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Einseitiges Österreicher-Duell

Dominic Thiem hat bei den Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle am von den Veranstaltern in „THIEMStag“ umgetauften Dienstag eine beeindruckende Vorstellung abgeliefert. Österreichs Nummer eins fegte in der ersten Runde vor 7.500 Zuschauern Österreichs Nummer zwei, Gerald Melzer, nach lediglich 63 Minuten mit 6:0 6:3 vom Platz.

Thiem beendete damit seinen Negativlauf bei Österreichs größtem Tennisturnier. In den vergangenen beiden Jahren war für das Ausnahmetalent jeweils bereits in der Auftaktrunde Endstation. Gegen Melzer lief es dagegen ausgezeichnet: „Ich bin sehr zufrieden, aber es ist immer ein kleiner Wermutstropfen dabei, wenn man gegen einen anderen Österreicher spielt. Ich bin sehr froh, dass ich hier mindestens noch ein Match spielen darf.“

Gerald Melzer and Dominic Thiem

GEPA/Walter Luger

Gerald Melzer (l.) konnte mit Dominic Thiem (r.) nicht mithalten

ÖTV-Asse mit stärkster Saison

Auch wenn Melzer von den bisherigen drei Duellen, allesamt auf Sandplatz, zwei gewonnen hatte und im bisher letzten Vergleich 2015 im München-Viertelfinale siegreich geblieben war, ging der Weltranglistenneunte Thiem als klarer Favorit in die Partie. Die Niederösterreicher trennen in der aktuellen ATP-Rangliste immerhin 65 Plätze. Die ÖTV-Asse triumphierten in dieser Saison jeweils bei vier Turnieren, Melzer allerdings „nur“ auf Challenger-Ebene.

„Wir spielen beide die Saison unseres Lebens“, betonte French-Open-Halbfinalist Thiem, der heuer mit seinen Erfolgen auf der ATP-Tour die Top Ten geknackt hat, vor dem Match. Auch Melzer arbeitete sich durch seine Siege auf der Challenger Tour in der Weltrangliste kontinuierlich nach vorne und erreichte vor Kurzem mit Rang 71 sein Karrierehoch. Derzeit liegt der jüngere Bruder des zweifachen Wien-Gewinners Jürgen Melzer auf dem 74. Platz.

Blitzstart von Thiem

Thiem stimmte sich bereits am Sonntag mit dem Gewinn der „Tie Break Tens“ auf die Erste Bank Open ein. Gegen Melzer startete er gut in das Österreicher-Duell und gewann sein erstes Servicegame mit einem Vorhandwinner zu null. Der Underdog bekam anschließend als Aufschläger sofort Probleme und sah sich nach einem Vorhandfehler mit zwei Breakbällen konfrontiert. Die ATP-Nummer neun nützte gleich die erste Breakchance und stellte anschließend ohne Probleme auf 3:0.

Erste Bank Open: Thiem besiegt Melzer

Dominic Thiem erreicht im Eiltempo die zweite Runde bei den Erste Bank Open in Wien.

Melzer hatte auch danach mit Thiems hohem Tempo von der Grundlinie große Probleme und agierte zudem viel zu fehleranfällig. Der Bresnik-Schützling sicherte sich ohne Mühe und im Eiltempo den ersten Durchgang, nach 21 Minuten war die Satzführung im Trockenen. Die Statistik sprach eine deutliche und für Melzer bittere Sprache: Thiem machte unglaubliche 25 von 33 Punkten, was 76 Prozent entsprach.

Melzer schreibt nach 36 Minuten an

Mit neuem Trikot lief es für den Weltranglisten-74. etwas besser. Der Linkshänder geriet zwar auch in der Anfangsphase des zweiten Satzes unter Druck, schaffte aber nach Abwehr von drei Breakbällen das 1:1. Es war der erste Gamegewinn des Deutsch-Wagramers nach 36 Minuten.

In der Folge blieben beide Österreicher bei ihren Servicegames ungefährdet, ehe es für Melzer im achten Game beim Stand von 3:4 eng wurde. Thiem machte viel Druck beim Return und sicherte sich zu Null das Break. Melzer bäumte sich danach noch einmal auf und erspielte sich seine einzigen beiden Breakbälle im gesamten Spielverlauf, doch Thiem machte mit vier Punkten in Folge den Sack nach 63 Minuten zu.

„Wenn du gegen ihn einen falschen Schlag machst, ist es vorbei. Dominic ist als Top-Ten-Spieler einfach auf einem anderen Level. Ich war komplett chancenlos“, war Melzer nach der Abfuhr recht gefasst. Der 26-Jährige hatte mit dem zügigen Belag in der Stadthalle zu kämpfen: „Auf Sand ist es eine andere Geschichte, da kann ich ihm wehtun. Aber hier hat er mich erdrückt.“

Troicki nächster Thiem-Gegner

Für den als Nummer drei gesetzten Thiem war die Partie nicht so eindeutig, wie es das Ergebnis vermuten lässt. „Ein Duell gegen einen Österreicher ist von Grund auf schwer. Ich habe natürlich einen super Start erwischt, das hat das Ganze sehr erleichtert. Der zweite Satz war aber sehr eng und intensiv“, unterstrich der Mitfavorit der Erste Bank Open.

Nach seinem klaren Auftakterfolg bekommt es Thiem am Donnerstag mit Viktor Troicki zu tun. Der Serbe kämpfte den Südafrikaner Kevin Anderson in 2:18 Stunden mit 4:6 7:6 (7/5) 7:5 nieder. Die Nummer 28 der Welt hat das einzige Duell mit dem ÖTV-Star im Sommer 2014 beim Sandplatzturnier in Gstaad in zwei Sätzen gewonnen.

Rainer Titsch, ORF.at aus der Wiener Stadthalle

2.467.310-Euro-ATP-Turnier in Wien

Erstrundentableau:
Andy Murray (GBR/1) Martin Klizan (SVK) 6:3 6:7 (5/7) 6:0
Gilles Simon (FRA) Guillermo Garcia-Lopez (ESP) 6:4 7:5
John Isner (USA) Jan-Lennard Struff (GER) 6:7 (1/7) 6:3 6:4
Feliciano Lopez (ESP) Lucas Pouille (FRA/7) 6:4 2:6 7:5
Dominic Thiem (AUT/3) Gerald Melzer (AUT) 6:0 6:3
Viktor Troicki (SRB) Kevin Anderson (RSA) 4:6 7:6 (7/5) 7:5
Joao Sousa (POR) Pablo Cuevas (URU) 6:3 3:0 ret.
David Ferrer (ESP/5) Kyle Edmund (GBR) 3:2 ret.
Jo-Wilfried Tsonga (FRA/6) Benjamin Becker (GER) 6:3 6:4
Philipp Kohlschreiber (GER) Stephane Robert (FRA) 4:6 6:3 7:6 (7/3)
Albert Ramos-Vinolas (ESP) Fabio Fognini (ITA) 6:2 6:2
Jürgen Melzer (AUT) Roberto Bautista Agut (ESP/4) 6:3 7:5
Ivo Karlovic (CRO/8) Steve Johnson (USA) 7:6 (7/5) 6:3
Damir Dzumhur (BIH) Nicolas Almagro (ESP) 6:3 5:7 6:0
Karen Chatschanow (RUS) Andreas Seppi (ITA) 6:4 6:4
Nikolos Basilaschwili (GEO) Tomas Berdych (CZE/2) 6:4 6:7 (5/7) 7:5

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