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Zwei Siege in den letzten sechs Spielen

Karl-Heinz Rummenigge stapfte wortlos durch die Katakomben, Carlo Ancelotti schaute noch griesgrämiger als sonst und Philipp Lahm kommentierte den Sturz vom Tabellenthron nach 14 Monaten mit ungewohntem Sarkasmus. „Das ist doch schön für die Liga. Das haben sich doch alle gewünscht“, sagte der Kapitän des FC Bayern München nach dem 0:1 in Dortmund.

Dass ausgerechnet Emporkömmling RB Leipzig mit dem steirischen Trainer Ralph Hasenhüttl und den ÖFB-Teamspielern Marcel Sabitzer und Stefan Ilsanker den Club von David Alaba nach der ersten Saisonniederlage in der elften Runde der deutschen Bundesliga an der Spitze ablöste, hinterließ beim Branchenriesen Spuren. „Klar kann man nicht zufrieden sein, wenn man nicht mehr Tabellenführer ist und Punkte liegen lässt“, sagte Lahm angesichts des Dreipunkterückstandes auf Leipzig.

Von Souveränität keine Spur

Nur zwei Siege in den zurückliegenden sechs Spielen, die erste Bundesliga-Niederlage seit Anfang März - der frühere Dominator und Dauermeister ist im Spätherbst 2016 in die Krise gerutscht. Weltmeister Mats Hummels gestand nach der missratenen Rückkehr nach Dortmund ein, dass die Souveränität etwas verloren gegangen sei. „Es stimmt, dass wir nicht ganz so dominant, nicht ganz so überlegen sind, wie es die Bayern in den vergangenen Jahren waren.“

Mats Hummels (Bayern)

APA/AFP/Patrik Stollarz

Die Rückkehr nach Dortmund verlief für Hummels gar nicht nach Wunsch

Der nach achteinhalb Jahren im BVB-Trikot zum Rekordmeister gewechselte Innenverteidiger mochte die Niederlage in einem „der schwersten Auswärtsspiele in Europa“ aber auch nicht überbewerten. „Es ist nicht gut, aber auch keine Katastrophe oder ein Weltuntergang. Ich bewerte Spiele nicht nur nach dem Ergebnis“, so Hummels, der beim entscheidenden Tor von Pierre-Emerick Aubameyang keine glückliche Figur machte.

Bayern-Krise mit Ansage

Ausgerechnet sein früherer Mitspieler Mario Götze, der sein bestes Spiel seit seiner Rückkehr aus München im Sommer machte, hatte Hummels als Passgeber den Ball zwischen die Beine geschoben. „Das Tor wäre zu verhindern gewesen. Ich war involviert“, gestand Hummels, meinte aber auch: „Es war nicht die Hauptursache für das Gegentor.“ Schon seit Wochen deutet sich an, dass die Bayern selbst national nicht mehr unantastbar sind.

„Der Wille, das Tor unbedingt zu machen, das fehlt uns im Moment ein bisschen. Wir hatten heute die Möglichkeit, gegen eine nicht so starke Dortmunder Mannschaft zu gewinnen“, sagte Goalie Manuel Neuer. Anders als unter Josep Guardiola wirken die Bayern-Aktionen nicht mehr so durchdacht und entschlossen. Dazu kommen Verletzungen und einzelne Formkrisen wie die des erneut schwachen Thomas Müller. Hummels deutete an, dass das Team noch Umstellungsschwierigkeiten auf Ancelottis Philosophie habe.

Manuel Neuer (Bayern) und Pierre-Emerick Aubameyang (Dortmund)

APA/AFP/Patrik Stollarz

Neuer hatte gegen Aubameyang im entscheidenden Moment das Nachsehen

„Wir haben einen anderen Schwerpunkt, spielen eine etwas andere Art. Das ist ja auch okay“, sagte Hummels, der nicht nur den bis auf drei Punkte herangerückten BVB, sondern auch den fulminanten Aufsteiger Leipzig als ernsthaften Titelkonkurrenten sieht. An einen Durchmarsch wie in den vergangenen Jahren glaubt selbst Neuer nicht mehr: „Ich rechne damit, dass wir und Dortmund am Ende um den Titel spielen.“

BVB im Atletico-Madrid-Style

Die drei Punkte hinter den Münchnern liegenden Dortmunder jubelten über den ersten Heimsieg gegen den Rivalen seit vier Jahren. Geschafft wurde das mit einem auf Defensive bedachten Auftreten. „Das war mehr Atletico-Madrid-Style. Aber unsere Taktik ist aufgegangen“, sagte Sportdirektor Michael Zorc. Coach Thomas Tuchel machte aus seiner Freude kein Hehl: „Das war ein Meilenstein, ein echtes Statement.“

Schmunzelnd ergänzte der BVB-Trainer: „Wenn man mit den Bayern in den Ring steigt, dann kann man nicht erwarten, dass man ohne blaue Augen rauskommt. Man muss nur stehenbleiben.“ Clubchef Hans-Joachim Watzke nutzte die Gunst der Stunde zu einer Würdigung von Tuchel. „Er hat das taktisch großartig gemacht heute. Es ist für ihn ein weiterer Stern am Revers.“

Neben Tuchel schlüpfte Aubameyang in die Rolle des Hauptdarstellers. Beim Torjubel verzichtete der Angreifer auf seinen obligatorischen Salto. Stattdessen verblüffte er Zuschauer und Mitspieler mit drei Liegestützen. Nach dem Schlusspfiff löste er das Rätsel: „Ein guter Freund von mir, ein Rapper aus Frankreich, war heute im Stadion. Gradur hat einen Song über Liegestütze gemacht, das war der Grund für den Torjubel.“

Deutsche Bundesliga, elfte Runde

Sonntag:

Hoffenheim - Hamburger SV 2:2 (1:1)

Tore: Wagner (45.+1), Zuber (50.) bzw. Kostic (28.), Müller (61.)

Gregoritsch spielte beim HSV bis zur 80. Minute

Bremen - Frankfurt 1:2 (1:0)

Tore: Grillitsch (38.) bzw. Meier (52.), Barkok (90.)

Junuzovic spielte bei Bremen durch, Grillitsch bis zur 72. Minute

Samstag:

Mönchengladbach - Köln 1:2 (1:0)

Tore: Stindl (32.) bzw. Modeste (59.), Risse (91.)

Augsburg - Hertha BSC 0:0

Hinteregger bei Augsburg bis zur 73. Minute, Teigl ab der 70. Minute

Wolfsburg - Schalke 0:1 (0:0)

Tor: Goretzka (82.)

Schöpf spielte bei Schalke durch

Mainz - Freiburg 4:2 (2:0)

Tore: Bungert (15.), Malli (20./Elfmeter), Bell (92.), Onisiwo (95.) bzw. Grifo (67.), Petersen (85.)

Onisiwo spielte bei Mainz durch

Darmstadt - Ingolstadt 0:1 (0:0)

Tor: Hartmann (68.)

Suttner bei Ingolstadt bis zur 46. Minute, Hinterseer ab der 46. Minute

Dortmund - Bayern München 1:0 (1:0)

Tor: Aubameyang (11.)

Alaba spielte bei Bayern durch

Freitag:

Leverkusen - Leipzig 2:3 (2:1)

Tore: Kampl (1.), Brandt 45.+1 bzw. Baumgartlinger (4./Eigentor), Forsberg (67.), Orban (81.)

Baumgartlinger bei Leverkusen bis zur 82. Minute, Dragovic und Özcan auf der Bank bzw. Ilsanker und Sabitzer spielten bei Leipzig durch

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