg (ENG)

Torfolge:
0:1 Giaccherini (32.)
0:2 Pelle (93.)

Belgien: Courtois - Ciman (75./Carrasco), Alderweireld, Vermaelen, Vertonghen - Witsel, Nainggolan (62./Mertens) - De Bruyne, Fellaini, Hazard - R. Lukaku (73./Origi)

Italien: Buffon - Barzagli, Bonucci, Chiellini - Candreva, Parolo, De Rossi (78./Motta), Giaccherini, Darmian (58./De Sciglio) - Pelle, Eder (75./Immobilie)

Gelbe Karten: Vertonghen bzw. Chiellini, Eder, Bonucci, Motta

Tabelle:
1. Italien * 3 2 0 1 3:1 6
2. Belgien * 3 2 0 1 4:2 6
3. Irland * 3 1 1 1 2:4 4
4. Schweden 3 0 1 2 1:3 1
* im Achtelfinale

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