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Durchatmen und weiterarbeiten

Dass das österreichische Fußballnationalteam Montagnacht erst nach einstündiger Verzögerung wegen Problemen mit der Beladung des ÖFB-Charterflugzeuges um 2.00 Uhr Ortszeit von Tiflis nach Wien abgehoben hat, war den Spielern und Betreuern relativ egal. Sie hatten die drei Punkte für den hart erkämpften 2:1-Auswärtssieg gegen Georgien bereits im Gepäck verstaut.

Die Reise in der Qualifikationsgruppe D für die WM 2018 in Russland hatte rein rechnerisch nach Plan begonnen. Neo-Teamkapitän Julian Baumgartlinger sagte: „Wir haben unser Pflichtaufgabe erfüllt, gut in die Qualifikation zu starten. Wir sind wieder in der Spur, das soll im Herbst erfolgreich weitergehen.“

WM-Quali: Zittersieg gegen Georgien

Österreich kam beim ersten Spiel der WM-Qualifikation zu einem Äuswärtssieg: Nach der glücklosen EM gewann Österreich 2:1 gegen Georgien.

In den weiteren Gruppenspielen zeigte der EM-Semifinalist Wales mit einem 4:0-Heimsieg über Moldawien, dass er den spielerischen Schwung aus Frankreich mitgenommen hat. Irland holte in Belgrad gegen Serbien mit einem 2:2 auch einen wichtigen Punkt. Wales ist am 6. Oktober in Wien Österreichs nächster Gegner.

„Ein dreckiges Spiel“

Hätte Georgien am Montag vor 30.000 begeisterungsfähigen Zuschauern auch einen Gareth Bale gehabt, der gegen Moldawien zwei Tore selber schoss und eines vorbereitete, wäre die Elf von Teamchef Marcel Koller wahrscheinlich nicht so gut ausgestiegen. „Es war ein dreckiges Spiel“, sagte Verteidiger Aleksandar Dragovic, „aber das ist mir immer noch lieber, als wir verlieren hier. Es war ein glücklicher Sieg, wo wir am Ende zittern mussten. Aber wir sind froh, dass wir die drei Punkte haben.“

In der ersten Hälfte hatte Österreich das Spiel noch im Griff. Das offensive Gegenpressing tat seine Wirkung, und Georgien spielte zwar ambitioniert und mit hohem Tempo nach vorne, konnte seine Angriffe aber nie fehlerlos fertigspielen. So führte Österreich nach zwei Kopftoren von Martin Hinteregger (16./sein erstes im Team) und Marc Janko (42./sein 27. im Team) nach Maßflanke von Marko Arnautovic recht souverän mit 2:0. Doch nach der Pause wendete sich das Blatt, und Georgien kam angetrieben von seinen Fans immer mehr auf.

Positives Denken ist gefragt

Nach einer Drangphase der Gastgeber verkürzte schließlich Jano Ananidze in der 78. Minute mit einem exakten Weitschuss in die untere rechte Ecke zum 1:2. Die letzten Minuten musste das ÖFB-Team gegen die auf den Ausgleich drängenden Georgier bestehen und schaffte das auch. Somit bleibt die 1:2-Niederlage gegen Schweden im Oktober 2013 die letzte Auswärtspleite in einer Qualifikation. „Es zählen nur die drei Punkte“, so Dragovic.

Aleksandar Dragovic (AUT) gegen Davit Skhirtladze (GEO)

GEPA/Christian Ort

Dragovic (l.) und Co. mussten hart um die drei Punkte kämpfen

„Somit sind wir besser in die WM-Qualifikation gestartet als in die EM-Quali (1:1 im Heimspiel gegen Schweden, Anm.)“, sagte der Neo-Leverkusener. „Das Team hat gezeigt, dass es zusammensteht und kämpft.“ Dann erwähnte der 18-Millionen-Mann einen Spruch, der mittlerweile für Teams wie Österreich absolute Gültigkeit besitzt: „Es gibt keine leichten Gegner mehr, und ich bin gespannt, wie sich die anderen Teams hier schlagen werden.“

„1:2 war ein Lucky Punch“

Allerdings mussten auch die ÖFB-Spieler eingestehen, dass es noch Luft nach oben gibt und sie es versäumt hatten, die Partie vorzeitig endgültig zu entscheiden. „Wir haben das Spiel in der zweiten Hälfte ein bisserl schleifen lassen“, so 2:0-Torschütze Janko, der sich extra bei Arnautovic für dessen Vorarbeit bedankte („überragend“). Er selbst hatte das 3:0 am Fuß, schob den Ball jedoch in der 56. Minute alleine vor Georgiens Goalie Giorgi Loria am Tor vorbei.

Ein drittes Gegentor hätte auch die engagierten Georgier und ihre Fans in Zaum gehalten. „Das ist ein heißer Boden hier“, meinte der Basel-Legionär, wollte aber die Georgier auch nicht stärkerreden, als sie sind. „Das 1:2 war ein Lucky Punch, ein Weitschuss. So was kann schon einmal reingehen. Ich freue mich, dass wir nach einer enttäuschenden EM wieder siegen, und bin happy mit den drei Punkten.“

„Nicht immer schön“

So sah das auch Baumgartlinger, der sein erstes Spiel als Teamkapitän im Hexenkessel von Tiflis so beschrieb: „Die drei Punkte sind wichtig. Es ist eben auch eine Stärke, solche Spiele zu gewinnen. Georgien ist es einfach unangenehm zu spielen. Es war nicht immer schön, aber wir wollten mit einem Sieg starten, und das ist uns gelungen.“ Ebenso wie sein Leverkusen-Teamkollege Dragovic meinte auch Baumgartlinger, dass der Platz in der zweiten Hälfte schwer zu bespielen gewesen sei.

Waleri Kasaischwili gegen Julian Baumgartlinger

Reuters/David Mdzinarishvili

Für Kapitän Baumgartlinger war auch der Rasen am holprigen Spiel schuld

Aber es war auch der Gegner, der besser als seine Weltranglistenplatzierung (118.) auftrat, der es den Österreichern schwermachte. „Wir haben Georgien wieder stark gemacht“, sagte Torschütze Martin Hinteregger, der angab, beim 1:0 nach Freistoßflanke von David Alaba „intuitiv“ in den freien Raum gestartet zu sein.

Kleinere und größere Problemzonen

Auf die Frage nach Verbesserungspotenzial im ÖFB-Team meinte der zu Augsburg in die deutsche Bundesliga gewechselte Ex-Salzburger: „Dafür war Georgien einfach zu gut, als dass wir viel mehr hätten machen können.“ Die kommenden Aufgaben in der WM-Qualifikation werden jedoch nicht leichter - im Gegenteil. Am 6. Oktober kommt Wales nach Wien, wenige Tage später, am 9. Oktober, muss die ÖFB-Mannschaft in Belgrad gegen die serbische Auswahl antreten.

Am 12. November kommt dann noch Irland nach Wien. Bis dahin muss sich Koller mit einigen kleineren und größeren Problemen beschäftigen. Martin Harnik lieferte über rechts wieder viel zu wenige gute Aktionen ab, Markus Suttner hatte noch große Probleme, in die Fußstapfen von Ex-Teamkapitän Christian Fuchs als linker Außenverteidiger zu treten. „Freigeist“ Alaba machte zwar viel und war fast überall auf dem Feld anzutreffen, richtig effektiv war der Bayern-Star dabei aber nicht.

Martin Harnik und Zlatko Junuzovic (beide AUT)

GEPA/Christian Ort

Harnik (l.) und Junuzovic agierten in Tiflis noch nicht in Bestform

Auch Zlatko Junuzovic bemühte sich redlich, hatte aber auch schon bessere Tage. Ob eine Leistung wie gegen Georgien für Punkte gegen Wales und Serbien reicht, wird sich zeigen. Nur der Gruppensieger fährt fix zur WM. Drei Punkte hat Österreich für dieses Ziel schon, und die nimmt der Koller-Elf auch niemand mehr weg. Nicht einmal die „frechen“ Georgier, obwohl sie es vehement versucht hatten.

Martin Wagner, ORF.at, aus Tiflis

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