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„Joker“ sticht in der Verlängerung

Portugal hat am Samstagabend bei der Fußball-EM in Frankreich nach Polen und Wales das dritte Viertelfinal-Ticket gelöst. Die Auswahl von Trainer Fernando Santos setzte sich in einer von Taktik und Vorsicht geprägten Partie in der Verlängerung gegen Kroatien mit 1:0 durch. Das Goldtor erzielte „Joker“ Ricardo Quaresma, der mit dem ersten Torschuss der Partie für die Entscheidung sorgte.

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Im Viertelfinale treffen die Portugiesen nun am Donnerstag (21.00 Uhr, live in ORF eins) auf Polen, das sich zuvor im ersten Spiel des Tages gegen die Schweiz durchgesetzt hatte. Die leicht favorisierten Kroaten hatten die meiste Zeit über das Spiel kontrolliert, vermochten sich jedoch keine zwingende Torchance herauszuspielen und müssen sich zum dritten Mal hintereinander bereits zum Auftakt der K.-o.-Runde verabschieden.

Quaresma beendet Geduldsspiel

Die Portugiesen laufen über Renato Sanches einen Konter. Von Nani gelangt der Ball zu Ronaldo, dessen Schuss von Subasic noch abgewehrt wird, Quaresma muss im Nachsetzten nur noch per Kopf abstauben.

Kroatien setzt auf Offensivpower

Bei Portugal, das in der ÖFB-Gruppe F mit drei Remis ins Achtelfinale „gestolpert“ war, flog Monaco-Mittelfeldmann Joao Moutinho aus der Startelf. Zudem fehlten Innenverteidiger Ricardo Carvalho und Außenverteidiger Vieirinha, die noch alle drei Vorrundenspiele für Portugal absolviert hatten. Für den bereits 38-jährigen Carvalho bot Santos Southampton-Defensivmann Jose Fonte auf. Für Vieirinha rückte Cedric Soares, für Moutinho Mittelfeldspieler Adrien Silva ins Team. Das Stürmerpaar im 4-4-2-System bildeten Cristiano Ronaldo und Nani, der sein 100. Länderspiel bestritt.

Die Kroaten traten mit dem Selbstvertrauen eines 2:1-Sieges gegen Spanien, das nach 15 EM-Spielen erstmals wieder eine Niederlage kassiert hatte, an und kündigten vor dem Anpfiff ein Offensivspektakel an. So kehrten unter anderen die Topstars Luka Modric und Mario Mandzukic, die im letzten Gruppenspiel gegen den Titelverteidiger gar nicht zum Einsatz kamen, zurück in die Startelf. Die Speerspitze bildete Ivan Rakitic. Trainer Ante Cacic nominierte für das Duell gegen die „Selecao“ damit wieder exakt jene Elf, die die ersten beiden Spiele bestritten hatte. Ein Offensivspektakel war zumindest auf dem Papier garantiert.

Domagoj Vida (CRO)

APA/AFP/Kenzo Tribouillard

Kroatien biss sich im Achtelfinale erneut an Portugal die Zähne aus

Aus kroatischer Sicht war dieses auch dringend notwendig. Die bisherigen drei Duelle hatte Portugal jeweils ohne Gegentreffer für sich entschieden. Besonders beeindruckend war der 3:0-Erfolg in der Gruppenphase der EM 1996. Damals schafften allerdings beide Teams gemeinsam den Sprung in die K.-o.-Phase. Für den Einzug ins Viertelfinale mussten Modric und Co. diesmal aber unbedingt erstmals gegen die „Selecao“ anschreiben und deren stolze Serie brechen. Bei allen sieben bisherigen EM-Teilnahmen erreichte Portugal nämlich zumindest das Viertelfinale.

Angst vor Gegentreffer dominiert

Gleich vom Anpfiff weg erlebten die Zuschauer im prall gefüllten Stade Bollaert-Delelis von Lens dann aber eine vor allem von Vorsicht geprägte Partie. Die Kroaten ließen den Ball zwar geschickt in den eigenen Reihen zirkulieren und suchten Lücken in der portugiesischen Defensive, für Nadelstiche fanden Modric und Co. aber keinen Raum. Portugal konzentrierte sich indes vorerst einmal auf die Defensivarbeit, schaltete bei Balleroberung aber blitzschnell um und wollte das Feld von hinten aufzurollen. Torchancen blieben deshalb Mangelware, beide Teams neutralisierten einander im Mittelfeld.

Perisic ans Außennetz (30.)

Ivan Perisic kommt zur ersten Möglichkeit für Kroatien. Mit einem Haken bringt sich der Flügelspieler in Schussposition, sein Abschluss landet aber nur im Außennetz.

Je länger die Partie dauerte und je öfter die Angriffsbemühungen der Kroaten im Sand verliefen, desto öfter trauten sich die Portugiesen nun auch selbst, ihre gesicherte Deckung zu verlassen. Zunächst fiel Ronaldo dann aber noch mit zwei Fouls gegen Modric und gleich darauf gegen Kroatien-Kapitän Darijo Srna auf, eine Verwarnung blieb dem Superstar aber erspart. Dann holte der 31-Jährige aber einen Freistoß heraus, den Raphael Guerreiro gefährlich vor das Tor von Danijel Subasic zirkelte. Pepe stieg hoch, köpfelte den Ball aber deutlich über das Tor. Der Real-Verteidiger stand dabei allerdings im Abseits, das Tor hätte aber trotzdem gezählt (25.).

Perisic und Co. machen keinen Stich

Kurz darauf klopften dann auch die Kroaten erstmals bei den Portugiesen an. Nach einem langen Pass auf den Flügel kämpfte sich Ivan Perisic, der wie Ronaldo bei der Endrunde schon zweimal eingenetzt hatte, in den Strafraum und versuchte, Rui Patricio im Tor der Portugiesen mit einem Schuss auf das kurze Eck zu überraschen. Allerdings war Patricio hellwach und wäre zur Stelle gewesen (30.). Einschussmöglichkeiten blieben aber weiter Mangelware, das Hauptaugenmerk beider Mannschaften blieb weiter, keinen Gegentreffer zu kassieren. Zur Pause zählten die Statistiker dementsprechend keinen einzigen Torschuss auf eines der beiden Gehäuse.

Zumindest Portugal-Teamchef Santos hatte kurz nach dem Seitenwechsel ein Einsehen und versuchte, mit dem 18-jährigen Bayern-Neuzugang Renato Sanches statt Andre Gomes für frischen Wind zu sorgen. Die ersten Chancen in der zweiten Hälfte hatten dann aber die Kroaten. Zunächst suchte Ivan Strinic den Kopf von Juve-Legionär Mandzukic, Pepe konnte aber in höchster Not klären. Bei der anschließenden, schnell abgespielten Ecke stand plötzlich Marcelo Brozovic am ersten Pfosten frei, sein Schuss strich über die Latte (53.). Bei Supertalent Sanches blieb es einmal nach Doppelpass mit Joao Mario bei einem abgerissenen Schussversuch (57.).

Vida hat Führungstreffer auf dem Kopf

Dann hätte es aber fast doch geklingelt. Srna zauberte einen Freistoß von der rechten Seite genau in den Laufweg von Domagoj Vida. Der aufgerückte Innenverteidiger verlängerte den Ball, der aber zum Leidwesen der kroatischen Fans abermals nicht Richtung Tor abbog. Im Gegenzug dann Glück für die Kroaten, dass die Pfeife des spanischen Schiedsrichters Carlos Velasco Carballo stumm blieb. Strinic traf bei einem Abwehrversuch im Strafraum statt des Balls Gegenspieler Nani an der Hüfte. Der durchaus gerechtfertigte Elfmeterpfiff blieb aber aus (63.).

Vida trifft wieder nicht (62.)

Nach einem Freistoß von Kroatien-Kapitän Darijo Srna setzt Domagoj Vida einen Kopfball neben das portugiesische Tor.

Die Zuschauer machten unterdessen gute Miene zum enttäuschenden Spiel und stellten sich langsam, aber sicher lautstark auf eine Verlängerung ein. Am Rückhalt der Fans beider Lager lag es jedenfalls nicht, dass sowohl die Kroaten als auch die Portugiesen auf dem Feld mit Torchancen geizten. Je länger die Spieluhr nun auch tickte, desto vorsichtiger wurde gespielt. Das Glück wollten beide Mannschaften offensichtlich erst in der Nachspielzeit oder gar erst im Elfmeterschießen erzwingen.

Frische Kräfte für Verlängerung

Immerhin zog Portugal-Teamchef Santos kurz vor Schluss noch einen „Joker“ und schickte den zuletzt leicht angeschlagenen Besiktas-Torjäger Quaresma anstelle von Mario aufs Feld. Sein Gegenüber Cacic reagierte ebenfalls und brachte Nikola Kalini für den glücklosen Mandzukic. 0:0 Torschüsse in 93 offensiv trostlosen Minuten regulärer Spielzeit bedeuteten allerdings trotzdem zwangsweise einen Nachschlag von zweimal 15 Minuten.

Perisic an die Stange (116.)

Der erste Torschuss nach 115 Minuten: Ivan Perisic kommt durch einen Kopfball zur Gelegenheit, trifft aber nur Aluminium.

Spielerisch tat sich allerdings auch in der Verlängerung zunächst wenig, die größte Chance auf den „Lucky Punch“ vergab Vida, der in der 112. bei einem Kopfball zu viel Rücklage hatte und das Leder über die Latte setzte. Plötzlich spielten beide Mannschaften aber mit offenem Visier und suchten doch noch die Entscheidung. Zunächst traf Perisic nach einem Eckball die Stange (116.), praktisch im Gegenzug fiel die Entscheidung.

Ricardo Quaresma erzielt das 1:0 (POR)

APA/AFP/Francois lo Presti

Quaresma sorgt drei Minuten vor Schluss doch noch für die Entscheidung

Sanches leitete einen Konter ein, passte auf Nani, der wiederum Ronaldo ideal bediente. Subasic konnte den Schuss des Real-Stars zwar noch einmal parieren, gegen den Abstauber von Quaresma (117.) war er aber machtlos. Die letzte Chance der Kroaten vergab Vida Sekunden vor dem Schlusspfiff.

Wolfgang Rieder, ORF.at

Fußball-EM, Achtelfinale

Samstag:

Kroatien - Portugal 0:1 n.V.

Lens, Stade Bollaert-Delelis, 33.500 Zuschauer, SR Carballo (ESP)

Tor: Quaresma (117.)

Kroatien: Subasic - Srna, Corluka (120./Kramaric), Vida, Strinic - Modric, Badelj - Brozovic, Rakitic (110./Pjaca), Perisic - Mandzukic (88./Kalinic)

Portugal: Rui Patricio - Cedric, Pepe, Fonte, Raphael Guerreiro - Joao Mario (87./Quaresma), Adrien Silva (109./Danilo), William Carvalho, Andre Gomes (50./Renato Sanches) - Nani, Ronaldo

Gelbe Karten: keine bzw. William Carvalho

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