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Rosberg nur noch zwölf Punkte vorne

Lewis Hamilton hat beim chaotischen Grand Prix von Brasilien den vorzeitigen WM-Triumph seines Stallrivalen Nico Rosberg verhindert. Der Brite gewann am Sonntag das bei strömendem Regen zweimal abgebrochene Rennen in Sao Paulo vor seinem deutschen Kontrahenten. Dritter bei dem turbulenten vorletzten Saisonlauf wurde Red-Bull-Pilot Max Verstappen aus den Niederlanden.

In der WM-Wertung verkürzte Hamilton mit dem 52. Sieg seiner Karriere und dem dritten in Folge den Rückstand auf zwölf Punkte. Rosberg hat aber nach wie vor die besseren Karten für seinen ersten Titel in der Hand. Dem Deutschen genügt beim Saisonfinale in Abu Dhabi am 27. November ein dritter Platz, sollte Hamilton auch das letzte Rennen des Jahres für sich entscheiden. Mit seinem Erfolg in Brasilien überholte der Brite den Franzosen Alain Prost (51 Siege) und ist damit in der ewigen Bestenliste Nummer zwei hinter Michael Schumacher (91).

„Ein einfaches Rennen für mich“

„Ich bin auf der Jagd, das mache ich schon die ganze Zeit. Ich werde alles versuchen, aber jetzt will ich einmal diesen Moment hier genießen“, sagte Hamilton nach seinem ersten Brasilien-Triumph. Im Gegensatz zu vielen anderen habe er trotz schwierigster Bedingungen keine Schwierigkeiten gehabt. „Ich hatte eine ruhige Zeit vorne. Es war ein einfaches Rennen für mich. Es war interessant zu hören, wie viele hinter mir Probleme hatten.“

Lewis Hamilton spritzt Nico Rosberg Champagner ins Gesicht

APA/AP/Andre Penner

Rauschende Party: Hamilton (l.) brachte den Sieg sicher ins Trockene

Für Rosberg war der Grand Prix im Autodromo Jose Carlos Pace hingegen ein echtes Zitterspiel. Während Hamilton jederzeit Herr der Lage zu sein schien und trotz aller Widrigkeiten seinen dritten Sieg in Serie feierte, rettete sein Stallrivale nur mit Glück Platz zwei ins Ziel. Verstappen hatte Rosberg zwischendurch schon überholt, doch die letzte Safety-Car-Phase verhalf dem WM-Führenden doch noch zu 18 Punkten.

„Ich hätte hier lieber gewonnen, aber Lewis hat einen super Job gemacht, und die Bedingungen waren schwierig. Lewis war ein bisschen stärker heute. Ich kann mit dem zweiten Platz leben“, sagte Rosberg. Der aggressiv, aber auch brillant fahrende Verstappen sicherte sich mit tollen Manövern auf den Schlussrunden noch Rang drei. „Es war ein unglaubliches Rennen. Ich habe kaum etwas gesehen hinter den anderen Fahrern“, betonte der niederländische Youngster.

Start mit Verspätung

Das Wetter wurde schon vor dem Start zum unberechenbaren Hauptdarsteller. Strömender Regen verwandelte die Strecke in Sao Paulo in einen überdimensionalen Swimmingpool. Das Rennen wurde zuerst mit zehn Minuten Verspätung und dann auch noch hinter dem Safety Car gestartet. Bereits auf dem Weg zur Startaufstellung war Sauber-Pilot Romain Grosjean von der Strecke gerutscht.

Formel-1-Autos in der Pitlane hinter dem Safety Car

APA/AFP/Paulo Whitaker

Das Safety Car musste diesmal mehr Runden als üblich absolvieren

Nach sieben Runden wurde das Rennen schließlich freigegeben, nur um sechs Runden später wieder neutralisiert zu werden. Der Schwede Marcus Ericsson drehte sich - bereits auf Intermediate-Reifen - auf der Zielgeraden, krachte in die Begrenzungsmauer und kam schließlich ausgerechnet in der Boxeneinfahrt zum Stehen. Verstappen, der zum Reifenwechsel unterwegs war, konnte dem demolierten Sauber gerade noch ausweichen. Schon zuvor hatte sich Sebastian Vettel gedreht.

Zweimalige Unterbrechung

Das Rennen wurde wieder für fünf Runden neutralisiert, doch unmittelbar nachdem das Safety Car in die Box fuhr, krachte es erneut. Räikkönen kam in seinem 250. Grand Prix auf der Start-Ziel-Geraden ins Schleudern und kollidierte ebenfalls mit der Streckenmauer. Die nachfolgenden Fahrer konnten gerade noch ausweichen. Das Rennen wurde daraufhin nach 20 Runden abgebrochen und erst nach 35-minütiger Pause wieder gestartet.

Kimi Räikkönens Ferrari wird per Kran von der Strecke gehoben

APA/AFP/ Miguel Schincariol

Räikkönens Bolide war nur einer von vielen, die in die Mauer krachten

Aber auch der nächste Versuch dauerte nur acht Runden und die hinter dem Safety Car. Trotz neutralisierten Tempos gab es erneut einen Unfall. Jolyon Palmer im Renault übersah den Boliden von Daniil Kwjat und kollidierte mit dem Toro Rosso des Russen. Während Kwjat weiterfahren konnte, war das Rennen für den Briten vorbei. Nach neuerlich 20 Minuten Pause wurde das Rennen noch einmal gestartet, musste aber später nach einem Unfall von Felipe Massa erneut neutralisiert werden. Für den Brasilianer endete sein letzter Heim-Grand-Prix damit ohne Erfolgserlebnis.

Sauber schreibt erstmals an

Feiern durfte hingegen Sauber. Felipe Nasr belegte vor Heimpublikum Platz neun und bescherte seiner Equipe nach 22 erfolglosen Anläufen zwei Punkte, dank derer der Schweizer Rennstall in der WM-Wertung auf Kosten von Manor auf den zehnten Platz vorstieß. Die zwei Zähler sind rund 18,65 Millionen Euro wert. Es war das erste zählbare Ergebnis für den Rennstall der österreichischen Teamchefin Monisha Kaltenborn seit Ende Oktober vergangenen Jahres, als ebenfalls Nasr im Grand Prix der USA in Austin Neunter geworden war.

Grand Prix von Brasilien in Sao Paulo

Endstand nach 71 Runden (305,909 km):
1. Lewis Hamilton GBR Mercedes 3:01:01,335
2. Nico Rosberg GER Mercedes + 11,455
3. Max Verstappen NED Red Bull 21,481
4. Sergio Perez MEX Force India 25,346
5. Sebastian Vettel GER Ferrari 26,334
6. Carlos Sainz ESP Toro Rosso 29,160
7. Nico Hülkenberg GER Force India 29,827
8. Daniel Ricciardo AUS Red Bull 30,486
9. Felipe Nasr BRA Sauber 42,620
10. Fernando Alonso ESP McLaren 44,432
11. Valtteri Bottas FIN Williams 45,292
12. Esteban Ocon FRA Manor 45,809
13. Daniil Kwjat RUS Toro Rosso 51,192
14. Kevin Magnussen DEN Renault 51,555
15. Pascal Wehrlein GER Manor 1:00,498
16. Jenson Button GBR McLaren 1:21,994

Out: Kimi Räikkönen (FIN/Ferrari), Esteban Gutierrez (MEX/Haas), Felipe Massa (BRA/Williams), Jolyon Palmer (GBR/Renault), Marcus Ericsson (SWE/Sauber), Romain Grosjean (FRA/Haas)

Schnellste Runde: Verstappen 1:25,305 (67.)

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