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Drei späte Tore bringen Gewissheit

EM-Mitfavorit Belgien steht nach einem 4:0 (1:0) gegen Ungarn im Viertelfinale und trifft dort auf Wales. Die „Roten Teufel“ gingen zwar früh in Führung, die Ungarn kämpften sich aber zurück ins Spiel und kamen zu zahlreichen guten Ausgleichschancen. Im Finish wurde der mitunter unüberwindbar scheinende ungarische Schlussmann Gabor Kiraly noch dreimal überwunden.

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Toby Alderweireld brachte die zu Beginn furios aufspielenden Belgier nach nur zehn Minuten in Führung. Dann wogte das Spiel hin und her - mit zahlreichen Chancen auf beiden Seiten. Als sich die Anstrengungen auf den Ausgleich der Ungarn konkretisierten, beendeten Michy Batshuayi und Eden Hazard mit einem Doppelschlag sämtliche ungarischen Hoffnungen. Das 4:0 durch Yannick Carrasco kurz vor dem Ende war dann nur noch Draufgabe.

Ungarn stellt um, Belgien setzt auf Stammelf

Ungarns deutsches Trainerteam Bernd Storck und Andy Möller stellte im Vergleich zum 3:3 gegen Portugal auf zwei Positionen um: Tamas Kadar und Adam Nagy rückten in die Startelf, Mihaly Korhut und Akos Elek mussten weichen. Auch Laszlo Kleinheisler sollte eigentlich wieder ins Team kommen, der Regisseur verletzte sich aber beim Aufwärmen und musste erneut von Adam Pinter vertreten werden.

Alderweireld bringt Belgien in Führung (10.)

Toby Alderweireld schraubt sich nach einem Freistoß von Kevin de Bruyne in die Luft und köpfelt zur belgischen Führung ein.

Die Belgier modifizierten ihre Startelf nur auf einer Position: Statt Carrasco kam Dries Mertens auf dem rechten Flügel zum Einsatz. Der Rest gehörte zur belgischen Stammformation - die Staroffensive um Romelu Lukaku, Hazard und Kevin de Bruyne inklusive.

Furioser Beginn der „Roten Teufel“

Der gar nicht so geheime Geheimfavorit wurde in der vierten Minute erstmals auffällig: De Bruyne zog aus rund 20 Metern ab, sein Schuss ging aber über die Latte. Drei Minuten später war der millionenschwere Spieler von Manchester City erneut am Strafraum, narrte die ungarische Abwehrspieler mit zwei Haken und zog ab - diesmal hatte Torhüter Gabor Kiraly den Ball sicher.

Nach zehn Minuten war der Bann gebrochen: Alderweireld verwertete eine De-Bruyne-Freistoßflanke per Kopf zur Führung. Kiraly war bei dem zentralen, aber extrem wuchtigen Schuss ohne Chance, seine Abwehrspieler hatten den belgischen Verteidiger schlicht übersehen. Für De Bruyne war der erste belgische Treffer in der ersten Hälfte der EM die elfte Torbeteiligung in seinen letzten zwölf Begegnungen für Belgien (fünf Tore, sechs Assists).

Chancen im Minutentakt

In Minute 15 war es erneut De Bruyne, der nach einem Lukaku-Laufpass allen auf und davon lief. Der Schuss landete erneut bei Kiraly - genauer: in dessen Jogginghosen - und danach in seinen Händen. Wenige Sekunden später sorgte Belgiens Schlussmann Thibaut Courtois beinahe für ein Missgeschick. Der Chelsea-Goalie rutschte aus, legte etwas Ähnliches wie eine Telemark-Landung hin - und der Ball landete im Toraus: Eckball.

Gabor Kiraly (HUN)

APA/AFP/Remy Gabalda

Unbelohnter Mann des Spiels: Ungarn-Torhüter Gabor Kiraly

Kiraly stellte hingegen erneut seine Klasse unter Beweis, als Mertens auf dem rechten Flügel zum Tempodribbling anzog, in den 16er vorstieß und querzulegen versuchte - der Ungar warf sich in den Stanglpass und begrub den Ball sicher unter sich (25.). In der 30. Minute stieß erneut De Bruyne in die Spitze, brachte den Ball aber nicht mehr gefährlich auf das Tor.

De Bruyne trifft nur die Latte

Wenig später kamen auch die Ungarn in die Nähe des Tores. Gergö Lovrencsics beförderte das Leder aber aus etwa 20 Metern in die zweite Etage ins Publikum. Dafür sah Tamas Kadar kurz danach die Gelbe Karte, weil er Mertens kurz vor dem Strafraum legte - und somit eine klare Torchance verhinderte. De Bruyne trat zum Freistoß aus etwa 18 Metern an - und brachte mit einem Lattentreffer das Tor zum Beben. Goalie Kiraly taten im Anschluss die Finger weh - er hatte den Ball noch leicht berührt und somit ein Einschlagen ins Netz verhindert (36.).

Michy Batshuayi jubelt nach seinem Treffer mit einem Salto

AP/Francois Mori

120 Sekunden nach seiner Einwechslung zum 2:0 zur Stelle: Michy Batshuayi

Nur knapp 120 Sekunden danach ging das Duell De Bruyne - Kiraly in die nächste Runde. Wieder war der Belgier am rechten Flügel durchgekommen, wieder hatte Kiraly den Schuss fangen können. Der Frust über den Spielverlauf schlug sich auch auf Lovrencsics nieder, der aus knapp 20 Metern beherzt abzog - und das Außennetz des belgischen Tores zum Zittern brachte. Kurz danach kam Balazs Dzsudzsak zentral am Strafraum zum Ball und zog blitzschnell ab - diesmal wehrte Courtois mit etwas Mühe ab.

Kiraly Mann des Spiels für Ungarn

Doch die Belgier holten direkt zu einem Gegenschlag aus: Nach einem Eckball vergaben zweimal Mertens und Axel Witsel einen Chancen-Dreierpack. Einmal griff erneut Kiraly als Retter in der Not ein. Danach sahen Referee Milorad Mazic und knapp 30.000 Zuschauer in Toulouse Chancen in Hülle und Fülle - und es ging daher pünktlich in die Pause.

Wenige Sekunden nach dem Wiederanpfiff setzte sich das gewohnte Bild fort: Chancen in Hülle und Fülle. Zunächst prüfte Hazard, ob sein ewiger Kontrahent Kiraly wach aus der Kabine kam - und der Ungar war beim Schuss des Chelsea-Stars da.

Szalai vergibt Doppelchance zum 1:1

In der 50. Minute hielt Adam Szalai auf der Gegenseite aus spitzem Winkel drauf und verpasste mit seinem Schuss das Tor nur knapp. Vier Minuten später war er per Kopf zur Stelle, nachdem Dzsudzsak eine Maßflanke in den Strafraum gezwirbelt hatte.

In der Folge verflachte die Partie ein wenig, ehe die Ungarn in der 66. Minute wieder für ein Rufzeichen sorgten. Der eingewechselte Adam Pinter zog aus etwa 20 Metern ab, der Schuss wurde noch von einem belgischen Verteidiger minimal abgefälscht - und Courtois drehte den Ball gerade noch über die Latte zum Eckball. Zwei Minuten später fehlten Roland Juhasz nur knapp 30 Zentimeter zum Ausgleich. Der Verteidiger nahm einen hohen Ball mit der Brust an und zog sofort ab - sein Flachschuss zog am linken Pfosten vorbei.

Batshuayi trift zum 2:0 (78.)

Der zwei Minuten zuvor eingewechselte Michy Batshuayi erzielt nach einem Stanglpass von Eden Hazard das 2:0 für Belgien.

Wilmots wechselt, Basthuayi bedankt sich

In Minute 76. beschloss Wilmots dann, einen frischen Mann zu bringen - und schickte Basthuayi für Lukaku aufs Feld. Knapp 120 Sekunden später durfte sich Wilmots über sein goldenes Händchen freuen: Nach einer Ecke von De Bruyne tankte sich Hazard durch und bediente den völlig freien Batshuayi, der zum 2:0 einschoss.

Weitere 70 Sekunden später stand es 3:0: Blitzschnell spielten die Belgier einen Konter aus der eigenen Abwehr zu Hazard in die Spitze, der nach einem Haken kurz die Strafraumlinie entlangsprintete und trocken, flach und rechts zum 3:0 vollendete - und damit sämtliche Hoffnungen der Ungarn auf eine Sensation zunichtemachte.

Dass der Sieg so hoch ausfiel, war Carrasco zu verdanken, der nach einer Hereingabe von Radja Nainggolan mit links ins kurze Eck zum 4:0 einschoss und so den lange aufopferungsvoll kämpfenden Ungarn in der 91. Spielminute eine letzte Demütigung verpasste.

Mario Wally, ORF.at

Fußball-EM, Achtelfinale

Sonntag:

Ungarn - Belgien 0:4 (0:1)

Stadium de Toulouse, 28.900 Zuschauer, SR Mazic (SRB)

Torfolge:
0:1 Alderweireld (10.)
0:2 Batshuayi (78.)
0:3 Hazard (80.)
0:4 Carrasco (91.)

Ungarn: Kiraly - Lang, Juhasz (79./Böde), Guzmics, Kadar - Nagy - Lovrencsics, Pinter (75./Nikolic), Gera (46./Elek), Dzsudzsak - Szalai

Belgien: Courtois - Meunier, Alderweireld, Vermaelen, Vertonghen - Nainggolan, Witsel - Mertens (70./Carrasco), De Bruyne, Hazard (81./Fellaini) - R. Lukaku (76./Batshuayi)

Gelbe Karten: Kadar, Lang, Elek, Szalai bzw. Vermaelen, Batshuayi, Fellaini

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