Kniefall vor den Topclubs
Die Champions-League-Reform des Europäischen Fußballverbandes (UEFA) ab der Saison 2018/19 ist ein Kniefall vor den Topclubs, die dadurch zusätzliche Fixplätze für die Gruppenphase erhalten und noch mehr Prämien kassieren werden. Die vier Topnationen des UEFA-Nationenrankings bekommen demnach in zwei Jahren die Garantie, mit jeweils vier Clubs fix in der Königsklasse vertreten zu sein.
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„Unfassbar! Gesellschaftspolitisch wird immer von Umverteilung geredet, damit die Reichen nicht noch reicher und die Armen nicht noch ärmer werden. Doch mit dieser Reform nimmt man den Armen noch mehr Geld weg. Dafür werden die großen Clubs gestärkt und bekommen noch mehr Geld, das ist Kapitalismus pur“, lautete die Reaktion von Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer im Gespräch mit der APA. „Fußball lebt ja vom Wettbewerb, aber diese Reform geht klar zulasten der mittleren und kleinen Verbände. Damit killt man den Wettbewerb.“

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Nicht nur für Ebenbauer ist die Reform ein Kniefall vor den Topclubs
Einen detaillierten Plan für die Neuverteilung der Startplätze will die UEFA zwar erst im Dezember präsentieren, wie sie am Freitag im Vorfeld der Europa-League-Auslosung in Monaco mitteilte. Doch schon jetzt steht fest, dass sie auf Kosten der mittleren und kleinen Fußballländer wie Österreich geht, da künftig nur noch vier Plätze (bisher fünf) über den Meisterweg für die Champions-League-Gruppenphase ausgespielt werden. Das verriet UEFA-Wettbewerbsdirektor Giorgio Marchetti bereits am Freitag.
Champions League neu ab 2018
Die UEFA hat beschlossen, ab 2018 den vier Topnationen des UEFA-Rankings jeweils vier Fixplätze für die Gruppenphase zu reservieren. Derzeit wären das Spanien, Deutschland, England und Italien.
ÖFB und Bundesliga fordern mehr Transparenz
Der Österreichische Fußballbund (ÖFB) betonte in einer Aussendung, dass weder ÖFB noch die Bundesliga in irgendeiner Weise in den Reformprozess eingebunden waren. „Ich habe kein Verständnis dafür, dass seitens der UEFA derartige Reformen ohne Information beschlossen werden, wenn dies zum Nachteil für die kleineren und mittleren Verbände ist“, wird ÖFB-Präsident Leo Windtner zitiert. „Es gilt daher genau zu verfolgen, in welchem Ausmaß diese Reform zulasten der kleinen und mittleren Verbände geht.“ Klar sei, dass die Schere zwischen den europäischen Clubs noch größer werde.

APA/Robert Jäger
ÖFB-Präsident glaubt, dass die Schere in Europa immer mehr aufgeht
Der ÖFB und die Bundesliga wollen deshalb in den nächsten Wochen und Monaten alles daransetzen, die Interessen des österreichischen Fußballs bestmöglich zu vertreten. „Der ÖFB erwartet vom neuen UEFA-Präsidenten in Hinkunft bei derartigen Themen eine transparente und klare Vorgangsweise und wird auch die Gelegenheit nutzen, diese Erwartungshaltung im Rahmen des UEFA-Kongresses im September in Athen darzulegen“, so Windtner. „Wir werden uns bei der Wahl des neuen UEFA-Präsidenten auch daran orientieren, welcher Kandidat zukünftig die Interessen der kleinen und mittleren Verbände am besten vertreten wird.“
Geldverteilung verschiebt sich nach oben
Mit dieser Reform, die vorerst für drei Jahre bis zum Sommer 2021 gelten soll, beugt sich der Kontinentalverband vor allem dem Druck der Topclubs, die sogar mit einer Abspaltung gedroht hatten. Auch die Geldverteilung soll zugunsten historisch erfolgreicher Vereine verändert werden. So wird der Teamkoeffizient, den prominente Clubs wie Real Madrid und Bayern München anführen, mit 30 Prozent nun erstmals berücksichtigt.
Ab 2018/19 werden 26 statt wie bisher 22 Plätze der Gruppenphase bereits fix vergeben sein, neben den vier über die Meisterweg-Qualifikation sollen nur noch zwei (bisher fünf) über den Ligaweg ausgespielt werden. Statt zehn werden also nur noch sechs Teams via Quali in die Gruppenphase einziehen können. Somit wird auch der von Ebenbauer angesprochene Mittelbau geschwächt, denn die Nationen auf den Plätzen elf und zwölf (derzeit Tschechien und die Schweiz) werden dann keinen festen Startplatz mehr haben und müssen so wie Österreich ihren Meister in die Qualifikation schicken.
„Der Name Champions League wird damit ad absurdum geführt“, betonte Ebenbauer und sprach auch die terminlichen Auswirkungen für Nationen außerhalb der Top Ten an, die nun noch früher in die Qualifikation einsteigen müssen. Der Bundesliga-Vorstand hofft daher auf einen Schulterschluss mit den anderen betroffenen Verbänden. „Mittlere und kleinere Ligen müssen sich zusammentun, denn so geht es nicht.“
Radikaler Umbau nicht geplant
Einen generellen Moduswechsel gibt es in Champions League und Europa League aber nicht. Weiter wird mit acht beziehungsweise zwölf Gruppen gespielt, danach beginnt in beiden Wettbewerben die K.-o.-Phase mit Achtelfinale bzw. der Runde der letzten 32. „Unser Ziel war es, dass jeder Verband die Möglichkeit bekommt, die Wettbewerbe zu erreichen“, erklärte UEFA-Generalsekretär Theodore Theodoridis. Die Chance mag zwar bestehen, für die meisten allerdings nur auf dem Papier.
Während die Geldverteilung zugunsten großer Vereine verschoben wird, wird der sogenannte Anteil aus dem Market Pool für alle Vereine aus einem Land dagegen von 40 auf 15 Prozent reduziert. Einschnitte gibt es auch bei der fixen Startprämie. Die Gesamtsumme der finanziellen Ausschüttungen soll aber erhöht werden, versprach die UEFA. Dabei wird aber laut Ebenbauer interessant sein, wie die prozentuelle Verteilung zwischen Champions und Europa League am Ende des Tages aussehen wird.
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