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Umbau größer als erwartet

Die vergangene Saison hat bei Sturm Graz Nachwirkungen. Vorbei sind die Zeiten, in denen die Steirer zum Angriff auf die Tabellenspitze bliesen. Nach dem Verpassen der Europacup-Plätze wurde die Mannschaft umgebaut. Trainer Franco Foda steht nun vor der Herausforderung, seine Elf schnell zu einer harmonischen Einheit zu formen - und die Fans zu versöhnen.

„Wir wollen versuchen, guten Fußball zu bieten“, gibt sich Foda zurückhaltend. Der Deutsche geht mit vielen neuen Spielern in die Saison. „Dieser große Kaderumbruch war nicht so geplant, das hat sich entwickelt“, sagte der Coach. Günter Kreissl, der neue Geschäftsführer Sport, brachte neben neuem Wind gleich sieben neue Spieler an die Mur.

Trainer bittet um Geduld

„Man benötigt Zeit, wenn man eine neue Mannschaft im Fußball zusammenstellen muss“, sagte Foda angesichts der Neuzugänge - wie Ex-Hannover-Kapitän Christian Schulz, Stefan Hierländer, Uros Matic und der jüngst hinzugekommene deutsche Tormann Daniel Lück. „Es ist wichtig, so schnell wie möglich eine Mannschaft zu formen, die miteinander harmoniert.“

Stefan Hierlaender (Sturm) and Christian Schulz (Sturm)

GEPA/Guenter Floeck

Hierländer und Schulz sollen Sturm wieder nach vorne bringen

Der 25-jährige Lück habe lange nicht trainiert. „Von daher wird am Wochenende sicher Christian Gratzei im Tor stehen“, erklärte Foda. Die Tormanntalente Tobias Schützenauer (19) und Fabian Ehmann (17) wolle man hingegen „in Ruhe“ aufbauen. „Das Ziel muss aber sein, dass in den nächsten ein, zwei, drei Jahren auch ein Torwart aus der eigenen Akademie die Möglichkeit hat, bei uns zu spielen“, stellte Foda klar.

Eine Saison im Mittelmaß sorgt für Kritik

Zwölf Siege, zwölf Unentschieden, zwölf Niederlagen: Am Ende der vergangenen Saison fanden sich die fünftplatzierten Grazer im Mittelmaß wieder. Die Kritik an der sportlichen Führung und deren Struktur wurde daher immer lauter und mündete im Boykott der organisierten Fanszene. „Es ist doch normal: Wir sind vielleicht in der Tabelle etwas hinter den Erwartungen geblieben, und Sturm ist ein Traditionsverein. Da gibt es immer viele Emotionen und auch Unruhe“, sagt Foda heute.

Dabei hatte er mit skurril anmutenden Aussagen die Stimmung zusätzlich selbst angeheizt. „Besser kann man auswärts nicht Fußball spielen, als wir es getan haben“, hatte Foda etwa nach einer 0:1-Niederlage in Mattersburg resümiert. Nun appelliert er an die Fans: „Jetzt beginnt wieder eine neue Saison. Wir brauchen die Unterstützung der Fans.“

Schwieriges Verhältnis zu den Fans

Ob es eine Aussprache zwischen ihm und der Fanszene gegeben habe? „Schon im letzten Jahr hat die Mannschaft mit einigen Fanvertretern gesprochen. Insofern war am Ende der Saison schon einiges wieder positiv“, sagte Foda lediglich und merkte an: „Das gehört ja dazu, das ist doch unser Trainergeschäft. Wenn man das nicht aushält, darf man den Trainerberuf nicht ausüben.“ Sturm habe „nach wie vor tolle Fans“, wie der Coach betont. „Das hat sich auch nach den Vorfällen im letzten Jahr nicht geändert.“

„Ich freue mich auf die neue Saison“, sagte Foda. Er will den sportlichen Turnaround noch einmal schaffen. „Es ist nicht möglich, die Ziele zu realisieren, wenn der Cheftrainer zu Unrecht ständig in der Kritik steht“, stärkte ihm der wirtschaftliche Geschäftsführer Gerhard Goldbrich demonstrativ den Rücken. „Wir brauchen Zeit. Aber Zeit ist im Fußball sehr oft Mangelware“, weiß auch Foda.

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