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Offene Rechnung von DFB-Teamchef Löw

Für Joachim Löw steht am Samstag in der WM-Qualifikation ein besonderes Spiel auf dem Programm. In Hamburg bestreitet der 56-Jährige gegen Tschechien sein 140. Länderspiel als deutscher Bundestrainer und übertrifft damit Helmut Schön. Nur Sepp Herberger, der Weltmeistercoach von 1954, hat das DFB-Team in mehr Partien (167) betreut. Im Jubiläumsspiel will Löw dabei eine alte Rechnung begleichen.

Vor neun Jahren gab es in München ein 0:3, nachdem die deutsche Auswahl wenige Tage zuvor die Qualifikation für die EM-Endrunde 2008 fixiert hatte. Es ist die höchste Niederlage in der nun schon zehnjährigen Ära Löw. „Wir haben verdient verloren“, antwortete der Bundestrainer in Hamburg auf die Frage eines tschechischen Reporters: „Wir waren schon qualifiziert, die Tschechen mussten sich noch qualifizieren.“

DFB-Coach Joachim Löw

APA/AFP/John Macdougall

Mit zwei weiteren Erfolgen stellt Löw die Bestmarke von Herberger ein

Die Zeiten haben sich mittlerweile allerdings geändert. Deutschland hat den Qualiauftakt in Oslo 3:0 gewonnen, Tschechien büßte beim 0:0 gegen Nordirland schon zwei wichtige Punkte ein. Da nur der Gruppensieger das Direktticket nach Russland bucht, kann sich niemand Ausrutscher erlauben. Vor allem die Tschechen stehen deshalb schon am zweiten Spieltag unter Druck, peilen mit einem bissigen Auftritt aber etwas Zählbares an.

„Hoffen auf ein kleines Wunder“

„Das wird ein schwieriges Spiel“, so Hoffenheims Abwehrspieler Pavel Kaderabek in einem Interview mit dem „kicker“. „Aber wir sind immer für eine Überraschung gut. Wir müssen in Hamburg guten Fußball spielen, dann ist etwas drin.“ Teamchef Karel Jarolim weiß aber um die schwierige Aufgabe und kennt die Rollenverteilung vor dem Duell mit dem Weltmeister. „Wir hoffen auf ein kleines Wunder“, meinte der 60-Jährige, der sich aber dennoch etwas ausrechnet. „Auch die Deutschen sind nur Menschen“, so Jarolim.

Bei den sportlich schwächelnden Tschechen hat Jarolim am 1. August ein schweres Erbe angetreten. Denn die Ära der Stars wie Petr Cech, Milan Baros, Pavel Nedved und Jan Koller ist passe. Bei der EM im Sommer in Frankreich scheiterte der Europameister von 1976 sieglos in der Vorrunde, für die WM 2014 in Brasilien war das Team gar nicht qualifiziert. Auch der Start in die WM-Ausscheidung verlief mit dem 0:0 in Prag gegen Nordirland schleppend. Platz zwei hinter den übermächtig scheinenden Deutschen sei das Ziel, meinte der Coach.

Nur zwei „deutsche“ Spieler im Kader

Nach dem Ausfall von Torhüter Jaroslav Drobny (Werder Bremen) und Spielmacher Vladimir Darida (Hertha BSC) sind der Bremer Theodor Gebre Selassie und Pavel Kaderabek (1899 Hoffenheim) die einzigen Spieler aus der deutschen Bundesliga im Kader. Ob beide zum Einsatz kommen, ließ Jarolim offen. Rechtsverteidiger Gebre Selassie kann sich diese Variante gut vorstellen: „Pavel spielt in Hoffenheim links, aber sie arbeiten dort nach einem anderen System als das Nationalteam. Wir kommen gut miteinander aus, nun liegt es am Trainer.“

Dass der Vizeeuropameister von 1996, der seine besten Zeiten mittlerweile hinter sich hat, in der Gruppe C dennoch der größte Rivale um Platz eins ist, betonte Löw. „Sie können gut verteidigen und sehr gut kontern“, bemerkte der 56-Jährige, der Herbergers Bestmarke von 94 Siegen mit Erfolgen gegen Tschechien sowie am kommenden Dienstag in Hannover gegen Nordirland einstellen könnte. „Das ist ein Gegner, der uns möglicherweise am meisten fordern wird.“

Weichen für Zukunft werden gestellt

Trotzdem ging der DFB-Teamchef zuversichtlich in die Partie. „Ich gehe davon aus, dass wir die drei Punkte einfahren“, sagte Löw, der zugleich deutlich machte, dass die WM 2018 noch lange nicht sein persönlicher Schlusspunkt sein müsse. Der Ex-Trainer von Innsbruck und der Austria verkündete erstmals Gesprächsbereitschaft über eine Ausweitung seines Vertrags. In den kommenden Monaten werde es „sicherlich das eine oder andere Gespräch mit dem Verband geben“, verriet Löw.

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