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Weltmeister zurück auf dem Thron

Mit fünf Siegen in den jüngsten sechs Rennen hat Lewis Hamilton 43 Punkte Rückstand auf seinen Mercedes-Teamrivalen Nico Rosberg in sechs Punkte Vorsprung verwandelt. Mit dem Sieg beim Grand Prix von Ungarn bei Budapest übernahm der Engländer erstmals in diesem Jahr die WM-Spitze. „Wir sind jetzt in der stärksten Position des ganzen Jahres“, jubelte der 31-Jährige.

Nach seinem fünften Sieg darf sich Hamilton nun als alleiniger Rekordhalter auf dem Hungaroring bezeichnen. Bisher hatte sich der Engländer diese Ehre mit Michael Schumacher geteilt. Hamilton stieg auch in einen elitären Kreis auf. Der dreimalige Weltmeister ist erst der vierte F1-Pilot, der auf zwei verschiedenen Strecken mindestens fünfmal gewonnen hat. Neben Schumacher war das dem Franzosen Alain Prost und der brasilianischen Legende Ayrton Senna gelungen. Hamilton hat auch in Montreal fünf Siege gefeiert.

„Hamiltons Herrschaft“

Am Sonntag überholte Hamilton seinen deutschen Konkurrenten Rosberg bereits beim Start und gab die Führung bis zum Schluss nicht mehr her. Nun sitzt der Titelverteidiger erstmals in diesem Jahr wieder auf dem Thron. „Es ist großartig, so zurückzukommen“, sagte Hamilton. Seit dem Crash mit Rosberg in Barcelona Mitte Mai scheint der Engländer wieder seine Form des Vorjahres gefunden zu haben. „Spanien war der Wendepunkt. Da war ich ganz unten, der einzige Weg war aufwärts. Danach habe ich mich zusammengerissen“, so Hamilton.

Hamilton übernimmt WM-Führung

Führungswechsel in der Formel 1: Lewis Hamilton übernimmt mit seinem fünften Saisonsieg auch die Führung in der WM-Wertung. Er gewann den Grand Prix von Ungarn vor Nico Rosberg und Daniel Ricciardo.

Trotz WM-Führung will Hamilton seine Einstellung im nächsten Rennen nicht ändern. „Ich bin noch immer auf der Jagd“, sagte der 31-Jährige. Die internationale Presse reagierte auf diese Jagd beeindruckt. „Lewis Hamilton dachte, es würde wie ein langer, beschwerlicher Aufstieg auf einen Berg werden, Nico Rosbergs kolossale WM-Führung aufzuholen. In Wirklichkeit schien es nicht viel härter zu sein als eine entspannte Joggingrunde an der Donau“, schrieb der englische „Daily Telegraph“. Die italienische „Gazzetta dello Sport“ rief gleich „Hamiltons Herrschaft“ aus.

Wolff sieht keine Vorentscheidung

Deutlich zurückhaltender auf die aktuelle Situation reagierte man bei Mercedes. Motorsportchef Toto Wolff sah noch keine Vorentscheidung zugunsten Hamiltons. „Ich denke, die WM wird bis zum Ende offen bleiben“, sagte der Wiener. „Das Pendel schlägt in beide Richtungen. Ich denke, das geht so weiter. Die WM-Führung zur Saisonmitte ist nicht wichtig.“ Dass bei Rosberg seit der Kollision in Barcelona der Wurm drinnen ist, glaubt Wolff nicht: „Da gibt es kein Muster. Es liegt nicht an einem einzelnen Ereignis.“

Wolff erwartet offene Formel-1-WM

Trotz des Formel-1-Sieges für Lewis Hamilton in Ungarn ist für Mercedes-Rennchef Toto Wolff die WM noch nicht entschieden. Hamilton möchte den Schwung in Rosbergs Heimat Deutschland mitnehmen.

Auch Rosberg selbst ließ sich den Frust über die Ablöse an der WM-Spitze nicht anmerken. Der Deutsche blickte lieber schon auf das nächste Rennen. Das findet bereits am kommenden Sonntag auf dem Hockenheimring und damit in Rosbergs Heimat statt. „Das Heimpublikum wird mir Auftrieb geben“, sagte der Deutsche. Der aktuelle WM-Stand ist ihm laut eigener Angabe wurscht. „Ich zähle nicht die Punkte, das Jahr ist noch lang“, sagte Rosberg.

Kritik an Regelauslegung

Der Deutsche musste sich allerdings nach dem Rennen in Ungarn erneut mit Kritik seines Teamkollegen herumschlagen. Hamilton brachte noch einmal das Qualifying auf das Tableau. Rosberg war im Qualifying am Samstag trotz doppelt geschwenkter Gelber Flaggen in einem Streckenteil Bestzeit gefahren. Der Deutsche kam straffrei davon - was Hamilton sauer aufstieß. „Wenn es doppelt Gelbe Flaggen gibt, muss man bereit sein anzuhalten. Nico war am Scheitelpunkt der Kurve aber genauso schnell wie ich in der Runde davor“, beschwerte sich der Weltmeister.


Lewis Hamilton und Nico Rosberg

APA/AFP/Attila Kisbenedek

Hamilton (r.) dachte auch bei der Siegerehrung über das Qualifying nach

Ein Unfall von McLaren-Pilot Fernando Alonso hatte das Chaos ausgelöst, die Sportkommissäre entschieden sich nach einer späten Anhörung am Samstag aber gegen eine Bestrafung von Rosberg. Das Reglement ist schwammig formuliert. In Artikel 2.4.5.1 b) von Anhang H des Internationalen Sportkodex heißt es zu Gelben Flaggen: „Reduzieren Sie Ihre Geschwindigkeit deutlich, überholen Sie nicht, und seien Sie darauf vorbereitet, die Richtung zu ändern oder anzuhalten.“

Doppelte Gelbe Flaggen stehen für besonders gefährliche Hindernisse. Es findet sich aber kein Hinweis darauf, wie stark abgebremst werden muss. „Die Sportkommissäre müssen eine Lösung finden“, betonte Hamilton. „Wenn da ein Auto gestanden wäre, das sich gedreht hatte, oder ein Streckenposten auf der Strecken gewesen wäre, dann wäre es sehr schwierig für ihn gewesen, das ist der Grund.“

Rosberg verteidigt sich

Rosberg verteidigte sich und die Kommissäre. „Unter Doppelgelb muss man seine Geschwindigkeit signifikant reduzieren. Ich bin um 20 km/h langsamer in die Kurve gefahren. 20 km/h sind eine andere Welt in einem Formel-1-Auto“, betonte der Deutsche. Laut eigenen Angaben war Rosberg 30 Meter vor dem üblichen Bremspunkt vom Gas gegangen. „Ich bin nur noch hingerollt.“ Dadurch habe er eine engere Linie fahren und früher wieder aufs Gas gehen können. Das dürfte für eine gleich hohe Geschwindigkeit wie jene von Hamilton am Scheitelpunkt gesorgt haben.

Im betreffenden Sektor war Rosberg klar Schnellster. „Im Segment mit der Gelben Flagge war ich langsamer“, betonte der Deutsche. „Aber auf den ganzen Sektor gesehen, mit der auftrocknenden Strecke, die immer schneller geworden ist, war ich schneller, ich habe in allen anderen Kurven angegriffen. Daher war es für die Sportkommissäre eine ziemlich klare Situation und ich bin nicht bestraft worden.“

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