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„Alles Gute in der Europa League“

„Alles Gute in der Europa League“, hat Zlatko Kranjcar zum Abschluss seiner Pressekonferenz Red Bull Salzburg gewünscht. Der Dinamo-Zagreb-Trainer meinte es sicher nur freundlich. Viel zufriedener als die Rapid-Legende kann ein Trainer nach einem Match nicht dreinschauen. Kein Wunder, sein Team hatte am Mittwoch im Rückspiel des Champions-League-Play-off mit dem 2:1-Sieg nach Verlängerung gewonnen.

Die 400 mitgereisten Zagreb-Fans feierten nach dem Schlusspfiff lautstark und ausgelassen, während sich die Spieler von Red Bull Salzburg einmal mehr damit abfinden mussten, dass die Champions League ohne sie stattfinden wird. Trainer Oscar Garcia versammelte die Mannschaft nach Spielende im Mittelkreis und versuchte seinen sichtlich gezeichneten Spielern wohl Trost zuzusprechen.

„Bullen“ verpassen erneut Champions League

Meister Salzburg hat auch im neunten Versuch das große Ziel Champions-League-Gruppenphase verpasst.

„Ich will niemanden weinen sehen“

„Ich habe gesagt, dass ich niemanden weinen sehen will“, sagte der 43-jährige Spanier. „Ich habe darum gebeten, das alle erhobenen Hauptes vom Platz gehen. Ich bin stolz, Trainer einer solchen Mannschaft zu sein.“ Viel hatte sich Salzburg auch nicht vorzuwerfen. Die Führung durch ein Traumtor von Valentino Lazaro in der 22. Minute wurde bis wenige Minuten vor Schluss souverän verwaltet.

Salzburg spielte eine sehr gute erste Hälfte. In den zweiten 45 Minuten kamen die „Bullen“ gegen den abgeklärten Gegner nicht an ihre Vorstellung vor der Pause heran, was für Trainer Oscar Garcia an den verletzungsbedingten Wechseln von Christian Schwegler und Valentino Lazaro lag. Auch der stets druckvoll agierende Flügelspieler Wanderson musste vom Platz. „Die Auswechslungen haben uns das Spiel gekostet“, meinte der spanische „Bullen“-Coach.

Die verflixte 87. Minute

In der 87. Minute nutzte der Chilene Junior Fernandes eine Vorlage des Ex-Sturm-Graz-Akteurs Gordon Schildenfeld zum für Salzburg bitteren 1:1. Stefan Lainer hatte den Schuss noch unhaltbar für Alexander Walke abgefälscht. Erinnerungen wurden wach: Bereits 2007 musste Salzburg im Duell mit Schachtjor Donezk den entscheidenden Treffer zur 1:3-Niederlage in der CL-Qualifikation in der 87. Minute hinnehmen.

El Arabi Hilal Soudani (Zagreb)

GEPA/Felix Roittner

Des einen Freud, des anderen Leid: Soudani beendete Salzburgs CL-Träume

Neun Jahre später gab es vorerst eine Verlängerung, doch der Algerier El Arabi Hilal Soudani brachte nach einem Konter in der 95. Minute den Ball im zweiten Versuch im Stolpern noch per Kopf im Tor unter. Nach diesem harten Schlag zum 1:2 war der Glaube an den Aufstieg im Salzburger Team spürbar geschwunden, in der Verlängerung ging nichts mehr.

Salzburger hadern mit Schicksal

„Shit happens“, meinte Verteidiger Martin Hinteregger, nachdem die „Bullen“ auch im neunten Anlauf am Einzug in die Champions-League-Gruppenphase gescheitert waren. „Wir waren richtig knapp dran, es zu schaffen.“ „Das ist scheiße, wenn man sieht, wie sich so ein Match in drei, vier Minuten komplett dreht“, meinte der enttäuschte Torschütze Lazaro nach dem Spiel. „Es hat einfach wieder nicht gereicht.“ Sein Trainer versuchte seiner Mannschaft Mut zuzusprechen. „Wir hatten einige klare Möglichkeiten, sie hingegen nur eine, aber sie haben getroffen. Der Fußball war heute unfair zu uns“, so Garcia.

Trainer Oscar Garcia (RBS)

GEPA/Felix Roittner

Trainer Garcia war trotz Enttäuschung mit der Leistung seiner Truppe zufrieden

„Ich bin trotzdem sehr stolz, ich finde, die Mannschaft hat heute eine bravouröse Leistung gebracht. Sie haben heute nicht 100 Prozent, sondern 200 Prozent gegeben.“ Mehr Durchschlagskraft in der Offensive hätte seiner Mannschaft aber gutgetan. Denn der nüchterne Zweckfußball a la Garcia, der im starken Kontrast zum bedingungslosen Kombinationsfußball der Ära Roger Schmidt steht, funktioniert eben nur so lange, wie ein Vorsprung verwaltet werden kann.

„Wir sind ganz stark in der ersten Hälfte aufgetreten, meine Spieler sind keine Maschinen, wir konnten nicht über 90 Minuten dieses Niveau halten. Zagreb hat auch mit seinen Wechseln neue Qualität dazubekommen. Wir haben eben Spieler, die wir entwickeln müssen“, erklärte der Spanier den Unterschied und spielte damit auf die Red-Bull-Maxime an, ständig neue, junge Spieler in die Manschaft aufzunehmen. Ob etwa Torjäger Jonatan Soriano bleibt, wollte der Trainer nicht beantworten.

Ärger über nicht gegebenen Handselfer

Neben der Schwäche in der Chancenverwertung hatte Salzburg auch mit einer Schiedsrichterentscheidung Pech. Den nach Handspiel von Leonardo Sigali durch den schottischen Referee Craig Thomson verweigerten Handselfer, der das mögliche 2:0 bedeuten hätte können und damit den Aufstieg, kommentierte Garcia unaufgeregt: „Ich habe die Situation nicht richtig gesehen, aber man hat mir gesagt, dass es ein Handspiel war. Das hätten der Schiedsrichter und die Torrichter sehen müssen.“

Schiedsrichter Craig Thomson

GEPA/Felix Roittner

Schiedsrichter Thomson stand nach einem verweigerten Elfmeter in der Kritik

Seine Spieler waren da schon deutlicher. Lazaro fand den Schiedsrichter nur „schwindlig“, für Konrad Laimer war die Aktion schlicht „peinlich“. Der wegen einer Bänderverletzung im Knie zur Pause ausgetauschte Christian Schwegler sagte: „So etwas zu übersehen, das kann ich nicht in Worte fassen. Aber fünf Schiedsrichter am Feld, und man übersieht so ein scheiß Handspiel. Wir hatten trotzdem noch die Chance auf das 2:0, jetzt stehen wir wieder mit leeren Händen da.“

„Europa League ist auch nichts Schlechtes“

Deshalb klangen die Beteuerungen mancher Spieler danach nach Zweckoptimsmus. „Die Europa League ist auch nichts Schlechtes“, meinte Hinteregger - offenbar lebt in ihm die Hoffnung, dass das Glück auch einmal den Salzburgern hold ist, weiter: „Irgendwann ist der Fußballgott auf unserer Seite, vielleicht ja im zehnten Anlauf.“ Davor geht es am Sonntag (16.30 Uhr, live in ORF eins) auswärts im Schlager gegen Rapid. „Wenn wir gegen Rapid gewinnen, ist das auch ein Trost“, so Hinteregger.

Martin Wagner, ORF.at, aus Salzburg

CL-Quali, Play-off-Rückspiel

Mittwoch:

Salzburg - Dinamo Zagreb 1:2 n.V. (1:1, 1:0)

Wals-Siezenheim, 23.500 Zuschauer; SR Thomson (SCO)

Torfolge:
1:0 Lazaro (22.)
1:1 Fernandes (87.)
1:2 Soudani (95.)

Salzburg: Walke - Schwegler (46./Lainer), Caleta-Car, Hinteregger, Ulmer - Laimer, Bernardo - Wanderson (67./Minamino), Berisha, Lazaro (61./Samassekou) - Soriano

Zagreb: Eduardo - Stojanovic, Sigali, Benkovic, Pivaric - Antolic (83./Schildenfeld), Jonas (73./Pavicic) - Soudani, Rog, Fernandes - Henriquez (62./Coric)

Gelbe Karten: Lazaro bzw. Stojanovic, Sigali, Jonas

Hinspiel 1:1 - Dinamo Zagreb mit dem Gesamtscore von 3:2 in der Gruppenphase der Champions League, Salzburg in der Gruppenphase der Europa League

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