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Wiener von Toronto ausgewählt

Für den Wiener Jakob Pöltl ist in der Nacht auf Freitag ein Traum in Erfüllung gegangen. Der 20-Jährige ist der erste Österreicher, der den Sprung in die nordamerikanische National Basketball Association (NBA) geschafft hat. Pöltl wurde beim Draft im Barclay Center von Brooklyn unter 60 Nachwuchsspielern als neunter Pick von den Toronto Raptors ausgewählt.

Pöltl wird in seinen ersten zwei NBA-Saisonen für die Raptors jeweils etwa 2,3 Millionen Dollar (rund zwei Mio. Euro) verdienen. Nachdem wie erwartet Ben Simmons (LSU) und Brandon Ingram (Duke) auf den Positionen eins und zwei von den Philadelphia 76ers und den Los Angeles Lakers gezogen worden waren und sich die Boston Celtics für Jaylen Brown (California) entschieden hatten, wurde die Spannung aus österreichischer Sicht zunehmend größer.

Jakob Pöltl neben NBA-Commissioner Adam Silver beim Draft

AP/Frank Franklin II

NBA-Commissioner Adam Silver gratuliert Pöltl

Kurz nach 2.30 Uhr MESZ (Donnerstag, 20.30 Uhr Ortszeit) war es dann so weit: „Die Toronto Raptors wählen Jakob Pöltl“, verkündete NBA-Commissioner Adam Silver. Das einzige NBA-Team aus Kanada durfte sich gemäß der Draft-Lottery von vor mehr als einem Monat an neunter Position (der Pick stammte von den Denver Nuggets) für einen Spieler entscheiden.

Jubel der österreichischen Fans

Pöltl betrat unter dem deutlich hörbaren Jubel österreichischer Fans auf den Tribünen die Bühne im Barclays Center. Die obligate Kappe seines neuen Teams hatte er da bereits aufgesetzt bekommen. NBA-Chef Silver gratulierte mit einem kräftigen Händedruck herzlich. Mit dem Wiener ist Österreich seit der Nacht auf Freitag auf der NBA-Landkarte vertreten. Pöltl sorgt damit für heimische Basketballgeschichte.

„Ich möchte in die NBA gehen. Das ist der nächste Schritt, den ich in meiner Basketballkarriere machen möchte“ - mit diesen Worten beendete Pöltl vor zwei Monaten seine Zeit als Collegespieler an der University of Utah in Salt Lake City. Bei den Utes spielte sich der 2,13 Meter große Center ins Rampenlicht. In seiner zweiten Saison heimste der Wiener Auszeichnungen am laufenden Band ein.

Paul Watson (Fresno State Bulldogs) gegen Jakob Poeltl (Utah Utes)

Reuters/USA TODAY Sports/Isaiah J. Downing

Pöltl wurde in zwei Jahren zum Aushängeschild der Utah Utes

Pöltl, der sein Talent im Nachwuchs der Red Panthers Wien und der Vienna DC Timberwolves schliff, erhielt nicht nur den Kareem Abdul-Jabbar Award als bester Center der US-Collegeliga NCAA, sondern der 20-Jährige wurde auch zum Spieler des Jahres in der Pac-12-Conference und ins All-American Second Team gewählt. Im Vorjahr entschied er sich noch für ein weiteres Jahr am College, heuer erfüllt sich der Traum von einer NBA-Karriere.

Realistische Erwartungen

Pöltl ist überzeugt, dass er dem NBA-Team viel bringen kann. „Meine größten Stärken sind, dass ich beweglich bin und rennen kann. Im Vergleich zu anderen Spielern, die ähnlich groß sind, bin ich schneller auf den Beinen. Was mir wirklich hilft beim Basketball, sind die guten Instinkte, dass ich das Spiel gut verstehe, dass ich gut auf Situationen reagieren kann“, so der Wiener. Allerdings habe er noch viel zu lernen: „Es wird auf keinen Fall leicht. Ich bin ein Spieler, der sich weiterentwickeln wird. Ich bin jetzt noch nicht zu 100 Prozent ‚NBA-ready‘ sozusagen.“

Jakob Pöltl mit seiner Famile, Mutter Martina Pöltl, Schwester Miriam und Vater Rainer Ömer

APA/Helmut Fohringer

Die Familie war beim Draft im Barclay Center dabei

Der 20-Jährige, der bei der Auswahlgala in der Heimstätte der Brooklyn Nets von seiner Familie, einigen Freunde und Utes-Trainer Larry Krystkowiak begleitet wurde, dämpft gleichzeitig überzogene Erwartungen in der Heimat und sieht sein mögliches erstes Profijahr realistisch: „Ich werde jetzt nicht der Topscorer sein. Ich werde für die kleineren Sachen zuständig sein, in denen ich gut bin - zum Beispiel in der Defense. Ich bin ein guter Mitspieler. Ich glaube, es wird auch nicht von mir erwartet, dass ich in meinen ersten Saisonen die Punkte mache für mein Team.“

Hohe Ziele

Langfristig hat der Wiener mit seinem Team und persönlich große Ziele. „Das geht so in Richtung NBA-Championship, All-Star und solche Sachen. Das wird ziemlich sicher noch ein paar Jahre dauern - wenn überhaupt, dass das realistisch ist“, so Pöltl, „erst einmal kurzfristig, dass ich mich etabliere in der NBA, meine Minuten raufschraube und mich ordentlich entwickle als Spieler. Längerfristig sind es dann NBA-Titel.“

Dass die Nacht auf den 24. Juni nicht nur für ihn, sondern auch für das heimische Basketball ein Meilenstein war, ist Pöltl bewusst. „Er bedeutet sehr viel, weil so ein bisschen ein Traum in Erfüllung geht. Dass ich der erste Österreicher sein werde, der in der NBA spielen wird, macht das Ganze noch einmal schöner“, so Pöltl. Die NBA war bisher der einzige weiße Fleck der großen nordamerikanischen Ligen aus österreichischer Sicht. In der National Football League (NFL), National Hockey League (NHL) und sogar in der Major League Baseball (MLB) hinterließen Österreicher unterschiedlich tiefe Spuren.

Steckbrief von Jakob Pöltl

  • Geboren: 15. Oktober 1995 in Wien
  • Größe/Gewicht: 2,13 m/113 kg
  • Familienstand: ledig, Eltern Martina Pöltl und Rainer Ömer (beide frühere Volleyball-Nationalspieler), Schwester Miriam (17 Jahre)
  • Position: Center, Power Forward
  • Nummer im NBA-Draft: 9. im Jahr 2016
  • Künftiger NBA-Club: Toronto Raptors
  • Bisherige Clubs: BC Vienna bzw. Red Panthers Wien (2002 bis 2006), Vienna DC Timberwolves (2006 bis 2013), Traiskirchen Lions (2013 bis 2014), University of Utah (2014 bis 2016)
  • Länderspiele für Österreich: fünf
  • Statistiken in der abgelaufenen Collegesaison für Utah: 17,6 Punkte, 9,0 Rebounds und 1,6 Blocks pro Spiel; 66 Prozent Trefferquote aus dem Feld

Größte Erfolge:

  • Achtelfinale der US-Collegemeisterschaft 2015 mit den Utah Utes
  • Finale der Pac-12 Conference 2016 mit den Utah Utes
  • Collegespieler des Jahres in der Pac-12 Conference 2015/16
  • Bester College-Center 2015/16 (Kareem Abdul-Jabbar Award)
  • Pete Newell Big Man of the Year Award 2016
  • All-American Second Team 2016
  • Rookie des Jahres in der österreichischen Bundesliga 2013/14
  • Österreichischer Bundesliga-All-Star 2013/14
  • Center des Jahres 2012/13 in der zweiten Basketball-Bundesliga
  • Wahl in All-Tournament-Teams bei U18-B-EM 2012 und 2013
  • Österreichischer Meister und wertvollster Spieler U16 (2011) und U18 (2013) mit den DC Timberwolves

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