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Gastgeber mit titelreifer Vorstellung

Frankreich hat am Sonntag mit einer beeindruckenden Vorstellung den Einzug ins EM-Halbfinale geschafft und damit den Beutezug der „Wikinger“ beendet. Der Gastgeber ließ vor 76.833 Fans im Stade de France dem Sensationsteam Island keine Chance und setzte sich klar mit 5:2 (4:0) durch. Im Kampf um den Einzug ins Finale wartet auf die „Equipe Tricolore“ nun am Donnerstag in Marseille im großen Schlager Weltmeister Deutschland.

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Den Grundstein für den Kantersieg legten die Franzosen in einer formidablen ersten Hälfte. Tore von Olivier Giroud (12.), Paul Pogba (20.), Dimitri Payet (43.) und Antoine Griezmann (45.) nahmen den mit viel Selbstvertrauen in die Partie gegangenen Isländern jede Chance auf eine weitere Sensation. Giroud erzielte auch den fünften Treffer (59.). Die „Wikinger“ zeigten aber große Moral, gaben trotz der aussichtslosen Lage nie auf und betrieben durch Kolbeinn Sigthorsson (56.) und Birkir Bjarnason (84.) Ergebniskosmetik.

1:0 durch Giroud

Olivier Giroud eröffnete in der zwölften Minute den Trefferreigen der Franzosen und legte nach der Pause noch ein Tor nach.

Frankreich mit vorsichtigem Beginn

Durch die Sperren von Adil Rami und N’Golo Kante war Frankreich zu Umstellungen gezwungen. In der Innenverteidigung kam Samuel Umtiti zu seinem Teamdebüt. Der robuste Moussa Sissoko erhielt den Vorzug gegenüber dem quirligen Kingsley Coman. In seinem 4-2-3-1-System setzte Teamchef Didier Deschampes im defensiven Mittelfeld auf Pogba und Blaise Matuidi. Bei Island wurde Einwurfspezialist Aron Gunnarsson rechtzeitig fit, womit die gleiche Startelf in einer 4-4-2-Formation wie beim 2:1-Sieg über England auf dem Feld stand.

Torschuss von Olivier Giroud (Frankreich)

Reuters/John Sibley

Giroud wurde nach seinem Doppelpack zum „Man of the Match“ gewählt

Auf die melancholische isländische Nationalhymne folgte die feurige „Marseillaise“, von dem danach folgenden Feuerwerk war bei den Franzosen vorerst aber nichts zu sehen. Coach Deschamps hatte vor der Partie einen konzentrierteren Beginn als im Achtelfinale, als Irland schnell in Führung gegangen war, gefordert. Seine Spieler setzten das um und begannen vorsichtig. Die Isländer spielten wiederum wie üblich: hinten kompakt und vorne mit Nadelstichen. So verzeichnete Gylfi Sigurdsson den ersten Torschuss der Partie (3.).

Doppelschlag von „Les Bleus“

Als sich im Stade de France schon etwas Unruhe bei den französischen Fans aufgrund des zurückhaltenden Starts regte, schlugen „Les Bleus“ eiskalt zu. Zunächst passte Matuidi ideal in den Rücken der Abwehr. Giroud sprintete Richtung Tor und bezwang Island-Goalie Hannes Thor Halldorsson mit einem Schuss durch die Beine (12.). Nur acht Minuten später war der Doppelschlag perfekt: Nach Griezmann-Eckball setzte sich Pogba im Duell gegen Jon Dadi Bödvarsson durch und köpfelte wuchtig ein.

Pogba erhöht auf 2:0

Nach einem Eckball ist Paul Pogba mit dem Kopf zur Stelle und erzielt in der 20. Minute den zweiten Treffer für Frankreich.

Nun war der Charakter der Isländer gefragt. Gegen die Engländer konnten sie einen frühen Rückstand noch drehen. Ein 0:2 gegen Frankreich war da allerdings noch eine Nummer größer. Mit ihrem Standardschmäh kamen die Isländer dem Anschlusstreffer nahe: weiter Einwurf von Gunnarsson, Sigurdsson verlängert per Kopf, aber Bödvarsson schoss im Fallen über das Tor (25.). Bis auf einen Freistoß von Sigurdsson, der unangenehm für Goalie Hugo Lloris aufsprang, waren die Isländer offensiv aber nicht mehr präsent (41.).

Vorentscheidung kurz vor der Pause

Die Franzosen kontrollierten mit Passstafetten das Geschehen, blieben brandgefährlich und sorgten kurz vor der Pause mit einem weiteren Doppelschlag für die Entscheidung in diesem Viertelfinale. Griezmann passte auf Payet, der mit einem Flachschuss ins lange Eck traf (43.). Danach trug sich auch der überragende Griezmann nach zwei Assists in die Schützenliste ein. Giroud ließ einen Pass durchlaufen. Griezmann ging auf und davon und schupfte den Ball über Halldorsson zu seinem bereits vierten EM-Treffer ins Tor (45.).

Griezmann trifft zum 4:0

Antoine Griezmann läuft alleine auf das Tor zu und verwandelt mit dem Selbstbewusstsein eines Torjägers zum 4:0 in der 45. Minute.

Island gibt sich nie auf

Nach Seitenwechsel ging es für die Isländer in erster Linie nur noch um Schadensbegrenzung. Mit Sverrir Ingi Ingason und Alfred Finbogasson kamen zwei frische Kräfte bei den „Wikingern“, die ihre bisherigen vier Spiele stets mit dem gleichen Personal bestritten hatten. Die Ehrenrettung gelang zur Freude der angeschlagenen isländischen Fans umgehend. Sigurdsson gab einen gefährlichen Stanglpass zur Mitte. Sigthorsson war schneller am Ball als Umtiti und bezwang Lloris im kurzen Eck (59.).

Sigthorsson verkürzt auf 1:4

Auch gegen Frankreich gelingt den Isländern ein Tor. Elf Minuten nach dem Seitenwechsel trifft Sigthorsson mit dem Spitz zum 1:4.

Für die Franzosen war das ein Weckruf, einer möglichen Aufholjagd erteilten sie postwendend eine Absage mit dem nächsten Treffer. Giroud stellte mit seinem Doppelpack den Viertorevorsprung wieder her, indem er sich nach einer Flanke gegen Ingason durchsetzte und per Kopf zum 5:1 traf (59.). Kurz darauf war das Spiel für den Arsenal-Stürmer, bei dem Deschamps auch keine Gelbsperre riskieren wollte, vorbei, für ihn kam Andre-Pierre Gignac (60.). Auch der belastete Laurent Koscielny wurde vom Platz genommen (72.).

Dazwischen hatten die Isländer eine Topchance auf den zweiten Treffer. Lloris drehte allerdings mit einer Glanztat einen Kopfball aus kurzer Distanz von Ingason über die Querlatte (63.). Während die Franzosen angesichts des klaren Vorsprungs nicht mehr an ihre Grenzen gingen, zeigten die Isländer ihr großes Herz und wurden mit dem zweiten Treffer belohnt. Bjarnason war mit dem Kopf zur Stelle und erzielte sein zweites Turniertor (84.). Am Ende wurden die „Wikinger“ von ihren Fans entsprechend gefeiert.

Christian Wagner, ORF.at

Fußball-EM, Viertelfinale

Sonntag:

Frankreich - Island 5:2 (4:0)

Saint-Denis, Stade de France, 76.833 Zuschauer, SR Kuipers (NED)

Torfolge:
1:0 Giroud (12.)
2:0 Pogba (20.)
3:0 Payet (43.)
4:0 Griezmann (45.)
4:1 Sigthorsson (56.)
5:1 Giroud (59.)
5:2 Bjarnason (84.)

Frankreich: Lloris - Sagna, Umtiti, Koscielny (72./Mangala), Evra - Pogba, Matuidi - Sissoko, Griezman, Payet (80./Coman) - Giroud (60./Gignac)

Island: Halldorsson - Saevarsson, Arnason (46./Ingason), R. Sigurdsson, Skulason - Gudmundsson, Gunnarsson, G. Sigurdsson, B. Bjarnason - Bödvarsson (46./Finnbogason), Sigthorsson (83./Gudjohnsen)

Gelbe Karten: Umtiti bzw. Bjarnason

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