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„Bullen“ mit Rücken zur Wand

Meister Red Bull Salzburg steht in der UEFA Europa League nach zwei Runden schon mit dem Rücken zur Wand. Die „Bullen“ unterlagen am Donnerstag bei Schalke 04 mit 1:3 und verloren damit auch das zweite Gruppenspiel. Leon Goretzka (14.), ein Eigentor von Duje Caleta-Car (47.) und Benedikt Höwedes (58.) trafen vor 48.375 Zuschauern für die Schalker. Kapitän Jonaton Soriano gelang nur Ergebniskorrektur (72.).

Die zu nervös agierenden Salzburger belegen damit bei noch vier ausstehenden Spielen in der Gruppe I den dritten Platz. Ebenfalls noch ohne Punkt steht überraschend Schlusslicht OGC Nizza da. Der Spitzenreiter der französischen Ligue 1 unterlag bei FK Krasnodar mit 2:5. Der russische Vertreter führt die Gruppe damit nach zwei Runden vor Schalke mit dem Punktemaximum (je sechs Zähler) an.

Salzburg unterliegt Schalke

Nach der 0:1-Heimniederlage gegen Krasnodar kassieren die Salzburger in der Europa League auch bei Schalke eine 1:3-Pleite.

Schalke will „Schwung“ für Liga holen

Nach dem EL-Auftaktsieg bei Frankreichs Tabellenführer OGC Nizza konnten die „Königsblauen“ das Spiel im Gegensatz zu den noch punktelosen Salzburgern beruhigt angehen. Das Duell mit den „Bullen“ sollte für das deutsche Ligaschlusslicht vor allem dazu dienen, „Schwung für die kommende Begegnung gegen Borussia Mönchengladbach zu holen“, betonte Schalke-Coach Markus Weinzierl schon vor dem Anpfiff.

Tor von Leon Goretzka (Schalke) gegen Salzburg

AP/Martin Meissner

Goretzka stellte die Weichen früh auf den klaren Heimsieg für Schalke

Dass man sich derzeit auf dem internationalem Parkett ohnehin wohler fühlt, zeigt ein Blick auf die Statistik. Schalke hat von den letzten 13 Spielen in der Gruppenphase der Europa League keines verloren. Die Salzburger sind zwar ebendort ebenfalls seit acht Auswärtspartien (sieben Siege und ein Remis) ungeschlagen, mit der 0:1-Heimpleite gegen Krasnodar riss allerdings die stolze Serie von zuvor 14 Partien ohne Niederlage in der Gruppenphase.

Garcia verzichtet auf Rotation

Garcia schickte trotz des Gipfeltreffens in der Liga am Sonntag gegen Sturm seine nominelle Bestbesetzung in den neuen feuerroten Dressen aufs Feld. Valentino Lazaro, der zuletzt gegen Altach als Rechtsverteidiger auflief, rückte wieder nach vorne und nahm hinter Kapitän Soriano im linken offensiven Mittelfeld Platz. Nicht einsatzbereit waren Christian Schwegler, Smail Prevljak, Christoph Leitgeb (beide Knie) und Krasnodar-Starter Andre Wisdom (Oberschenkel). Fit, aber trotzdem in Gelsenkirchen nicht mit dabei war ÖFB-Teamspieler Stefan Stangl.

Takumi Minamino (Salzburg) und Alessandro Schöpf (Schalke)

GEPA/Felix Roittner

Schöpf durfte von Beginn an ran und gehörte zu den besten Schalkern

Schalke-Coach Weinzierl nahm nach dem katastrophalen Saisonstart in der Liga mit null Punkten und erst zwei erzielten Toren in fünf Spielen gleich fünf Änderungen im Vergleich zur 1:2-Niederlage in Hoffenheim vor. Die Speerspitze gegen die „Bullen“ bildete der Schweizer Youngster Breel Embolo, auch deshalb weil der Niederländer Klaas-Jan Huntelaar aufgrund einer starken Erkältung fehlte. Von Beginn an dabei war auch ÖFB-Teamspieler Alessandro Schöpf, der zuletzt gegen Hoffenheim erst in der 58. Minute aufs Feld geschickt wurde.

Schalke beruhigt und schlägt zu

Dass der Respekt bei den Gelsenkirchnern vor Österreichs Meister durchaus groß war, bewiesen die Anfangsminuten. Die Weinzierl-Truppe verzichtete zunächst auf einen Sturmlauf und versuchte, mit einem geordneten Aufbauspiel keine Hektik ins Spiel kommen zu lassen. Salzburg spielte deshalb zunächst auch durchaus gefällig mit, spielte seine sporadischen Angriffe aber nicht zu Ende. Ein Schuss von Konrad Laimer wurde abgelockt (10.), ein Stanglpass von Valon Berisha fand keinen Abnehmer (14.).

Während die „Bullen“ nun offenbar auch ihre der beeindruckenden Kulisse in der Schalke-Arena geschuldeten Anfangsnervosität etwas ablegten, schlugen die „Königsblauen“ mit einer schnellen Aktion eiskalt zu. Die Salzburger Defensive attackierte nicht richtig, Sead Kolasinac nutzte den ihm gebotenen Freiraum und spielte genau in die Schnittstelle zwischen drei Salzburger Abwehrspieler. Goretzka übernahm volley, der Ball prallte von Goalie Alexander Walke zurück an den Kopf des 21-Jährigen, und er musste nur noch zur 1:0-Führung einnicken (15.).

Schöpf hat 2:0 auf dem Fuß

Den Salzburgern war der Nackenschlag nun anzumerken, und fast wäre kurz darauf ein weiterer gefolgt. Kurz nachdem sich Soriano bei einem Ausrutscher am Knie eines Gegenspielers eine blutende Kopfwunde geholt hatte und mit einem Turban weiterspielen musste, pflückte sich Schöpf an der Strafraumgrenze einen Traumpass aus der eigene Hälfte von Matija Nastasic an der Strafraumgrenze herunter. Österreichs einziger Torschütze bei der EM in Frankreich drückte ab, scheiterte aber am hellwachen Walke (26.).

Ein verletzter Jonathan Soriano (Salzburg) auf dem Rasen

APA/dpa/Wolfram Kastl

Soriano musste nach einem Zusammenprall mit Turban weiterspielen

Offensiv plätscherte das Spiel nun aber auf beiden Seiten dahin. Schalke beschränkte sich auf die Spielkontrolle und kam vor allem über den starken Schöpf immerhin zu einigen Halbchancen. Salzburg hatte zwar in dieser Phase sogar mehr Ballbesitz, konnte damit aber nichts anfangen. Die nun ungeduldiger werdenden Schalke-Zuschauer ließ dann Kolasinac in der 42. Minute wieder kurz aufschreien. Der Assistgeber zum 1:0 tanzte Lainer auf der linken Seite aus und zirkelte den Ball Richtung Kreuzeck. Der Ball strich aber knapp über die Latte, und so ging es mit einer 1:0-Führung in die Pause.

Kalte Dusche nach der Pause

Kurz nach dem Seitenwechsel folgte dann aber die kalte Dusche für die Salzburger. Schalke-Kapitän Höwedes zirkelte eine Flanke in den Strafraum. Caleta-Car wollte noch ausweichen, fälschte den Ball aber unglücklich für Schlussmann Walke zum 2:0 ins eigene Tor ab (47.). Das Spiel hatte nun plötzlich Feuer gefangen, und Schalke wollte nachlegen. Zunächst reagierte Walke bei einem Höwedes-Kopfball noch blendend (54.), nur vier Minuten später schlug es aber ein.

Und wieder wirkten die „Bullen“ nach einem Eckball ungeordnet. Naldo produzierte einen Lattenpendler, der bereits hinter der Linie war, der niederländische Schiedsrichter Serdar Gözübüyük ließ aber weiterspielen. Den Abpraller setzte wiederum Embolo an die Stange. Im dritten Anlauf drückte Höwedes den Ball schließlich mit einem Fallrückzieher über die Linie (58.).

Salzburg kommt zurück ins Spiel

Salzburg wirkte nun komplett desorientiert und drohte, in ein Debakel zu laufen. Kolasinac bediente Schöpf, der sich kurz drehte und abzog. Diesmal konnte Caleta-Car den Ball aber gerade noch zur Ecke klären (65.). Salzburg-Trainer Oscar reagierte und brachte mit Takumi Minamino statt des blassen Lazaro und Josip Radosevic statt Laimer wieder Ordnung in die verunsicherte Mannschaft. Spät, aber doch kamen die „Bullen“ nun ins Spiel und verkürzten auf 1:3.

Eine Lainer-Flanke verlängerte Kolasinac zu Soriano, der nicht lange fackelte und den Ball per Dropkick im langen Ecke versenkte (72.). Schalke tat nun nur noch das Nötigste und wirkte angeschlagen. Die Salzburger starteten noch einmal eine Drangphase und drückten auf den zweiten Treffer. Ein Schuss von Wanderson wurde abgeblockt (75.), ein Berisha-Kopfball zur Beute von Fährmann.

Letztlich waren die Gelsenkirchner die abgebrühtere Mannschaft und fuhren souverän den zweiten Sieg im zweiten Spiel ein. Salzburg muss indes an den letzten vier Spieltagen zur Aufholjagd blasen, um vielleicht doch noch zum vierten Mal in Folge den Sprung aus der Gruppe zu schaffen.

Wolfgang Rieder, ORF.at

Europa League, zweiter Spieltag Gruppe I

Donnerstag:

Schalke 04 - Red Bull Salzburg 3:1 (1:0)

Veltins-Arena, 48.375 Zuschauer, SR Gözübüyük (NED)

Torfolge:
1:0 Goretzka (15.)
2:0 Caleta-Car (47./Eigentor)
3:0 Höwedes (58.)
3:1 Soriano (72.)

Schalke: Fährmann - Höwedes, Naldo, Nastasic, Kolasinac (80./Baba) - Geis, Bentaleb - Schöpf, Goretzka (67./Konopljanka), Meyer (88./Stambouli) - Embolo

Salzburg: Walke - Lainer, Miranda, Caleta-Car, Ulmer - Upamecano, Laimer (65./Radosevic) - Lazaro (65./Minamino) , Berisha, Wanderson (89./Rzatkowski) - Soriano

Gelbe Karten: Keine bzw. Laimer, Upamecano, Caleta-Car, Soriano

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