Themenüberblick

Zum Radfahren nur bedingt geeignet

Beeindruckende Bilder hatte sich der Radsportweltverband (UCI) in Doha erhofft, doch schon der Auftakt der WM 2016 lieferte nach der Tortur in der Wüste erschreckende Eindrücke. Bei extremen Temperaturen von fast 40 Grad benötigen viele Athleten nach dem Teamzeitfahren ärztliche Hilfe. Die UCI gerät zunehmend in die Kritik.

Wie von Sinnen steuerte etwa die Niederländerin Anouska Koster am Sonntag im Teamzeitfahren bei gesundheitsschädlichen Temperaturen von fast 40 Grad ihre Rennmaschine in die Absperrgitter, überschlug sich und erlitt dabei Verletzungen im Gesicht. Im Zielbereich lagen Fahrerinnen völlig entkräftet auf dem Asphalt.

Fahrer des Canyon Sram Racing Team vor einem Stadion in Doha

Reuters/Ibrahem Alomari

Schon im Teamzeitfahren überschritten viele Fahrerinnen ihre Grenzen

Entsprechend groß war die Kritik an den Verantwortlichen. „Die UCI hat das nicht durchdacht. Das macht keinen Sinn. Die Hitze, das ist unmöglich. Es ist wie in einer Sauna“, schimpfte Kosters Kollegin Roxane Knetemann. Und die Niederländerin Chantal Blaak betonte: „Sogar die Lungen haben geschmerzt. Nach 20 Minuten waren wir überhitzt.“

Mangelnde medizinische Betreuung

Einen unter dem Motto „Beat the Heat“ entworfenen Leitfaden hatte die UCI vor den Titelkämpfen mit Verhaltensempfehlungen bei großer Hitze publiziert, was viele Beteiligte im Nachhinein als Aktionismus bewerteten. So herrschte Unverständnis darüber, dass die Frauen zur Unzeit in der prallen Sonne auf die Strecke mussten, während die Männer anschließend gemäßigtere Temperaturen vorfanden.

Auch fehlte es offenbar an medizinischer Betreuung. Teilweise mussten die Fahrerinnen bis zu 20 Minuten auf ärztliche Hilfe warten. „Ich bin noch nie in solch einer Hitze gefahren. Du gehst an dein Limit und weißt nicht, was mit deinem Körper passiert“, sagte die niederländische Olympiasiegerin Anna van der Breggen.

Gelitten haben auch die Männer, wie der Deutsche Tony Martin nach dem Sieg mit Etixx im Teamzeitfahren berichtete. „Nach zehn Minuten ist unser Motor heiß gelaufen“, sagte der dreifache Einzel-Weltmeister. Trotzdem sei es wegen der vorgerückten Zeit kühler als erwartet gewesen. Der Österreicher Georg Preidler kämpfte sich mit dem Giant-Team auf Platz sieben unter 17 teilnehmenden Equipen.

Streckenplan der Rad-WM

Grafik: Omniscale/OSM/ORF.at; Quelle: dohacycling2016.com

Verkürzung der Straßenrennen?

Angesichts der großen Hitze will sich die UCI vorbehalten, die Rennen zu verkürzen. Das Herren-Straßenrennen (mit den Österreichern Marco Haller und Bernhard Eisel) am 16. Oktober könnte sogar von 257,5 auf nur noch 106 Kilometer verkürzt und ausschließlich auf der vorgelagerten Insel The Pearl ausgetragen werden.

Dabei hatte die UCI die WM aufgrund der klimatischen Bedingungen in Doha ohnehin schon um einige Wochen später als üblich angesetzt. Im Gegensatz zur Fußball-WM 2022, die ebenfalls in Katar in Szene gehen wird, war eine Verlegung in die Wintermonate aber nicht möglich, da die Radsaison traditionell im Oktober endet.

Links: