Sondererlaubnis für Dopingkronzeugin
Die Rekordzahl von 1.474 Leichtathleten aus 51 Ländern tritt von Mittwoch bis Sonntag bei der EM in Amsterdam an - Dopingkronzeugin Julia Stepanowa aber als neutrale Athletin unter der Flagge des Europäischen Verbandes (EAA). Zum Missfallen des Sportausschusses in der Staatsduma, wohingegen der russische Leichtathletikverband (ARAF) es lediglich zur Kenntnis nahm.
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Der Internationale Verband (IAAF) legte nach der Fortsetzung der ARAF-Suspendierung wegen systematischen Dopings Kriterien für dessen Athleten für internationale Starts fest. Wer sich nachweislich schon länger von anerkannten Anti-Doping-Systemen im Ausland testen lässt, durfte einen Antrag auf Starterlaubnis für die EM stellen.
Comeback nach Sperre und Flucht in die USA
Für die 800-m-Läuferin Stepanowa, die das Betrugssystem aufdeckte, ist es ein Comeback nach zweijähriger Dopingsperre und der Flucht aus Russland über Deutschland in die USA. In ihrer Heimat ist die 30-Jährige als Verräterin gebrandmarkt, dort wäre sie in Gefahr. Am Mittwoch wird Stepanowa im EM-Vorlauf im Blickpunkt stehen. Eine für Montag angesetzte Pressekonferenz mit ihr hatte der EAA aus „organisatorischen Gründen“ wieder abgesagt.
„Es ist gut, dass Julia Stepanowa unter neutraler Flagge bei der EM in Amsterdam starten darf. Sie ist als Whistleblowerin ein großes Risiko eingegangen, hat ihre Existenz aufs Spiel gesetzt und einen wesentlichen Beitrag in der Dopingbekämpfung geleistet. Daher ist es ein wichtiges Zeichen, dass nun die internationalen Verbände zu ihr stehen und sie antreten darf“, begrüßte ÖLV-Generalsekretär Helmut Baudis die Entscheidung gegenüber der APA.
Viele Medaillengewinner gedopt
Mit Russland ist eines der erfolgreichsten Leichtathletikländer Europas von der Teilnahme ausgeschlossen. Seit 1994 standen die Russen bei sieben Europameisterschaften viermal auf Platz eins des Medaillenspiegels und gewannen seither 165-mal Edelmetall (52-mal Gold, 55-mal Silber und 58-mal Bronze). Seit der Enthüllung des Betrugssystems sind es mehr als Mutmaßungen, dass viele dieser Erfolge mit Doping errungen wurden.
„Man muss davon ausgehen, dass nicht nur bei der WM 2015 und der EM 2014 die Leistungen der russischen Leichtathleten im höchsten Maß durch Manipulation in einem systemisch angelegten Doping erzielt worden sind“, sagte Thomas Kurschilgen, Sportdirektor des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV). Für ihn ist das „ein bedauernswertes Kapitel für den Spitzensport insgesamt“. Der Ausschluss sei konsequent und richtig. „Ich denke, niemand wird diese drakonische Entscheidung bedauern“, meinte Kurschilgen.
Alternativlos ist der Ausschluss Russlands auch für DLV-Präsident Clemens Prokop. „Unter sportpolitischen Gesichtspunkten ist es ein wichtiges Zeichen für die internationale Dopingbekämpfung und dafür, mehr Chancengleichheit herzustellen.“
CAS-Entscheidung über Olympiastart steht an
Am Montag eröffnete zudem der Internationale Sportgerichtshof (CAS) sein Schiedsgerichtsverfahren zum Olympiaausschluss der russischen Leichtathleten. Eine Entscheidung werde spätestens am 21. Juli verkündet, teilte der CAS mit. Insgesamt 68 Athleten und das Nationale Olympische Komitee Russlands hatten den CAS als letzte Instanz angerufen, um ihren Ausschluss von den Sommerspielen im August in Rio de Janeiro doch noch zu verhindern.
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