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Nummer eins erst im dritten Satz souverän

Superstar Andy Murray hat am Mittwoch mit viel Mühe das Achtelfinale der Erste Bank Open erreicht. Der top gesetzte Brite schaltete Martin Klizan 6:3 6:7 (5/7) 6:0 aus und bekommt es am Donnerstag mit dem Franzosen Gilles Simon zu tun. Für Murray war es der fünfte Sieg en suite in der Wiener Stadthalle und der elfte ATP-Matchsieg in Serie.

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Klizan hingegen musste wie im Vorjahr gleich zum Auftakt die Segel streichen und kassierte seine fünfte Erstrundenpleite auf der Tour hintereinander. „Ich wollte im zweiten Satz das Match schnell beenden und habe auf den Sieg serviert, dann aber das Tiebreak verloren. Mein Level war bis dahin nicht besonders gut, erst im dritten Satz habe ich besser gespielt“, gab sich Murray selbstkritisch.

Andy Murray (GBR)

GEPA/Walter Luger

Murray drehte vor allem im dritten Satz auf

Murray erwischte einen ziemlich holprigen Start und musste gegen den überraschend variantenreich aufspielenden Klizan im Auftaktgame insgesamt drei Breakchancen abwehren. Ein Ass, ein unerzwungener Eigenfehler von Klizan und eine Hawk-Eye-Entscheidung zu Ungunsten des Slowaken hielten aber Murray im Spiel, wenig später ging er 1:0 in Führung.

Ein Breakball reicht Murray

Die nächsten zwei Games standen im Zeichen der Aufschläger, ehe Klizan bei 2:1 für Murray und Einstand mit einer Kombination Stopp/Lob/Stopp zu viel riskierte. Der Brite erlief den kurzen Ball von Klizan und erspielte sich einen Breakball, den er prompt nutzte, als ein Rückhand-Cross seines Gegners im Netz landete. Murray setzte nach und erhöhte mit eigenem Service auf 4:1.

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Im sechsten Game drohte Klizan erneut Ungemach, doch nach 0/30 gelangen ihm vier Punktegewinne en suite, womit er das Schlimmste verhindern konnte. Als Rückschläger war für den 27-Jährigen aus Bratislava trotz vereinzelter Erfolge allerdings weiterhin nichts zu erben, sodass Murray ohne gröbere Probleme nach 43 Minuten den ersten Satz zum 6:3 ausservierte.

Klizan erneut im Hintertreffen

Für Klizan begann der zweite Durchgang exakt so, wie er nicht hätte beginnen dürfen: Der Weltranglisten-35. musste sofort sein Service abgeben. Murray setzte nach, er baute seine Führung mit eigenem Aufschlag auf 2:0 aus, wobei er aber davon profitierte, dass Klizan gleich dreimal in aussichtsreicher Position den Ball verschlug.

Noch wollte sich Klizan nicht geschlagen geben, der Turniersieger von Rotterdam und Hamburg hielt sein Service und schnupperte bei 1:2 sogar am Rebreak. Nach dem 30/30 ließ Murray aber keinen weiteren Punktegewinn seines Kontrahenten zu und zog auf 3:1 davon. In dieser Tonart ging es weiter bis zum Stand von 4:3 aus Sicht des nun aufschlagenden Murray.

Wechselhafter Spielverlauf

Im achten Game verlor Murray urplötzlich die Konzentration: Drei Eigenfehler des Weltranglistenzweiten in Folge sorgten für einen 0/40-Rückstand. Zwei Breakbälle wehrte er ab, im dritten Versuch schlug Klizan aber zu und schaffte den Ausgleich. Davon beflügelt, stellte der Linkshänder auf 5:4 und besorgte sich somit erstmals in diesem Match eine Führung.

Martin Klizan (SVK)

GEPA/Walter Luger

Klizan machte das Spiel im zweiten Satz noch unerwartet spannend

Nun hieß es auf der Hut sein für Murray, und der 29-Jährige fand rechtzeitig wieder in die Spur, um zum 5:5 auszugleichen. Der Schotte zog das Tempo nochmals an und erarbeitete drei Breakbälle en suite. Die brauchte er aber gar nicht, denn schon beim ersten landete eine Kontracross-Vorhand von Klizan weit im Out. Damit hatte es Murray in der Hand, die Partie auszuservieren.

Klizan dreht Tiebreak

Doch Murray hatte die Rechnung ohne Klizan gemacht, denn der Mann aus Bratislava warf alles in die Waagschale, vergab zunächst noch zwei Gelegenheiten zum Rebreak, ehe er mit einem krachenden Vorhand-Winner auf 6:6 stellte. Der zweite Satz dauerte zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als eine Stunde und erlebte nun im Tiebreak seinen Kulminationspunkt.

Murray stellte relativ rasch klar, dass er wenig Interesse an einem dritten Durchgang hatte. Der Olympiasieger begann mit einem Minibreak, das er bis zum 4/2 behauptete. Doch Klizan ließ nicht nach, mit einer Reihe von spektakulären Punktegewinnen erkämpfte er ein 6/5 und schaffte mit einem Service-Winner nach 1:55 Stunden den Satzausgleich. Murray schimpfte wie ein Rohrspatz.

Murray nicht mehr zu bremsen

In der für ihn typischen Art wandelte der zweifache Wimbledon-Champion den Ärger in Energie um und holte sich in elf Minuten eine komfortable 3:0-Führung, wobei Klizan gerade einmal zwei Pünktchen verbuchte. Damit hatte Murray die Weichen frühzeitig und endgültig auf Sieg gestellt, nachdem er erstmals nach 21 Satzgewinnen bei ATP-Turnieren in Folge wieder einen Durchgang hatte abgeben müssen.

Andy Murray (GBR)

GEPA/Walter Luger

Murray kann sich schon auf seinen nächsten Gegner vorbereiten

Einmal in Fahrt gekommen, war dann der Murray-Express auch nicht mehr zu bremsen. Der Wien-Sieger von 2014 nahm Klizan sicherheitshalber nochmals den Aufschlag ab, brachte sein Service locker durch und ließ die Partie mit dem dritten Break en suite ausklingen. Nach 2:22 Stunden setzte Klizan mit einem Doppelfehler den Schlusspunkt.

Murray fand nach der Partie lobende Worte für seinen Gegner: „Er kann an einem guten Tag mit den Besten mithalten. Aber um in die Top Ten zu kommen, muss er jede Woche und auf jedem Belag auf diesem Niveau spielen.“ Für ihn selbst habe das Erreichen der Weltranglistenspitze heuer keine Priorität: „Ich möchte aber in eine Position kommen, dass ich nächstes Jahr dieses Ziel schaffen kann“, so Murray, der vor seinem nächsten Gegner gewarnt ist: „Simon hat ein kampfbetontes, intelligentes Spiel. Das wird hart.“

Christoph Lüftl, ORF.at, aus der Wiener Stadthalle

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