Themenüberblick

Atletico lässt sich nicht bezwingen

Bayern München ist am Mittwoch beim ersten richtigen Härtetest in dieser Saison als Verlierer vom Platz gegangen. Der deutsche Meister musste sich am zweiten Spieltag der CL-Gruppenphase Atletico Madrid mit 0:1 (0:1) geschlagen geben und kassierte damit nach acht Pflichtspielsiegen die ersten Niederlage unter Coach Carlo Ancelotti. Zum Matchwinner für die Madrilenen avancierte im Estadio Vicente Calderon Yannick Carrasco (35.).

Für die Bayern, bei denen ÖFB-Legionär David Alaba durchspielte und eine solide Leistung zeigte, gibt es indes in Spanien weiter nichts zu holen. Wie schon bei den Niederlagen im CL-Halbfinale gegen Real Madrid (2014), den FC Barcelona (2015) und vor wenigen Monaten gegen Atletico gelang den Bayern wieder kein Auswärtstor gegen ein spanisches Team. Geschuldet war das diesmal einer starken Leistungen der Madrilenen, die mit konsequenter Defensive und schnellem Umschaltspiel den Münchnern den Nerv zogen.

Jubel von Yannick Carrasco (Atletico)

Reuters/Paul Hanna

Yannick Carrasco jubelt über sein Goldtor gegen Bayern München

„Atletico steht defensiv sehr, sehr gut und kompakt. Wir haben uns schwergetan, Räume zu finden. Wenn sie in Führung gehen, ist es immer schwer, hier noch ein Tor zu schießen“, sagte Alaba im ORF-Interview. Ähnlich sah es Arjen Robben: „Atletico hat eine sehr unangenehme Mannschaft. Die machen immer das Gleiche. Man muss gegen sie immer aufpassen.“ In Gruppe D liegen die Bayern mit drei Zählern hinter dem makellosen Atletico. PSV Eindhoven und der FC Rostow, die sich im Parallelspiel 2:2 trennten, haben einen Punkt.

Atletico als erwartet unangenehmer Gegner

Atletico-Coach Diego Simeone bot nominell eine recht offensive Startelf auf und ließ in einem 4-4-2-System mit Antoine Griezmann und Fernando Torres zwei Stürmer spielen. Bei den Bayern saßen Robben und Mats Hummels auf der Bank, als Innenverteidiger agierten Jerome Boateng und Javi Martinez. Ansonsten gab es keine Überraschungen beim deutschen Meister, der vom Anpfiff weg versuchte, über den Ballbesitz das Spiel zu kontrollieren.

Thiago Alcantara und Thomas Müller (Bayern) enttäuscht

GEPA/Cordon Press/Gregorio Lopez

Thomas Müller hatte für die Bayern den Führungstreffer auf dem Fuß

Atletico stand allerdings sehr hoch und attackierte früh. Kamen die Bayern doch einmal in die spanische Hälfte, ließ Simeone die Räume eng machen. Damit dauerte es bis zur 13. Minute, ehe die Bayern erstmals gefährlich vor das Tor kamen. Thomas Müller übernahm eine tolle Vorlage von Thiago volley, seinen zu zentralen Schuss konnte Atletico-Goalie Jan Oblak jedoch parieren. Unmittelbar vor dieser Chance war ein Handspiel von Felipe Luis im Strafraum vom polnischen Schiedsrichter Szymon Marciniak ungeahndet geblieben.

Atletico nützt Lücken in der Bayern-Abwehr

Atletico vertraute indes auf seine Stärken - defensiv diszipliniert, zweikampfstark und offensiv mit schnellen Aktionen. Bei einem Schuss von Carrasco tauchte Bayern-Goalie Manuel Neuer ins kurze Eck ab (19.). Nur kurz darauf lag den Atletico-Fans der Torjubel schon auf den Lippen. Nach einem verlängerten Eckball tauchte Torres im Rücken von Alaba auf, traf aber mit seinem Kopfball aus kürzester Distanz nur die Stange (22.).

Carrasco via Innenstange zum 1:0 (35.)

Antoine Griezmann legt auf Yannick Carrasco ab, der nimmt sich den Ball aus vollem Lauf mit, zieht ab und trifft via Innenstange zur Atletico-Führung.

Es entwickelte sich das erwartete Spiel, in dem die Bayern gegen die brandgefährlichen Madrilenen stets hellwach bleiben mussten, in der Abwehrarbeit aber Lücken zeigten. Torres traf nur das Außennetz (34.). Kurz darauf ging es den Münchnern dann endgültig zu schnell. Der starke Griezmann schickte mit einem Traumpass Carrasco auf die Reise. Der Belgier zielte aufs lange Eck und traf via Innenstange zum 1:0 (35.). Für die Bayern vergab Ribery die Ausgleichschance (39.).

Bayern werden immer verzweifelter

Auch nach der Pause arbeitete Atletico mit mehreren Spielern konsequent gegen den Ball und machte damit dem Gegner das Leben schwer. Die Bayern-Spieler wirkten entnervt und produzierten viele Fehlpässe. In der 56. Minute arbeitete sich der deutsche Meister trotzdem in den Strafraum, doch Oblak blieb beim Schuss von Alaba Sieger. Nach knapp einer Stunde stärkte Ancelotti die harmlos gebliebene rechte Seite der Bayern und brachte Robben für Müller. Für den nahe an Gelb-Rot wandelnden Thiago kam Joshua Kimmich.

Während die Bayern ohne zündende Idee gegen die Atletico-Mauer anliefen, ergaben sich für die Spanier Räume. Bei einem Carrasco-Schuss war aber Neuer auf dem Posten (67.). Langsam, aber sicher begann den Bayern die Zeit davonzulaufen. Die Angriffe wurden verzweifelter. Ein Kopfball von Robert Lewandowski ging an der Stange vorbei (77.). Auch ein Robben-Schuss verfehlte das Ziel (81.).

Griezmann vergibt Elfmeter

Wenige Minuten vor Schluss hätte Atletico endgültig den Deckel auf die Partie machen können. Arturo Vidal legte kopflos und ungestüm Filipe Luis im Strafraum. Griezmann trat zur Vorentscheidung und seinem möglichen vierten Treffer in diesem Jahr gegen Neuer an. Der Franzose setzte den Elfmeter (84.) allerdings an die Latte, es blieb spannend. Die Bayern bekamen zusätzliche fünf Minuten.

Goalie Neuer stand in der Nachspielzeit schon als elfter Feldspieler an der Mittellinie. Die Atletico-Spieler behielten aber die Nerven und spielten auch nach brenzligen Situationen ruhig aus der Abwehr heraus. Coach Simeone war indes an der Seitenlinie kaum mehr zu bändigen und forderte vehement den Abpfiff. Als ein Kopfball von Robben in der 96. Minute in den Händen von Oblak landete, war es dann aber endgültig vorbei. Atletico ging wie im Halbfinale der letzten CL-Saison mit einem 1:0 als Sieger vom Platz.

Christian Wagner, ORF.at

Link: