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Saisonverlauf widerlegt alle Prognosen

14 Runden sind in der tipico-Bundesliga gespielt. Mit dem Tabellenstand zu diesem Zeitpunkt hätte man vor Saisonstart bei entsprechender Wette viel Geld verdienen können. Genauso wie mit den Ergebnissen des vergangenen Wochenendes, als sowohl Tabellenführer Sturm Graz als auch die Red Bull Salzburg, Rapid und Austria überraschende, teils sensationelle Niederlagen hinnehmen mussten.

Nur Underdog Altach nutzte den Umfaller der Grazer, um nach Punkten an der Spitze gleichzuziehen. Die Vorarlberger sorgten mit dem auch in dieser Höhe verdienten 5:1-Kantersieg über die Austria außerdem für einen neuen Höhepunkt im herbstlichen Chaos des österreichischen Fußballoberhauses. Es geht drunter und drüber, die Favoriten suchen vergeblich nach Konstanz und leiden unter der Belastung der englischen Wochen. Den neutralen Beobachter kann es freuen, weil die Liga spannend bleibt. Die Fans der Traditionsclubs stöhnen über das wöchentliche Auf und Ab.

Sturm gerät ins Trudeln

Der Grazer Saisontraumstart unter Trainer Franco Foda und dem neuen Sportdirektor Günther Kreissl ist zuletzt etwas ins Stocken geraten. Vier Pflichtspiele wartet der im Cup in St. Pölten ausgeschiedene Bundesliga-Spitzenreiter nun schon auf einen vollen Erfolg. Ausgerechnet St. Pölten hat Sturm nun mit 2:1 auch die erste Heimniederlage in der laufenden Meisterschaft zugefügt. Der Vorsprung auf Altach ist nach der zweiten Liganiederlage in Serie dahin. Dafür patzten auch Red Bull Salzburg, Rapid und Austria.

Jubel

APA/Erwin Scheriau

St. Pölten verpasste Sturm Graz am Samstag den nächsten Dämpfer

Dennoch gab sich Foda demonstrativ gelassen. „Ich war im Erfolgsjahr (beim Titelgewinn 2011, Anm.) ruhig und bin es auch jetzt“, beteuerte der Deutsche. Beim Gedanken an die Leistung von Referee Christopher Jäger geriet das Blut des 50-Jährigen aber doch in Wallung. „Wir waren nicht gut, aber der Schiedsrichter war extrem schlecht“, schimpfte Foda. Dem Sturm-Coach missfiel vor allem der nicht gegebene Elfmeter nach einem Foul von Martin Grasegger an Deni Alar beim Stand von 0:0.

Foda sparte aber auch nicht mit Kritik an seinen Spielern. „Heute waren ein bis zwei in Normalform, am Anfang der Saison waren es acht oder neun.“ Es fehle im Spiel nach vorne die Leichtigkeit und Passqualität. „Wir sind nur gut, wenn jeder am Limit spielt. Egal gegen wen wir spielen, jeder einzelne Spieler muss fokussiert sein und alles abrufen“, betonte der frühere Verteidiger und ärgerte sich, wie leichtfertig man die frühe Führung herschenkte. Ähnlich wie Foda äußerte sich Kreissl. „Die Leistung war nicht gut genug, um das Momentum zu erzwingen. Einige Tugenden, die uns lange ausgezeichnet haben, waren gegen St. Pölten nicht zu sehen.“

Altach auf Wolke sieben

Sensationell stark und beständig steuert indes der SCR Cashpoint Altach durch das herbstliche Chaos in der Tipico-Bundesliga. Punktegleich mit Leader Sturm lachen die Vorarlberger nach immerhin schon 14 gespielten Runden von der Spitze. Zu Recht schwebte die Mannschaft von Trainer Damir Canadi nach dem fulminanten 5:1 über die Austria auf Wolke sieben. Mit vier Siegen war sie in die Saison gestartet und hatte sich seither immer im Spitzenfeld gehalten. Ein Europacup-Platz erscheint realistisch.

„Als Trainer wünscht man sich so ein Spiel. Die Mannschaft hat eine tolle Balance zwischen Offensive und Defensive gehabt“, lobte Canadi seine Mannschaft zu Recht in den höchsten Tönen. „Ich bin sehr froh über diese drei Punkte. Die wollten wir unbedingt haben, um uns mit dem Spitzenspiel gegen Sturm zu belohnen. Ein großes Pauschallob an die gesamte Mannschaft, die es schafft, die Trainingsleistungen auch im Spiel abzurufen. Das macht mich stolz“, rekapitulierte der Altach-Trainer.

Salzburg nicht meisterlich

Spätestens mit dem überzeugenden 2:0-Auswärtssieg in der Europa League über Nizza hatte man den Eindruck bekommen, dass Oscar Garcia seine umgekrempelte Salzburger Mannschaft endlich gefunden hat. Doch die „Wasserschlacht“ von Mattersburg brachte diese These einmal mehr ins Wanken, auch wenn die Verhältnisse aufgrund des Dauerregens mehr oder weniger irregulär waren. Der Meister kommt im Unternehmen Titelverteidigung einfach nicht in Schwung, natürlich auch aufgrund der vielen Abgänge von Leistungsträgern, die Garcia in den letzten Monaten frustrierten.

Wieder wurde am Wochenende mit dem 1:2 wertvolles Terrain abgegeben, statt den Rückstand auf Sturm zu verkürzen. „Die Bedingungen waren schwierig, um das Spiel zu gestalten. Niemand konnte die zweite Hälfte genießen“, verwies der spanische Coach der Salzburger zu Recht auf die widrigen Platzverhältnisse, die Mattersburg eindeutig entgegenkamen. „Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen, außer dass sie bei Standards nicht vorsichtig genug war“, so Garcia nach dem neuerlichen Rückschlag.

Die Austria plagen Abwehrsorgen

Die Dreifachbelastung der englischen Wochen mit Europa League, Cup und Liga war auch der Austria in Altach deutlich anzumerken. Körperlich, vor allem aber mental erfolgte gegen die beherzt und spielerisch überzeugend auftretenden Vorarlberger der violette Zusammenbruch. Nach vier Bundesliga-Siegen in Serie war es für die in den letzten Wochen in Schwung gekommene Mannschaft von Trainer Thorsten Fink ein gewaltiger Schuss vor den Bug. Gänzlich aus dem Nichts war dieser aber auch nicht gekommen.

Trainer Fink

APA/Dietmar Stiplovsek

Thorsten Fink erlebte in Altach keinen schönen Sonntagnachmittag

Vier Gegentore hatte die Austria schon beim kuriosen 5:4 nach Verlängerung im Cup-Achtelfinale beim Regionalligisten Ebreichsdorf kassiert. Vier Gegentreffer waren es auch beim 2:4 in der Europa League gegen Roma am Donnerstag. Und fünfmal musste Robert Almers Vertreter Osman Hadzikic nun gar am Sonntag gegen Altach den Ball aus dem Netz holen. Dazwischen spielte man immerhin 2:0 gegen Sturm, aber 13 Gegentore in vier Partien offenbaren doch eklatante Abwehrprobleme.

„Man hat heute gesehen, dass wir körperlich und mental nicht imstande waren, dagegenzuhalten“, analysierte Fink das Debakel in Altach. „Viele unserer Pässe habe ich so noch nie gesehen. Das war definitiv das schlechteste Spiel, seit ich bei der Austria bin. Die Enttäuschung ist groß, aber lieber einmal 1:5 verlieren als fünfmal 0:1. Wenn wir in den nächsten Wochen wieder vier Siege in Folge schaffen, dann bin ich auch zufrieden“, sagte Fink.

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