Themenüberblick

Hasenhüttl bleibt am Boden

Diese Aussage dürfte der Konkurrenz noch mehr Angst und Sorge bereiten als die bisherigen Auftritte von RasenBallsport Leipzig: „Ich glaube, dass wir noch lange nicht so spielen wie eine Spitzenmannschaft“, betonte Trainer Ralph Hasenhüttl. Nicht einmal siebeneinhalb Jahre nach der Gründung des Vereins steht aber fest: RB Leipzig ist punktegleich mit Spitzenreiter Bayern München Tabellenzweiter der deutschen Bundesliga.

Und nach der Länderspielpause reicht am 18. November schon ein Remis bei Bayer Leverkusen, um den rasanten Aufstieg des am 19. Mai 2009 gegründeten Vereins bis an die Spitze der Bundesliga zumindest für knapp einen Tag perfektzumachen. Weil die Bayern am nächsten Tag im Klassiker bei Borussia Dortmund antreten müssen, könnte die Führung sogar die elfte Runde überdauern.

RB Leipzig weiterhin erfolgreich

In der deutschen Bundesliga hat RB Leipzig am Sonntag mit einem 3:1-Erfolg über Mainz mit Tabellenführer Bayern München gleichgezogen.

Keine Kampfansage an die Bayern

Der 3:1-Heimsieg am Sonntag gegen Europa-League-Teilnehmer FSV Mainz 05 war der fünfte Erfolg der Leipziger in Serie, das zehnte Spiel ohne Niederlage in ihrer ersten Bundesliga-Saison. Mit 24 Punkten hat die Red-Bull-Mannschaft genauso viele wie der Serienmeister.

Dass die Bayern den Aufsteiger längst mehr als nur wahrgenommen haben, zeigten die Sticheleien des künftigen Präsidenten-Rückkehrers Uli Hoeneß in der Vorwoche. „Ich glaube, dass den Bayern über die gesamte Saison gesehen gar keiner gefährlich werden wird“, meinte Leipzig-Sportdirektor Ralf Rangnick allerdings. „Solange sie ihr Ding weiter durchziehen, wird das nicht passieren. Für uns ist wichtig, dass wir unser Ding weiter durchziehen.“

Leipzig-Trainer Ralph Hasenhüttl und Sportdirektor Ralf Rangnick

APA/AP/Jens Meyer

Sportchef Rangnick gelang mit der Verpflichtung von Hasenhüttl ein Glücksgriff

2010 feierte Leipzig als Oberliga-Meister den ersten Aufstieg, 2013 folgte der nächste Schritt als Regionalliga-Meister. Ein Jahr später reichte Platz zwei in der dritten zum Sprung in die zweite Liga. 2016 stieg RB als Zweiter ins Oberhaus auf. „Doch unser Weg ist noch lange nicht zu Ende, denn wir wollen dem Fußball in dieser so sportbegeisterten Stadt auch im Oberhaus den Stellenwert geben, den Leipzig und die Region verdient hat“, heißt es auf der Website.

Von sich selbst überrascht

Die Leipziger Protagonisten sind selbst überrascht. „Es ist auch für uns außergewöhnlich, wie wir die Spiele bestreiten und in den vergangenen Wochen die Punkte sammeln. Das hätte keiner von uns so erwartet“, so Mittelfeldspieler Dominik Kaiser.

„Sicher werden die Ansprüche von jedem Einzelnen und vom Trainerteam an uns größer, weil wir gezeigt haben, dass wir einfach gut spielen können“, sagte Kaiser. „Und wenn wir das Drumherum, was da auf uns sicher auch positiv einprasselt, ein bisschen wegschieben und klar im Kopf bleiben, bin ich mir auch sicher, dass wir in den nächsten Wochen erfolgreich sein werden.“ Über die Zielsetzung werde intern aber nicht neu geredet, betonte er.

Bis zur Winterpause stehen noch sechs Spiele an: in Leverkusen und Freiburg, zu Hause gegen Schalke, auswärts gegen Hasenhüttls Ex-Club Ingolstadt, daheim gegen Hertha BSC und schließlich drei Tage vor Weihnachten beim FC Bayern in München. Von den bisherigen zehn Gegnern konnte sich noch keiner auf die Hochdruckspielweise des Debütanten einstellen. Zu flexibel stellt Hasenhüttl seinen Kader ein und die Startelf auf. Als zu stark erwiesen sich für die Konkurrenz oft auch die eingewechselten Spieler. „Wir haben gezeigt, dass wir viele Facetten in unserem Spiel haben“, so Kaiser.

Maßstäbe verschoben

Und die Leipziger sind bei ihrem Lernprozess offensichtlich noch lange nicht am Ende. Ein Aufsteiger und Neuling, der die Maßstäbe verschiebt. Hasenhüttl will für alles mit seiner Mannschaft Lösungen finden. „Wir sind natürlich sehr kritisch. Wir sind sehr auf optimales Lösen aller Probleme bedacht. Es funktioniert aber nicht immer“, sagte er nach dem Mainz-Spiel mit dem späten Gegentor.

Dass er gegen Mainz nach einer enorm starken ersten Hälfte am Ende nicht beruhigt auf der Bank das Geschehen verfolgen konnte, wurmte den 49-jährigen Österreicher auf der Suche nach Perfektionismus dann auch ein wenig. Man hätte erst sicher sein können, „wenn wir das vierte oder fünfte Tor hinterherlegen“. Auch diese Worte dürften den Konkurrenten weitere Warnung sein.

Deutsche Bundesliga

Zehnte Runde

Freitag, 4. November:
Hertha BSC Mönchengladbach 3:0
Samstag, 5. November:
Bayern München Hoffenheim 1:1
Hamburger SV Dortmund 2:5
Leverkusen Darmstadt 3:2
Freiburg Wolfsburg 0:3
Ingolstadt Augsburg 0:2
Frankfurt Köln 1:0
Sonntag, 6. November:
Leipzig Mainz 3:1
Schalke Bremen 3:1

Tabelle

Links: