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„Es herrscht Aufbruchsstimmung“

Es gibt sie noch, die Märchen im Fußball - auch im modernen. Die Würzburger Kickers sind das beste Beispiel dafür. In der Saison 2011/12 spielte der im Jahr 1907 gegründete Verein noch in der Landesliga Nord - der sechsthöchsten Spielklasse in Deutschland. Seither gelang mit vier Aufstiegen in fünf Jahren der Durchmarsch in die zweite Bundesliga, wo man nach einem 2:2 am Freitag beim 1. FC Nürnberg vorerst auf dem fünften Platz liegt.

Nach 38 Jahren in den Niederungen des Amateurfußballs in Bayern sind die „Rothosen“, wie die Würzburger aufgrund der Vereinsfarben Weiß-Rot genannt werden, zurück in der zweiten Liga. Die nach dem Hauptsponsor benannte Flyeralarm-Arena, die rund 13.000 Plätze hat, ist fast immer voll. Die Welle der Euphorie hat die Fußballfans in der unterfränkischen Bezirkshauptstadt mit rund 125.000 Einwohnern mitgerissen. Wirtschaftlich und sportlich seriöse Arbeit brachte Würzburg in fünf Jahren fast ganz nach oben.

Spieler der Würzburg Kickers

Würzburg Kickers

Jörg Siebenhandl und Kollegen schlagen sich in der zweiten Liga beachtlich

„Es herrscht nach wie vor Aufbruchsstimmung“, berichtet Jörg Siebenhandl im Gespräch mit ORF.at. Der Torhüter wechselte im Juni von der Admira zu den „Kickers“ - zu knapp vor der Saison, um es im Team von Cheftrainer Bernd Hollerbach noch rechtzeitig zur Nummer eins zu bringen. Der frühere HSV-Spieler und gebürtige Würzburger, der für den Höhenflug des Clubs seit 2014 als Trainer, Sportdirektor und Chefscout in Personalunion hauptverantwortlich ist, setzt im Tor vorerst auf Routinier Robert Wulnikowski.

Zwei Einsätze im DFB-Pokal

„Für die Mannschaft ist es bis jetzt super gelaufen. Da verstehe ich den Trainer, dass er keinen Grund zum Wechseln sieht“, sagt Siebenhandl. Durchbeißen hat der 26-Jährige aber schon bei seinen bisherigen Stationen im Profifußball gelernt - in Wiener Neustadt (2009 bis 2014) und bei der Admira (2014 bis 2016). Dazwischen war Siebenhandl ein halbes Jahr ohne Verein. Auch das lehrte den Keeper Gelassenheit und Demut. „Das kann ich gut, auf meine Chance warten“, betont er. „Wenn sie kommt, will ich da sein.“

Zumindest im DFB-Pokal bekam der sechsfache U21-Teamtorhüter Einsätze. In der ersten Runde warfen die „Rothosen“ Braunschweig aus dem Bewerb. In der zweiten Runde schied Würzburg im Duell mit 1860 München im Elferschießen denkbar knapp aus. „Bei den Elfern war ich immer dran“, erinnert sich Siebenhandl an das 5:6 im Penaltykrimi. Das Positive überwiegt dennoch. „Ich habe es aus Österreich hierher geschafft. Das ist nicht vielen vergönnt. Ich gebe nicht auf. Rückschläge gibt es im Fußball immer“, so Siebenhandl, der sich in der Universitätsstadt am Main gut eingelebt hat.

Clubprojekte in Rekordzeit erfüllt

Der Verein selbst stehe für ehrliche, harte Arbeit. „Unser Ziel ist, uns in der zweiten Liga zu etablieren. Das ist uns bis jetzt gut gelungen. Abstiegssorgen plagen uns bis dato keine, das ist schon einmal sehr positiv“, meint der Wiener zur sportlich idealen Ausgangsposition mit nur zwei Punkten Rückstand auf (Relegations-)Platz drei und fünf Zählern Rückstand auf (Aufstiegs-)Rang zwei nach zwölf von 34 Runden. „Das Konzept hier ist gut durchdacht. In der Mannschaft herrscht harter Konkurrenzkampf. Würzburg ist kein Ausbildungsverein. Jeder, der kommt, will auch sofort spielen.“

Kicker-Trainer Bernd Hollerbach und Leipzig-Trainer Ralph Hasenhüttl

GEPA/Roger Petzsche

Bernd Hollerbach (links) führte Würzburg aus der vierten in die zweite Liga

Wie die letzten Jahre wolle Trainer Hollerbach keine Leerläufe in der Entwicklung der Mannschaft und der Spieler sehen, berichtet Siebenhandl. Kein Wunder, haben die Würzburger ihr 2014 aus der Taufe gehobenes Projekt „3 x 3 - In drei Jahren in die Dritte Liga“ doch ebenso erfüllt und übertroffen wie das erst 2016 ausgerufene Projekt „3 x 2 - Würzburg kann mehr“ mit dem Ziel zweite Liga.

„Eins nach dem anderen“

Was die persönliche Karriereplanung betrifft, hat Siebenhandl klare Vorstellungen: „Ein Stammplatz ist das erste Ziel. Dann will ich mit Würzburg in der zweiten Bundesliga eine gute Rolle spielen, wir wollen uns etablieren.“ Und das österreichische Nationalteam? „Da war ich bis jetzt außen vor, also spielt das in meinen Überlegungen momentan keine Rolle.“ Würde Siebenhandl ein persönliches Mehrjahresprojekt ausrufen, hätte es wohl den Titel „Eins nach dem anderen“. Würzburg scheint dafür eine gute Adresse zu sein.

Harald Hofstetter, ORF.at

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