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Kräftemessen mit einem Geheimfavoriten

Dominic Thiem hat sich im Verlauf der US Open von Spiel zu Spiel gesteigert. Am Montag (17.00 Uhr MESZ) geht es nun in New York im Achtelfinale gegen Juan Martin del Potro. Gegen den Argentinier wird Österreichs Nummer eins im Arthur Ashe Stadium - mit einem Fassungsvermögen von 23.771 Zuschauern das größte Tennisstadion der Welt - aber wohl noch einen Gang zulegen müssen, um zum zweiten Mal in seiner Karriere nach den French Open in ein Grand-Slam-Viertelfinale einzuziehen.

Normalerweise ist die Nummer zehn der Welt gegen die Nummer 142 klarer Favorit. Doch wenn diese Nummer 142 Del Potro heißt, muss man diese Zahlen außer Acht lassen. Der 27-Jährige hat sich seit Februar 2014 drei Operationen am linken Handgelenk unterzogen und spielte in zwei Jahren nur zwei Turniere. Seit Februar 2016 ist Del Potro wieder auf der Tour, spätestens in Wimbledon zeigte er mit einem Sieg über Stan Wawrinka, was immer noch in ihm steckt.

Juan Martin Del Potro (ARG)

APA/AFP/Martin Bernetti

Auch mit Silber schrieb Del Potro in Rio eine der schönsten Olympiageschichten

Der Lauf zu Olympiasilber mit dem Erstrundensieg über Novak Djokovic sowie dem Halbfinaltriumph über Rafael Nadal und einer knappen Finalniederlage gegen Andy Murray hat ihn zu einem der Geheimfavoriten dieser US Open gemacht. Und Del Potro hat Thiem in Madrid dieses Jahr im bisher einzigen Duell in der ersten Runde mit 7:6 6:3 bezwungen. Der US-Open-Sieger von 2009 ist „heiß“ auf eine Rückkehr in jene Zeiten, als er die Nummer vier der Welt war.

Respekt vor Vorhand, Angriff auf Rückhand

Angesichts der Form Del Potros ist Thiem jedenfalls gewarnt. „Er hat sich in diesem Jahr immer mehr gesteigert und ist jetzt sicher ein ganz anderer Spieler, als er in Madrid war. Ich glaube, dass die Rückhand immer noch nicht die ist, die sie einmal war“, sagte Thiem. Darum möchte er sein Spiel nach Möglichkeit über Del Potros Rückhand aufziehen. „Weil die Vorhand ist eine der besten, die es jemals in dem Sport gegeben hat, vielleicht sogar die beste.“

Aber auch der Niederösterreicher ist nach seinen Hüftproblemen wieder auf dem aufsteigenden Ast. In erster Linie, so Thiem, sei ihm wichtig gewesen, sich fitnessmäßig wieder auf ein sehr gutes Level zu arbeiten. „Und auf dem bin ich. Das Spielerische wird von Match zu Match besser“, so der 23-Jährige, der mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen in die Partie gegen den 1,98 Meter großen Del Potro geht.

Bresnik sieht Thiem als Außenseiter

Die Beobachtung, dass Thiem gegen vermeintlich schwächere Gegner nicht mit der gleichen Intensität an die Sache herangeht wie gegen starke Spieler, war aber auch in New York zu sehen. „Es ist sicherlich so, dass er halt mit der Aufgabe wächst. Er kann bei entsprechend größerem Widerstand selbst die Schraube noch anziehen“, stellte Coach Günter Bresnik fest und sieht „noch Potenzial nach oben“ - zum Beispiel beim Aufschlag.

Thiems Trainer Guenter Bresnik

GEPA/Matthias Hauer

Coach Günter Bresnik erwartet für Dominic Thiem ein ganz schweres Spiel

Den nächsten Gegner lobt auch der 55-Jährige in höchsten Tönen. „Der spielt momentan wieder in einer ganz eigenen Liga. Er ist einer der wenigen, der mit den Top-Drei-, Top-Vier-Spielern mitspielen kann und das auch tut. Das hat man ja bei Olympia gesehen.“ Der gebürtige Wiener sieht seinen Schützling als Außenseiter. „Auch wenn die Ranglistenplatzierung anders ausschaut.“

Del Potro erwartet „interessantes Match“

Und was sagt der gelobte Del Potro selbst? „Nein, nein. Er sollte sicher der Favorit sein“, winkte Del Potro ab. „Aber es hängt auch viel von meiner Physis, meinem Körper, meinem Spiel ab. Wenn ich so spiele wie heute, dann habe ich vielleicht eine Chance, ein großartiges Match gegen ihn zu spielen“, so Del Potro, der selbst nach dem Dreisatzsieg über den als Nummer elf gesetzten Spanier David Ferrer bescheiden blieb.

Für Thiem fand er selbst lobende Worte: „Er spielt wirklich gut und ist sehr gefährlich. Seine Rückhand ist so gut, er bewegt sich schnell. Das wird ein interessantes Match für mich.“ Trotz des aktuellen Laufs sind für den Argentinier seine Erwartungen nicht gestiegen. „Ich habe nicht erwartet, hier in die zweite Woche zu kommen. Ich habe auch nicht erwartet, dass ich in Rio eine Medaille gewinne, und auch nicht, dass ich auf diesem Level spielen kann. Ich bin selbst überrascht von meiner Form“, versicherte Del Potro.

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