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Krasnodar nicht zu knacken

Salzburg hat am Donnerstagabend im ersten Spiel in der UEFA Europa League nicht dem Vorbild von Rapid und Austria folgen können. Statt eines Sieges zum Auftakt der Gruppe I gab es im Heimspiel gegen den FK Krasnodar eine 0:1-Niederlage. Der Brasilianer Joaozinho erzielte vor schwach besuchten Rängen in der 37. Minute für die abgebrühten Russen das Goldtor.

Die Salzburger, denen es in ungewohnter Aufstellung nicht nur an Harmonie, sondern auch an Tempo und Spielwitz fehlte, konnten auch nicht von einem Ausschluss von Sergej Petrow in der 71. Minute profitieren. Nächster EL-Gegner der Mannschaft von Oscar Garcia ist am 29. September auswärts Schalke. Die „Knappen“ gewannen ihre Auftaktmatch auswärts bei Nizza 1:0. Salzburg steht dort schon unter Zugzwang.

Die Enttäuschung steckt noch in den Knochen

Das erneute Scheitern in der Champions-League-Qualifikation hat wohl Spuren in der Salzburger Fan-Seele hinterlassen. Nur 6.500 Fans waren in die Arena nach Wals-Siezenheim gekommen. Krasnodar war auch vom Namen her keine Zugnummer, was aber nichts über die Qualität der Russen aussagte - wie sich bald herausstellen sollte. Bei Salzburg dachte sich hingegen Coach Oscar Garcia offenbar: „Das ist ein internationaler Bewerb, und daher stelle ich international auf.“ So ließ er in seiner Startelf mit Andreas Ulmer und Valentino Lazaro nur zwei Österreicher auflaufen.

Salzburg verliert Europa-League-Auftakt

Red Bull Salzburg erlitt zum Auftakt der Gruppenphase eine 0:1-Heimpleite gegen Krasnodar aus Südrussland.

Salzburg begann initiativ, aber ohne Wirkung. So gab der Usbeke Odil Achmedow in der zwölften Minute den erste Warnschuss ab, der sein Ziel, das Tor von Alexander Walke, nur knapp verfehlte. Die Russen deuteten damit ihre Gefährlichkeit gleich eindrucksvoll an. Ein gewagter Weitschuss von der Mittellinie von Valon Berisha in der 15. Minute war quasi die Salzburger Antwort darauf, denn mit spielerischen Mitteln kamen die österreichischen „Bullen“ bisher nicht durch.

Jonatan Sorianos Torversuch in der 19. Minute wurde noch leicht zur Ecke abgefälscht und war bis dahin die beste Salzburger Aktion. Krasnodar, machte alles in allem einen spritzigern und kompakteren Eindruck als Dinamo Zagreb. An den Kroaten waren die Salzburger ja in der Qualifiktion für die Champions League knapp in der Verlängerung gescheitert.

Wechsel mit Torfolge

Wenn die erste halbe Stunde des Duells mit dem Siebenten der russischen Premjer Liga einen Aufschluss über die Stärke der Gegner in der Gruppe I gab, dann hatte Salzburg-Trainer Garcia wohl recht mit seiner Einschätzung, dass die Gruppe Champions-League-Qualität hat. Schließlich warten noch Schalke 04 und das um Mario Balotelli verstärkte OGC Nizza auf den heimischen Meister.

Joaozinho (Krasnodar) schießt ein Tor gegen Salzburg

GEPA/Felix Roittner

Joaozinho (r.) zog unter Beobachtung von Lainer trocken zum 1:0 (37.) ab

Im Spiel waren beide Teams bemüht Tore zu erzielen, so wirklich gelingen wollte das aber keiner Mannschaft. Bereits nach 30 Minuten musste der englische Neuzugang Andre Wisdom vom Feld. Die 23-jährige Liverpool-Leihgabe war offenbar verletzt, stapfte aber direkt in die Kabine, ohne Garcia eines Blickes zu würdigen. Positive Folgen hatte der Tausch jedenfalls keine. Denn in der 37. Minute schüttelte der Brasilianer Joaozinho nach einem weiten Einwurf über die Abwehr den eingewechselten Stefan Lainer ab und schoss trocken zum 1:0 für Krasnodar ein.

Salzburg fehlt der Spielwitz

Salzburgs spanischer Trainer musste sich etwas einfallen lassen, denn Krasnodar war vom Spiel der roten „Bullen“ nicht beeindruckt. Doch die Garcia-Elf kam unverändert zurück und daher verlief auch das Spiel unverändert ab. Salzburg spielte brav, aber mit einer Spur zu wenig Elan und mit zu wenig spielerischer Kreativität nach vorne.

Odil Akhmedov (Krasnodar) und Valentino Lazaro (Salzburg)

GEPA/Felix Roittner

Zugriff verweigert: Krasnodar erstickte die Salzburger Bemühungen im Keim

Auf die versuchten schnellen Vorstöße über die Flanken hatten sich die Russen schon bestens eingestellt. Am positivsten machte noch Dayot Upamecano auf sich aufmerksam. Der noch 17-jährige Franzose versuchte zumindest richtig Schwung ins Spiel zu bringen. Sein Gegenstück war einmal mehr Takumi Minamino, der bei Salzburg auf internationalem Parkett nicht Fuß fassen kann. Der Japaner wirkte vom Spieltempo überfordert. Lazaros Schuss in der 59. Minute war die erste Torchance in der zweiten Hälfte.

Jubel nur bei Ausschluss

Krasnodar Schlussmann Stanislaw Kritsjuk klärte im Nachfassen. Sonst hatte die abgebrühte Abwehr rund um Naldo, nicht zu Verwechseln mit dem bekannteren Naldo von Schalke, kaum Probleme. In dieser Verfassung wünscht man Salzburg allerdings kein Duell mit den noch stärker einzuschätzenden Deutschen. Salzburg lief weiter gegen den souveräne russischen Abwehrverbund an - ohne Erfolg.

Bezeichnend für das Salzburger Auftreten war auch, dass lediglich bei der Gelb-Roten für Krasnodar-Außenverteidiger Sergej Petrow Jubel aufbrandete. Petrow hatte sich bei einem Einwurf zu viel Zeit gelassen, wofür der tschechische Referee Miroslav Zelinka überhaupt kein Verständnis zeigte. In der Folge wurde Salzburg besser, was aber nicht nur an der numerischen Überlegenheit, sondern auch an der Einwechslung von Wanderson lag. Warum der Brasilianer nicht von Beginn an spielte, weiß wohl nur Garcia.

Jonatan Soriano (Salzburg) applaudiert den Fans

GEPA/Felix Roittner

Pfiffe im Stadion, Salzburgs Soriano bedankt sich trotzdem bei den Fans

Nachdem Minamino und Soriano kurz vor Schluss eine gute Chance ausgelassen hatten und auch die vierminütige Nachspielzeit torlos geblieben war, wurden die „Bullen“ mit einem kurzen, aber intensiven Pfeifkonzert verabschiedet. Der Fehlstart in Gruppe I war damit besiegelt. Am Sonntag steht in der tipico-Bundesliga der Schlager gegen die in der Europa League siegreiche Austria (16.30 Uhr, live in ORF eins) auf dem Programm. Ob eine uninspirierte Leistung wie am Donnerstag gegen die auswärtsstarken „Veilchen“ reicht, wird sich zeigen.

Martin Wagner, ORF.at, aus Salzburg

UEFA Europa League, Gruppe I, erster Spieltag

Donnerstag:

Red Bull Salzburg - FK Krasnodar 0:1 (0:1)

Red Bull Arena, 6.507 Zuschauer, SR Zelinka (CZE)

Tor: Joaozinho (37.)

Salzburg: Walke - Wisdom (30./Lainer/79. Wanderson), Caleta-Car, Miranda, Ulmer - Samassekou (73./Dabbur), Upamecano - Lazaro, Berisha, Minamino - Soriano

Krasnodar: Kritsjuk - Jedrzejczyk, Naldo, Granqvist, Petrow - Eboue, Akhmedov (62./Gasinski), Kabore - Podberezkin (60./Laborde), Smolow, Joaozinho (74./Kaleschin)

Gelb-Rote Karte: Petrow (71./Krasnodar/Foul bzw. Unsportlichkeit)

Gelbe Karten: Samassekou, Soriano bzw. Petrow, Kabore, Laborde

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