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Ein Abend zum Vergessen

Ein völlig missglückter WM-Qualifikationsabend hat der österreichischen Nationalmannschaft am Samstag im ausverkauften Ernst-Happel-Stadion ein 0:1 gegen Irland eingebracht. Vor 48.500 Fans schoss James McClean die ÖFB-Auswahl in der 48. Minute buchstäblich k. o., weil die Österreicher gegen die defensivstarken Iren über weite Strecken viel zu ideenlos und ineffektiv agiert hatten.

In der Gruppe D sieht es für die Mannschaft von ÖFB-Headcoach Marcel Koller nun alles andere als gut aus. Mit nur vier Punkten aus vier Spielen liegt Österreich auf Rang vier - bereits sechs Zähler hinter dem EM-Achtelfinalisten und aktuellen Spitzenreiter der Gruppe Irland. Der Vorsprung der Iren auf den ersten Verfolger Serbien beträgt zwei Punkte. Wales liegt nach dem Heimremis gegen die Serben weitere zwei Zähler dahinter auf Platz drei.

48.: McClean schießt das 1:0 für Irland

Nach einem sehenswerten Konter bringt McClean die Iren in Führung.

Überfallsartiger Beginn ohne Zählbares

Dabei hatte sich zu Beginn des Abends die kollektive Gänsehaut nach den Hymnen noch gar nicht gelegt gehabt, als Österreich einen überfallsartigen Start hinlegte. Gleich mehrere Male pfiffen die Gastgeber in den Anfangsminuten über die Seiten in den irischen Strafraum. Vor allem Marko Arnautovic wirbelte den Gegner links ordentlich auf. Alessandro Schöpf kam bei seinem ÖFB-Startelfdebüt überraschend über die rechte Seite, weil Marcel Sabitzer die Position des verletzten Zlatko Junuzovic in der Mitte einnahm.

David Alaba war an der Seite von Kapitän Julian Baumgartlinger im defensiven Mittelfeld gleich Herr der Lage. Der Bayern-Star kurbelte die Angriffe an und hatte in der dynamisch geführten Anfangsviertelstunde gleich drei Eckbälle zu treten. Einer führte auch prompt zu einer guten Chance für Spitze Marc Janko (8.), der Irland-Keeper Darren Randolph mit einem Schuss aus der Drehung erstmals prüfte. Fast 20 Minuten dauerte es, ehe die Gäste halbwegs in der Partie waren. Da war bereits ein Janko-Kopfball (17.) nach Sabitzer-Flanke von Randolph entschärft worden.

Latte rettet für defensiv kompakte Iren

ÖFB-Goalie Ramazan Özcan bekam nichts zu halten. Ein abgefälschter Schuss von James McClean (13.) ging vorbei, ein Kopfball von Shane Duffy (31.) verfehlte das Tor ebenfalls deutlich. Das Problem für die Österreicher war, dass sie sich in der massiven irischen Abwehr nun zunehmend festgelaufen hatten. Je länger die erste Hälfte dauerte, desto kompakter standen die „Boys in Green“ und desto weniger fiel der ÖFB-Elf ein, um den Riegel zu knacken.

39. Minute: Sabitzer trifft die Querlatte

Sabitzer trifft nach der schönsten Kombination der Österreicher die Latte.

Schöpf (37.) probierte es mit einem Weitschuss, den Randolph problemlos parierte. Zwei Minuten später wäre der irische Schlussmann allerdings geschlagen gewesen, als ihn Sabitzer (39.) gefühlvoll überhob und der Ball von der Latte zurücksprang. Arnautovic hatte einmal mehr als Einfädler geglänzt. Diese Aktion hätte sich allemal den Führungstreffer verdient gehabt. So blieb es beim 0:0 und die Österreicher hatten vor der Pause sogar noch Glück, als Jon Walters (44.) am Fünfer in einen Stanglpass rutschte und der Ball nur hauchdünn über die Latte strich.

Irischer Blitzstart nach der Pause

Das Glück des Tüchtigen hatte das ÖFB-Team damit aber aufgebraucht. Denn die zweite Hälfte begann für die personell unverändert aus der Pause gekommenen Hausherren denkbar schlecht. Der von Koller wieder als linker Außenverteidiger aufgebotene Kevin Wimmer verlor vorne den Ball an David Meyler. Anstatt zurückzulaufen, reklamierte Wimmer Foul. Meyler eröffnete unbedrängt den Konter, spielte in die Mitte auf Wes Hoolahan. Der setzte mit einer Steilvorlage den links mitgesprinteten McClean in Szene und dieser bezwang Özcan mit einem Flachschuss zwischen den Beinen des Keepers hindurch zum 1:0 (48.).

Spielszene von Österreich - Irland

ORF.at/Dominique Hammer

Vom Gegentor erholten sich die Österreicher bis zum Schluss nicht mehr

Der Schock saß tief - auf den Tribünen und auf dem Rasen. Und er hatte sich noch nicht gelegt, als die Iren ein zweites Mal jubelten. Zum Glück hatten die russischen Unparteiischen beim Kopfballtreffer von Walters (51.) zu Recht auf Abseits entschieden. An der Sicherheit und Selbstverständlichkeit, mit der das irische Team zweikampfstark zu Werke ging, änderte der Spielstand freilich herzlich wenig. Souverän spielte das Team von Cheftrainer Martin O’Neill exakt, was es richtig gut kann. Und das sollte gegen Österreich an diesem Tag reichen.

Finish mit viel Kampf und Krampf

Zu einfallslos und mutlos agierte Kollers Mannschaft. Als der Schweizer den auf der rechten Seite völlig wirkungslos gebliebenen Schöpf durch Louis Schaub ersetzte, wurde es auch nicht besser. Wenn Österreich gefährlich wurde, dann durch Standardsituationen oder Weitschüsse. Alaba (61./Freistoß und 65./Weitschuss) verfehlte das Tor mit seiner herausragenden Schusstechnik jeweils nur knapp. Ansonsten kam von der ÖFB-Auswahl viel zu wenig, um den EM-Achtelfinalisten ernsthaft in Bedrängnis zu bringen.

Für die Schlussviertelstunde warf Koller dann noch Martin Harnik in die Schlacht - für Sabitzer, der zumindest in der ersten Hälfte überzeugen hatte können. Das Finish war eingeläutet, heiß wurde es aus Sicht der österreichischen Fans leider nicht mehr. Hochkarätige Ausgleichschancen blieben aus, Kampf und Krampf regierten bis zum Schluss. Es war ein herber Rückschlag, den Koller mit seiner Mannschaft hinnehmen musste - in vielerlei Hinsicht. Bezeichnend, das Janko in der 94. Minute einen Kopfball aus nicht einmal fünf Meter Entfernung danebensetzte und damit die letzte und gleichzeitig größte Chance vergab.

Harald Hofstetter, ORF.at

WM-Qualifikation, Gruppe D, vierter Spieltag

Samstag:

Österreich - Irland 0:1 (0:0)

Wien, Ernst-Happel-Stadion, 48.500 Zuschauer, SR Karasew (RUS)

Tor: McClean (48.)

Österreich: Özcan - Klein, Dragovic, Hinteregger, Wimmer (78./Ilsanker) - Baumgartlinger, Alaba - Schöpf (57./Schaub), Sabitzer (73./Harnik), Arnautovic - Janko

Irland: Randolph - Coleman, Duffy, Clark, Brady - Hendrick, Whelan (24./Meyler), Arter - Hoolahan (78./McGoldrick), McClean (85./McGeady) - Walters

Gelbe Karten: Dragovic, Baumgartlinger bzw. Duffy, Brady

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