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„Er hat sich das einfach verdient“

Anstatt in den Urlaub zu reisen, fliegt Dominic Thiem diese Woche nach London. Der 23-Jährige darf sich nach seinem tollen Jahr auf großer Bühne bei den ATP World Tour Finals mit den Besten der Besten messen. Ein Umstand, der natürlich auch Coach Günter Bresnik sehr freut. „Dominic hat sich das einfach verdient“, meinte der 55-jährige Langzeittrainer des French-Open-Halbfinalisten.

„Ich finde, viel Arbeit gehört belohnt. Er hat extrem viel gearbeitet und das im gleichen Zeitraum wie alle anderen. Seine Leistung ist für mich heuer besonders hervorzuheben“, sagte Bresnik im Gespräch mit der APA, wobei er die diesjährigen Grand-Slam-Sieger Andy Murray, Novak Djokovic und Stan Wawrinka ausklammerte. „Danach kommt schon er, was die Leistung anbelangt. Die Leistung von Dominic ist für mich die viert- oder fünftbeste auf der Tour.“ Zumal sein Schützling auch sehr viele Streichresultate stehen hat.

Dominic Thiem schlägt eine Vorhand

GEPA/Mario Kneisl

Nach einer grandiosen Saison wartet auf Thiem in London der Höhepunkt

„Die Leistung von dem Kleinen in den letzten zehn Monaten ist so herausragend, dass er es sich einfach verdient.“ Unkenrufer, die vielleicht das Fehlen eines Roger Federer oder eines Rafael Nadal ins Treffen führen, sieht Bresnik gelassen. „Dominic hat Federer zweimal geschlagen, Nadal einmal geschlagen und hat auch genug Probleme gehabt.“ Betrachte man die Anzahl der gespielten Matches, die Relation aus gewonnenen und verlorenen Spielen, die Anzahl der Turniere und das Alter, sei das eine messbare Leistung.

Abschalten beim Fußball in Berlin und München

„Ich freue mich sehr, dass Dominic der ist, der als Erster von den Jungen beim Masters dabei ist. Nächstes Jahr sind das wahrscheinlich zwei oder drei wie ein Pouille, Kyrgios, vielleicht sogar schon ein Zverev“, sagte Bresnik stolz. Dabei hatte es zuletzt nicht so gut ausgesehen für die Masters-Premiere. Zunächst eine schwache Leistung in Paris-Bercy gegen Jack Sock: „Er hat schlecht gespielt, hat sich für mein Dafürhalten auch anders verhalten als sonst. Auch wenn Sock sehr gut gespielt hat.“

Und dann lief es bis Freitag für die Konkurrenten gut. Marin Cilic überholte Thiem, Jo-Wilfried Tsonga (der das Turnier hätte gewinnen müssen) und Tomas Berdych (hätte im Viertelfinale Murray schlagen müssen) kämpften um den achten und letzten Platz. Thiem hat diese Entscheidung nicht Seite an Seite mit seinem Coach im Livestream oder Livescore verfolgt. „Ich habe Dominic nach Deutschland geschickt. Er ist ein Fußballnarr, hat sich Hertha BSC und das München-Match angeschaut. Aber ich bin sicher, dass er auch im Stadion auf den Score (in Paris, Anm.) geschaut hat.“

„Ich erwarte mir, dass er gut spielt“

Thiem und Bresnik werden voraussichtlich am Mittwoch nach London fliegen. Thiem wird schon mit 23 eine Erfahrung machen, die viele Spieler nie erlebt haben. „Das ist wirklich wenigen Leuten vorbehalten. Er ist nicht umsonst als erst zweiter Österreicher dort dabei. Es ist natürlich eine Auszeichnung, etwas Besonderes, beim Masters dabei zu sein“, erklärte Bresnik, der trotz des zuletzt eher schlechten Formverlaufs nicht ohne Erwartungen nach London reist.

„Ich erwarte mir, dass er gut spielt. Ich will, dass er gut spielt. Ich weiß, dass er gut spielen kann. Er hat gegen alle schon einmal gespielt hat, die dort dabei sind“, so der gebürtige Wiener, der auch den Gesamtzustand Thiems für eigentlich sehr gut hält. Die Saison sei auch für andere Spieler sehr lang, allen voran bei Andy Murray. „Der ist wahrscheinlich körperlich am Limit.“ Neu für Thiem ist auch der Umstand, dass bei diesem Turnier eine Niederlage nicht das Aus bedeutet und er fix drei Matches gegen Top-Ten-Spieler bekommt.

Bresnik: „Druckfrei wird er nie sein. Er funktioniert nur unter Druck, so wie alle großen Spieler unter Druck ihre besten Leistungen bringen. Die Vorzeichen sind für alle gleich, alle haben eine lange Saison gehabt. Er fährt nicht hin, dass er dort einen Kasperl runterreißt.“ Nach der Enttäuschung gegen Sock hat sich Thiem laut Bresnik all seine US-Open-Matches angeschaut. „Er hat alle Partien zerpflückt, und ich habe ihm gesagt, dass er abschalten soll und das Tennis ein paar Tage vergessen soll. Da sieht man wie viel ihm an dieser Sache liegt“, stellte Bresnik fest.

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