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„Das ist nicht leicht zu erklären“

Der kontinuierliche Leistungsabfall des österreichischen Nationalteams seit einem Jahr, als man der Schweiz in einem Testspiel zu Hause unterlag, hat am Samstag seine Fortsetzung erfahren. Was bereits im Vorfeld der EM und dann vor allem in Frankreich nicht klappte, was der ÖFB-Auswahl auch schon beim Start in die WM-Qualifikation gegen Wales und in Serbien Punkte kostete, das trat auch beim 0:1 gegen Irland zutage.

Vor 48.500 Zuschauern im Ernst-Happel-Stadion hatten die Österreicher zu Beginn 15 bis 20 starke Minuten. Danach gelang im Offensivspiel gegen defensiv robuste und konsequente Iren nicht mehr viel. Die wenigen gut herausgespielten Torchancen wurden allesamt vergeben, teils fahrlässig. Das entscheidende Gegentor resultierte aus einem unnötigen Ballverlust und schweren Stellungsfehlern. In Rückstand fehlte der Mannschaft von Marcel Koller die nötige taktische Flexibilität und die oft zitierte Selbstverständlichkeit, mit der man in der EM-Qualifikation von Erfolg zu Erfolg geeilt war. Kurz gesagt: Es ist der Wurm drin.

„Leider gibt es schon Parallelen“

Nach dem Schlusspfiff, der im Rennen um ein WM-Ticket einen enormen Dämpfer besiegelte, schwankten die ÖFB-Spieler zwischen Selbstkritik, auch etwas Selbstmitleid, einer gewissen „Jetzt erst recht“-Mentalität und einer Portion Trotz. „Irgendwie geraten wir momentan einfach immer in Rückstand“, meinte etwa Kapitän Julian Baumgartlinger. „Ich finde nicht, dass wir die Niederlage verdient haben“, fügte der Leverkusen-Legionär hinzu. „Das Gegentor nach der Pause war ein echter Genickschlag. Leider gibt es schon Parallelen zu anderen Spielen in diesem Jahr.“

Österreich verliert gegen Irland mit 0:1

Bitterer Abend im Prater: Teamchef Koller sieht nach dem 0:1 gegen Irland trotzdem noch die Chance, sich für die WM zu qualifizieren.

„Es schmerzt, wenn man sich den Arsch aufreißt und nicht dafür belohnt wird“, befand Baumgartlinger. „Aber es dauert eben, bis man wieder Automatismen herstellen kann“, sagte der Mittelfeldmann in Bezug auf Umstellungen wie etwa die Neubesetzung der linken Außenverteidigerposition nach dem Teamrücktritt von Christian Fuchs. An Tottenham-Legionär Kevin Wimmer, den Koller abermals links hinten spielen ließ und der das Gegentor mit einem schweren Patzer in der Vorwärtsbewegung einleitete, wollten die Kollegen allerdings keinerlei Kritik aufkommen lassen.

Ärger über Kritik und irische Spielweise

„Das wäre extrem unfair“, betonte Baumgartlinger. Und Abwehrchef Aleksandar Dragovic wurde in der Mixed Zone sogar einigermaßen ungehalten, als er auf Wimmers schlimmen Fauxpas angesprochen wurde. Goalie Ramazan Özcan, der den Ball beim Gegentor aus relativ spitzem Winkel durch seine Beine hindurch passieren ließ, hatte wiederum das Gefühl, „dass wir heute noch zwei Stunden spielen hätten können, und die Murmel wäre vorne nie reingegangen“. Das Tor der Iren („Er trifft den Ball aus kurzer Distanz voll“) würde eben den verkorksten Tag widerspiegeln.

Schonungslos offen wie immer ließ Marko Arnautovic seinen Gefühlen ihren Lauf. „Die Iren haben nicht Fußball gespielt, nur lang und hoch und kämpfen und schlagen. Die haben gar nix gemacht. Für mich ist das kein Fußball“, ärgerte sich der Stoke-Legionär über die destruktive, aber taktisch natürlich goldrichtige Spielweise der Iren. „Dann ein Konter, zwei Pässe, und es hat geklingelt“, sagte Arnautovic und brachte es auf den Punkt. „Aber wir hatten auch unsere Chancen. So ist Fußball. Wir haben alles probiert, aber den letzten Pass, die Lösung haben wir nicht gefunden“, ergänzte er treffend.

Lange Heimserie endet unrühmlich

„Das war ein bitterer Tag für uns“, resümierte Dragovic. „Wir stehen nicht da, wo wir hinwollten“, sagte der Leverkusen-Innenverteidiger zur problematischen Lage in der WM-Qualifikationsgruppe D. „Abgerechnet wird trotzdem erst am Ende. Wunder gibt es immer wieder im Fußball. Wenn wir weiter alles geben, wird das Glück auch wiederkommen“, sagte er und übte sich zum Schluss noch in Zweckoptimismus. „In der EM-Qualifikation hatten wir das eine oder andere Mal das Quäntchen Glück, das uns momentan fehlt“, so Dragovic über die Gründe der Krise.

Aleksandar Dragovic

ORF.at/Dominique Hammer

Dragovic und Co. hatten mit den körperlich robusten Iren ihre liebe Not

Die erste Pflichtspielheimniederlage der Österreicher seit September 2012 (gegen Deutschland) und zehn Bewerbspartien in Serie machte auch David Alaba nachdenklich. „Das ist nicht leicht zu erklären“, sagte der Bayern-Star zum eklatanten Unterschied zwischen dem Abschneiden in der EM- und nun in der WM-Qualifikation. „Wir gehen nicht konsequent mit unseren Chancen um und bekommen teilweise blöde Tore“, analysierte Alaba treffend. „In der EM-Quali hätten wir die Chancen wahrscheinlich verwertet, die wir heute liegen gelassen haben.“

Harald Hofstetter, ORF.at

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