EM-Debütant im Viertelfinale
Englands Fußballer müssen weiter auf den ersten Titel seit 50 Jahren warten. Der Weltmeister von 1966 scheiterte am Montagabend im EM-Achtelfinale in Nizza durch eine 1:2-Niederlage gegen das Sensationsteam Island. Der EM-Debütant drehte einen raschen Rückstand umgehend um, blamierte den haushohen Favoriten und fordert nun am Sonntag (21.00 Uhr, live in ORF eins) im Viertelfinale Gastgeber Frankreich.
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Wayne Rooney brachte die Engländer zwar schon in der vierten Minute per Elfmeter in Führung, der Außenseiter reagierte aber alles andere als schockiert auf den Rückstand und schlug durch Tore von Ragnar Sigurdsson (6.) und Kolbeinn Sigthorsson (18.) zurück.
Sigthorsson schießt Island zum Sieg
Kolbeinn Sigthorsson nützte Schwächen in der englischen Verteidigung zum Siegestor für den Außenseiter.
Die Auswahl des mit nur rund 330.000 Einwohner kleinsten EM-Teilnehmerlandes fixierte damit die bisher größte Überraschung bei dieser EM. Bereits in der Qualifikation hatten die Isländer mit zwei Siegen gegen die Niederlande maßgeblichen Anteil an der EM-Zuschauerrolle von „Oranje“ gehabt. Unmittelbar nach dem Match erklärte Englands Teamchef Roy Hodgson seinen Rücktritt.

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Die Isländer bejubelten die größte Sensation im EM-Achtelfinale
Rooney und fünf weitere Rückkehrer für England
Kapitän Rooney kehrte wie erwartet in die Startformation der „Three Lions“ zurück und ist nun mit 115 Länderspielen ex aequo mit David Beckham englischer Rekordfeldspieler. Bis zur Einstellung des Rekordes von Goalie Peter Shilton fehlen damit noch zehn Einsätze.
Hodgson rotierte fünf weitere Spieler zurück ins Team, die im letzten Gruppenspiel gegen die Slowakei (0:0) nicht gestartet waren. Harry Kane war wie Raheem Sterling wieder in der Dreierangriffsreihe mit Daniel Sturridge. Neben Rooney begann Dele Alli im offensiven Mittelfeld, Kyle Walker und Danny Rose bildeten wie gegen Russland (1:1) und Wales (2:1) die Außenverteidigung. Torjäger Jamie Vardy saß ebenso nur auf der Ersatzbank wie Jungstar Marcus Rashford.
Islands gleichberechtigte Teamchefs Lars Lagerbäck und Heimir Hallgrimsson vertrauten hingegen derselben Startelf, die bereits in den Gruppenspielen gegen Portugal (1:1), Ungarn (1:1) und Österreich aufgelaufen war und die ÖFB-Nationalmannschaft am Mittwoch mit einem 2:1-Erfolg heimgeschickt hatte.
Island kontert englischen Blitzstart
Nach nur sechs Minuten durften bereits beide Mannschaften ein Tor bejubeln. Nach einem Foul von Islands Tormann Hannes Halldorsson an Sterling verwertete Rooney den von Schiedsrichter Damir Skomina verhängten Penalty souverän in die linke untere Ecke.
Rooney trifft Elfmeter
Bereits in der vierten Minute brachte Kapitän Wayne Rooney England mit einem verwerteten Elfmeter in Führung.
Fast im Gegenstoß gelang dem beherzt kämpfenden Außenseiter aber der Ausgleich. Die englische Abwehr brachte den Ball nach einem weiten Out-Einwurf nicht aus der Gefahrenzone, Kari Arnason verlängerte per Kopf - und Sigurdsson ließ Goalie Joe Hart aus kurzer Distanz keine Chance.
Während Weitschüsse von Alli (15.) und Kane (17.) knapp über das Tor strichen, nutzten die Isländer auch ihre zweite Chance eiskalt. Sie übertölpelten die Abwehr der Briten und kombinierten sich ohne viel Gegenwehr in den Strafraum, wo Sigthorsson nach Zuspiel von Jon Dadi Bödvarsson zum 2:1 traf. Eine ähnlich unglückliche Figur wie seine Verteidigung machte dabei auch Hart.
Postwendender Ausgleich
Postwendend schafften die Isländer den Ausgleich. Ragnar Sigurdsson glich in der sechsten Minute aus.
„Three Lions“ laufen erfolglos an
Einen schönen Kane-Volley nach Sturridge-Flanke konnte Halldorsson über die Latte drehen (28.) - ansonsten hatte die gut gestaffelte Abwehr der Isländer wenig Probleme mit den nun verstärkten Angriffsbemühungen der Engländer. Die Isländer verlegten sich aufs Kontern und waren dabei auch gefährlich, etwa bei einem Schuss von Ari Freyr Skulason, der nur knapp am Tor vorbeiging (34.).
Zu Seitenwechsel stellte Hodgson lediglich im Mittelfeld um, wo Jack Wilshere Eric Dier ersetzte. Am Spielcharakter änderte sich wenig, die Isländer waren dem 3:1 sogar näher als England dem Ausgleich: Nach einer Kopfballstafette versuchte Sigthorsson einen Fallrückzieher aus kurzer Distanz, Hart wehrte aber mit einer Glanzparade ab (55.).
Auch Vardy-Hereinnahme bringt keine Wende
Auch die Hereinnahme von Vardy für Sterling (60.) brachte nichts Zählbares, die Abwehr des Überraschungsteams hielt stand, so klärte zum Beispiel Sigurdsson bei einem vielversprechenden Vardy-Vorstoß mit einem hervorragenden Tackling im Strafraum (70.). Einen Kane-Kopfball konnte Halldorsson mühelos bändigen (79.). Die Isländer hatten ihrerseits Möglichkeiten aus Kontern - etwa durch Birkir Saevarsson (73.) und Aron Einar Gunnarsson (84.).

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Englands Titeltraum endete einmal mehr mit einer bitteren Enttäuschung
Der im Finish für Rooney eingewechselte Rashford (86.) konnte die Blamage der hilflos wirkenden Engländer ebenfalls nicht mehr abwenden, die verzweifelte Schlussoffensive verpuffte. Das „Mutterland des Fußballs“, das als einziges Team alle Qualifikationsspiele auf dem Weg nach Frankreich für sich entschieden hatte, wartet damit bereits seit der WM 2006 in Deutschland auf einen Sieg in der K.-o.-Phase eines großen Turniers.
Rudolf Srb, ORF.at
Fußball-EM, Achtelfinale
Montag:
England - Island 1:2 (1:2)
Nizza, Stade de Nice, 33.900 Zuschauer, SR Skomina (SLO)
Torfolge:
1:0 Rooney (4./Elfmeter)
1:1 R. Sigurdsson (6.)
1:2 Sigthorsson (18.)
England: Hart - Walker, Cahill, Smalling, Rose - Alli, Dier (46./Wilshere), Rooney (86./Rashford) - Sturridge, Kane, Sterling (60./Vardy)
Island: Halldorsson - Saevarsson, Arnason, R. Sigurdsson, Skulason - Gudmundsson, G. Sigurdsson, Gunnarsson, B. Bjarnason - Sigthorsson (77./E. Bjarnason), Bödvarsson (89./Traustason)
Gelbe Karten: Sturridge bzw. G. Sigurdsson, Gunnarsson
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