Vom Abstellgleis zum Matchwinner
Cristiano Ronaldo, Antoine Griezmann, Renato Sanches oder vielleicht Dimitri Payet - das sind die Namen gewesen, die im Vorfeld des EM-Endspiels in Paris als mögliche Matchwinner gehandelt wurden. Doch einer stahl ihnen die Show: Mit seinem Siegestor in der 109. Minute wurde Eder mit einem Schlag zum portugiesischen Volkshelden. Dabei befand sich der 28-Jährige im Turnier lange auf dem Abstellgleis.
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Still und mit einem Lächeln im Gesicht verließ der Matchwinner das Stade de France. Der Trubel rund um seine Person schien ihm fast unangenehm zu sein - vielleicht war es schlicht der bisher nicht gekannte Hype, der ihn überforderte. Bis zum Finale hatte der Stürmer von OSC Lille gerade einmal 13 Minuten gespielt - in der Gruppenphase gegen Island und gegen Österreich. Ein Tor für die „Selecao“ war ihm bisher nur in Freundschaftsspielen gelungen.
EM-Finale: Portugal ist Europameister
Dank eines Treffers des eingewechselten Eder in der Verlängerung gewann Portugal das EM-Finale gegen Frankreich mit 1:0 und holte den ersten großen Fußballtitel in der Geschichte des Landes.
Kritik an Nominierung
Vor der EM verstanden viele Portugiesen nicht, warum Ederzito Antonio Macedo Lopes, so sein voller Name, nach einer schwachen WM 2014 überhaupt für den Kader nominiert worden war. Bei seinem früheren Club Swansea-City war ihm kein einziges Tor gelungen, erst nach seinem leihweisen Wechsel zu OSC Lille nach Frankreich lief es wieder besser. Mit sechs Toren empfahl sich Eder für die Endrunde im Land seines Arbeitgebers.
Spätestens nach dem „Tor für die Ewigkeit“ (Sportzeitung „A Bola“) war die Einberufung mehr als gerechtfertigt. „Das hässliche Entlein hat getroffen und ist jetzt ein schöner Schwan“, sagte Teamchef Fernando Santos. „Wir haben mit einem Tor von Eder gewonnen - das sind zwei Kirschen auf der Torte.“ Eder war das Lob fast peinlich. „Es war ein Teil des Teamworks, das war das Resultat all unserer Anstrengungen. Die Fans, der Trainer und der ganze Stab haben uns fantastisch unterstützt“, sagte der Matchwinner.

APA/AP/Thibault Camus
Trotz Heldenstatus holte sich auch Eder noch schnell ein Selfie mit Ronaldo
Ronaldo als Prophet
Zuvor hatte ihn Santos in der 79. Minute eingewechselt. „Er hat zu mir gesagt: Trainer, ich werde treffen“, berichtete Santos später. Gut zehn Minuten vor dem Ende der Verlängerung kam Eder an den Ball und traf mit einem wuchtigen Rechtsschuss ins linke untere Eck. „Das war Wahnsinn“, sagte der Torschütze, der anschließend von seinen Teamkollegen unter einer riesigen Jubeltraube begraben worden war. „Es ist ein sehr besonderes Tor, es war das Siegestor. Wir haben vom ersten Spiel an daran geglaubt, dass wir uns so entwickeln können“, sagte er.
Die Teamkollegen gönnten dem im afrikanischen Guinea-Bissau geborenen Stürmer den Treffer. „Ich habe vorher gespürt, dass er heute das Tor machen würde“, sagte der früh verletzt ausgewechselte Ronaldo, der später zusammen mit Eder Freudentränen vergoss. Der Matchwinner berichtete: „Ronaldo hat mir gesagt, dass ich das Siegestor schießen würde. Er hat mir die Stärke und diese Energie gegeben.“
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