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Von ganz unten nach oben

Die Geschichte von Henrik Stenson ist eine der schönsten im Golfsport. Der nunmehrige Gewinner der British Open aus Schweden verlor vor Jahren fast sein ganzes Vermögen, weil er einem US-Betrüger aufgesessen war, der daraufhin zu 110 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Stenson fiel in ein Loch, rutschte in der Weltrangliste auf Platz 230 ab. Und auch sein so zuverlässiger Schwung war weg.

Vor zehn Jahren stand Stenson noch ganz oben. Dank starker Leistungen hatte sich der Schwede in das Ryder-Cup-Team gespielt und versenkte 2006 im Duell mit den USA im irischen Straffan auch den entscheidenden Putt zum europäischen Sieg. In seine sportliche Hochzeit, in der er bis auf Platz fünf der Welt vorgestoßen war, platzte dann aber die Hiobsbotschaft. Sein Sponsor, die Stanford Financial Group, hatte das Geld seiner Anleger nach einem Schneeballsystem veruntreut.

Henrik Stenson

Reuters/Russell Cheyne

Nach bitteren Jahren kann Stenson endlich wieder lachen

Seine Familie half ihm aus der Krise, zudem ließ er sich von einem Psychologen helfen. Ganz langsam ging es wieder aufwärts. 2013 wurde sein Jahr: Er gewann in seiner Wahlheimat USA und Europa die Geldrangliste - 20 Millionen Dollar (17,97 Mio. Euro) waren der Lohn für Stenson. Sein langjähriger Caddy - normalerweise mit etwa zehn Prozent beteiligt - leistete sich einen Ferrari. Die harten Zeiten waren überstanden.

„Iceman“ zeigt keine Nerven

Mit einem Major-Triumph wollte es aber vorerst nicht klappen. Doch dann, im 42. Anlauf, war sein Moment gekommen. „Ich habe vor den British Open gefühlt, dass ich dran war“, sagte der 40-Jährige am Sonntag im schottischen Royal Troon Golf Club mit der begehrten Claret Jug im Arm. In der Weltrangliste verbesserte er sich auf Platz fünf.

Das Selbstbewusstsein für den Rekord von 20 Schlägen unter Par bei den British Open, mit dem er Tiger Woods übertrumpfte, holte er sich in Deutschland. Sein Sieg bei den BMW Open Ende Juni beendete eine lange Durststrecke. Und so cool, wie Stenson im Finale gegen Phil Mickelson agierte, wurde er seinem Spitznamen „Iceman“ gerecht.

Boxkampf über 18 Runden

„Er ist ein wirklich großer Champion, ich freue mich für ihn“, sagte der 46-jährige US-Amerikaner. Die beiden spielten in einer eigenen Liga, es war wie ein Boxkampf über 18 Runden. Nur Annika Sörenstam holte bisher zehn Golf-Major-Siege für Schweden, einem ihrer männlichen Kollegen war ein solcher bis Sonntag verwehrt geblieben.

„Die Geburt meiner drei Kinder bedeutet mir alles, doch danach kommt als Europäer gleich diese Trophäe“, meinte Stenson. Er widmete den Sieg einem guten Freund, der in dieser Woche an Krebs gestorben war.

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