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„Unqualifizierte Aussagen“

Der Österreichische Kanuverband (OKV) und der Triathlonverband (ÖTRV) haben am Mittwoch in einer Presseaussendung auf die Kritik von Peter Schröcksnadel, Chefkoordinator des Förderprojekts „Rio 2016“, reagiert. Beim OKV spricht man von „unqualifizierten Aussagen“ des ÖSV-Präsidenten, der ÖTRV ist um Richtigstellung der Leistungen seiner Athleten bemüht.

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Schröcksnadel hatte sich bei einem Medientermin am Dienstag in Wien wenig erfreut über die um zwei Millionen Euro errichtete Wildwasserstrecke in Wien gezeigt. „Ich muss keine Wildwasserbahn in Wien haben, wenn ich in der Slowakei eine habe. Dann fahre ich halt eine Stunde zum Training, wo liegt das Problem?“, sagte der 75-Jährige.

Peter Schröcksnadel

APA/Herbert Pfarrhofer

Schröcksnadels Aussagen riefen Kritik hervor

Das sind laut Kanuverband „unqualifizierte Aussagen. Der Kanuverband ist mit 14 Olympiamedaillen der erfolgreichste Sommersportfachverband Österreichs und musste über zehn Jahre - unter Bewältigung zahlreicher Hindernisse - für die Errichtung dieser Anlage kämpfen“, hieß es in der Aussendung von OKV-Präsident Walter Aumayr.

Dass das seit Juni 2013 mögliche Training in der Wasserarena bereits Früchte trägt, zeigen die Erfolge der jüngsten Vergangenheit. Insgesamt wurden in den letzten drei Jahren bei Wildwasser-WM und -EM drei Silber- und zwei Bronzemedaillen erreicht. Im Gesamtweltcup der einzelnen Disziplinen erreichten die Athletinnen und Athleten des OKV insgesamt drei erste Plätze, drei zweite Plätze und zwei dritte Plätze.

Finanzierung hatte nichts mit Rio-Projekt zu tun

Baubeginn auf der Wiener Donauinsel war im Oktober 2012, noch lange vor der Initialisierung des Projektes „Rio 2016“. Auch die dahinterstehende Finanzierung sei schon weit im Vorfeld geregelt worden „und hatte nichts mit dem erst später ins Leben gerufenen Projekt zu tun“. Im internationalen Vergleich zähle die Wasserarena sowohl im Bau, als auch im Betrieb zu den ökonomischsten Anlagen überhaupt und biete dem österreichischen Wildwassersport gleichzeitig beste Bedingungen auf Olympianiveau.

„Wenn sogar Personen in den höchsten Funktionen die Errichtung von Sportstätten in Österreich als sinnlos bezeichnen, darf man sich über magere Medaillenausbeuten bei Olympischen Spielen nicht wundern“, sagte Corinna Kuhnle, die zweifache Weltmeisterin und regierende Gesamtweltcup-Siegerin im Wildwasserslalom.

Kuhnle

APA/Hans Klaus Techt

Kuhnle findet in der Wildwasseranlage in Wien optimale Bedingungen

Vor der Errichtung der Wildwasseranlage in Wien habe sie selbst in Bratislava trainiert. „Ich musste täglich zweieinhalb Stunden mit dem Auto fahren, um trainieren zu können. War es das Beste, das ich damals aus meinen Möglichkeiten rausholen konnte? Ja. War das Training auf hohem Niveau? Nein, definitiv nicht“, so Kuhnle.

Wenn Hirscher öffentlich trainieren müsste

Darüber hinaus blockiere das slowakische Nationalteam die besten Trainingszeiten. Das österreichische Nationalteam müsse somit außerhalb dieser geblockten Zeiten gleichzeitig mit anderen Besuchern trainieren. „Um Herrn Schröcksnadels Vergleich mit dem Skisport aufzugreifen, käme das einem Training von Marcel Hirscher auf einem nicht abgesperrten Hang gleich, wo Skischulen, Anfänger, Skitourengeher, eventuell ein paar Rodler und eine Pistenraupe zwischen seinen Toren unterwegs sind“, so Kuhnle.

Beim Triathlonverband wurde die Meinung Schröcksnadels, wonach die Spitzensportförderung dort „ein Fehler“ war, zur Kenntnis genommen und respektiert. Sie sei „aber durchaus kritisch zu hinterfragen, da keine Möglichkeit zu einer sachlich-objektiven Analyse geboten wurde und vielmehr über eine Pressekonferenz der ‚Förderfehler‘ kommuniziert wurde“, schrieb ÖTRV-Präsident Walter Zettinig in der Aussendung.

Schröcksnadel-Aussage für ÖTRV unverständlich

Anders verhalte es sich bei der Aussage des Chefkoordinators, wonach die Athleten nur in der zweiten Kategorie gewonnen hätten, und „wenn sie bei der ersten gestartet sind, wurden sie 30“. Schröcksnadel erklärte weiters, dass er das zu Beginn „nicht gecheckt“ habe. Diese Aussage ist für den ÖTRV unverständlich.

Vilic

APA/Helmut Fohringer

Österreichs Triatlethen blieben in Rio unter den Erwartungen

Man sei bereits vor zwei Jahren darauf aufmerksam gemacht worden, dass Schröcksnadel „keinen Wert auf Weltcup-Ergebnisse (zweite Kategorie, Anm.), sondern nur auf WM-Serienergebnisse (erste Kategorie, Anm.) im Triathlon legen würde und über diese Ergebnisse auch der jeweilige Weiterverbleib von geförderten Projekt-Rio-Athleten beurteilt würde“. Demzufolge mussten ihm die unterschiedlichen Kategorien bereits 2014 bekannt gewesen sein. „Auch wurden die Ergebnisse zwischen den Weltcup- und den WM-Serienrennen von uns klar erkennbar unterschieden und so kommuniziert.“

Triathleten erreichten sechs Top-Ten-Plätze

Die Aussage, wonach Österreichs Topathleten in der höchsten Triathlon-Kategorie dreißigste Plätze erreichten, sei falsch und müsse im Sinne und aus Respekt gegenüber Athleten richtig gestellt werden. „Unsere geförderten Projekt-Rio-Athleten haben im Zeitraum 2013 bis 2016 insgesamt 36-mal Top-30-Platzierungen in der höchsten Triathlon-Liga, der ITU WM-Serie, erreicht. Neben sechs Top-Ten-Plätzen konnten 19 Top-20-Plätze erreicht werden. Es ist uns daher unverständlich warum der Chefkoordinator diese Falschinformation kommuniziert hat.“

Ein oder zwei Ergebnisse können laut ÖTRV sicher mal übersehen werden, 36 Ergebnisse jedoch zu übersehen sei schwer nachvollziehbar, „zumal die Athleten einer jährlichen Evaluierung unterzogen wurden und die Folgejahreinstufung auf Basis der Evaluierung erfolgte. Aus unserer Sicht scheint es so, dass nun alleinig die Olympiaplatzierungen unserer Athleten als Beurteilung einer richtigen oder falschen Förderung herangezogen werden.“ Eine seriöse, faire Athletenbeurteilung beinhalte aus Sicht des Verbandes allerdings wesentlich mehr Parameter als ein einzelnes Wettkampfergebnis.

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