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„Geleitet, kontrolliert und überwacht“

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat am Montag in Toronto Beweise für vom russischen Staat angeordnetes und verschleiertes Doping während der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi vorgelegt. Laut dem WADA-Bericht der vom kanadischen Jusprofessor und Sportanwalt Richard McLaren geleiteten Kommission verschwanden im Moskauer Labor in den Jahren 2012 bis 2015 643 positive Proben in rund 30 Sportarten.

Das Sportministerium habe die Manipulationen überwacht. Auslöser der Untersuchung waren Enthüllungen von Grigori Rodschenkow. Der ehemalige Chef des russischen Dopingkontrolllabors, der sich in die USA abgesetzt hat, hatte behauptet, dass er in Sotschi positive Proben von 15 russischen Medaillengewinnern zusammen mit der Anti-Doping-Agentur (RUSADA) sowie dem Geheimdienst auf Anordnung vom Staat vertuscht habe.

Richard McLaren

APA/AP/Frank Gunn

Richard McLaren präsentierte erschreckende Details über staatlich angeordnetes Doping in Russland

Das russische Sportministerium habe die Manipulationen „geleitet, kontrolliert und überwacht“, sagte McLaren. Auch der russische Inlandsgeheimdienst FSB und das Trainingszentrum der russischen Topathleten, CSP, seien an den massiven Betrügereien aktiv beteiligt gewesen. Eine Empfehlung der WADA-Ermittler für Sanktionen gegen russische Sportler, Verbände oder gar einen Komplettausschluss Russlands gab es drei Wochen vor der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele allerdings zunächst nicht.

Unabhängige, transparente Untersuchung

McLaren betonte, dass die Untersuchung unabhängig und transparent abgelaufen sei. Der Kanadier war von der WADA mit der Untersuchung betraut worden. Er gehörte bereits der unabhängigen WADA-Kommission an, die ein flächendeckendes Dopingsystem in der russischen Leichtathletik nachgewiesen hat.

Die Ermittler sehen es als erwiesen an, dass im russischen Spitzensport von Moskau gedecktes Doping betrieben wird. Es seien Tausende Daten und Dokumente ausgewertet worden, auch gelöschte Dateien seien wiederhergestellt worden, sagte McLaren.

Das Dopingbeben bringt vor allem das Internationale Olympische Komitee (IOC) knapp drei Wochen vor der Eröffnung der Sommerspiele in Rio de Janeiro arg in die Bredouille. Russland hatte bereits vor der Veröffentlichung empört auf Forderungen von nationalen Anti-Doping-Agenturen nach einem kompletten Ausschluss reagiert. In der Leichtathletik hat der Weltverband (IAAF) bereits die russischen Athleten von Rio ausgeschlossen.

Lösung wie bei den Gewichthebern?

Eine mögliche Variante könnte sich auch aus dem Vorgehen bei den Gewichthebern ergeben. Die zahlreichen Dopingfälle dort haben zu ersten Konsequenzen durch den Weltverband (IWF) geführt. Die Nationalmannschaft Bulgariens, die im vergangenen Jahr elf positive Fälle hatte, ist gesperrt und damit auch nicht in Rio dabei. Ebenso fehlen die Gewichtheber Aserbaidschans.

Schon vor der Veröffentlichung des McLaren-Berichts hatten die Anti-Doping-Agenturen aus den USA und Kanada den Ausschluss Russlands gefordert, sollte der Bericht Belege für von Moskau gesteuertes Doping geben. Das ist nun der Fall. Unterstützung für diese Forderung kommt dafür auch von den Anti-Doping-Agenturen aus Deutschland und Österreich. Russland hatte das zurückgewiesen und Gegenwehr für diesen Fall angekündigt.

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