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Unerwartet einseitiger Schlager

Keine Spur von Trainereffekt war am Sonntag bei Rapid im Schlager gegen Red Bull Salzburg zu sehen. Im ersten Spiel unter Neo-Trainer Damir Canadi mussten sich die Wiener beim klar besseren Meister mit 1:2 geschlagen geben. Während Salzburg wieder die punktegleiche Austria überholte und auf Rang drei nur noch zwei Zähler hinter dem Spitzenduo Sturm und Altach liegt, verloren die erschreckend schwachen Rapidler weiter an Boden.

Munas Dabbur (8.) und Stefan Lainer (45.+1) brachten die „Bullen“ vor 15.000 Zuschauern in Wals-Siezenheim mit ihren Treffern auf die Siegerstraße. Vor allem in der ersten Hälfte hatten die Salzburger die schwer verunsicherten Hütteldorfer an die Wand gespielt. Danach agierte der Titelverteidiger souverän, um sich im Titelrennen eindrucksvoll zurückzumelden. Das 1:2 (92.) durch Tomi entsprang einem Elfmeter, als das Match längst gelaufen war. Rapid hat nach 15 Ligarunden zehn Punkte Rückstand auf Platz eins.

Veränderungen auf beiden Seiten

Canadi hatte mit einer einigermaßen umgekrempelten Startelf aufgewartet: Joelinton war hängend neben bzw. hinter Giorgi Kvilitaia im Einsatz. Mario Pavelic spielte rechts hinten. Maximilian Hofmann begann in der Innenverteidigung statt Christoph Schösswendter. Daneben gab Mario Sonnleitner den Abwehrchef, wurde von Canadi sogar zum Kapitän gemacht. Der zuletzt angeschlagene Thomas Schrammel kehrte für Maximilian Wöber auf die linke Abwehrseite zurück. Und Ivan Mocinic erhielt nach seiner Sperre im Mittelfeld den Vorzug gegenüber Srdan Grahovac.

Auch bei Salzburg musste oder wollte Coach Oscar Garcia einiges ändern. Duje Caleta-Car ging es hinten anstelle des gesperrten Upamecano an. Im Mittelfeld musste der Spanier auf den erkrankten Marc Rzatkowski verzichten. Auch den Torriecher von Routinier Jonatan Soriano vermisste Garcia. Als Sturmspitzen begannen Dabbur und Fredrik Gulbrandsen. Das taten sie leicht verspätet, denn um exakt 16.30 Uhr hatten die mitgereisten Rapid-Fans die Red Bull Arena in dichten, grünen Rauch getaucht.

Rapid-Fehlstart im grünen Nebel

Die erste Großchance für Salzburg konnten die Zuschauer im Stadion und vor den TV-Geräten daher noch nicht gut sehen. Erst eine Minute war gespielt, als Dabbur alleine vor Richard Strebinger auftauchte und im Rapid-Goalie seinen Meister fand. Zwei, drei weitere leichtsinnige Ballverluste in der eigenen Hälfte brachten den Wienern in den ersten Minuten noch mehr brenzlige Situationen ein. Die „Bullen“ präsentierten sich zudem spritziger und sofort hellwach. Folgerichtig daher der frühe Führungstreffer für den Meister in der achten Minute - und der war sehenswert.

Früher Salzburger Führungstreffer

In der achten Minute spazierte Manus Dabbur durch die inferiore Rapid-Abwehr und erzielte souverän das 1:0.

Nach Pass von Valon Berisha versetzte Dabbur seinen Gegenspieler Sonnleitner an der Strafraumgrenze mit einem schönen Haken. Dann bezwang der Israeli den chancenlosen Strebinger mit einem überlegten Abschluss in die lange Ecke und ließ sich zu Recht für sein zweites Saisontor feiern - das erste seit August. Aus grün-weißer Sicht fand der katastrophale Start in die Ära Canadi damit noch kein Ende. Immer wieder kamen die Salzburger durch unerklärliche Fehler der verunsicherten Gäste zu Strafraumszenen.

Salzburg-Dauerdruck zwingt Canadi zum Handeln

Mehr oder weniger mühelos marschierten die Hausherren durch die Rapid-Defensive. Konrad Laimer (20.) und Andreas Ulmer (22.) nahmen als nächste Strebingers Gehäuse ins Visier. Als Dabbur (26.) die letzte Station einer gefälligen Salzburger Kombination war, rettete Strebinger seine Mannschaft mit einem starken Reflex vor dem zweiten Gegentor. Der Meister spielte Rapid regelrecht schwindlig und musste sich nur vorwerfen lassen, zu diesem frühen Zeitpunkt nicht schon die Vorentscheidung herbeigeführt zu haben.

Nach einer halben Stunde unter Salzburger Dauerdruck, vollgepackt mit Abspiel- und Stellungsfehlern hatte Canadi genug. Joelinton musste raus, für ihn brachte der neue Trainer Grahovac als dringend benötigten Stabilitätsfaktor neben Mocinic. Es wurde wirklich etwas besser, und bis zur 45. Minute ließen die Hütteldorfer auch keine weiteren „Hochkaräter“ der Gastgeber zu. Dann wurde es in und um den Rapid-Strafraum aber wieder „vogelwild“. Zunächst musste Strebinger einmal mehr alleine gegen Dabbur (45.) retten.

Vorentscheidung noch vor der Pause

Wenige Augenblicke später musste der junge Rapid-Keeper dennoch zum zweiten Mal hinter sich greifen. Bei einem Ulmer-Corner von rechts schlief die komplette Abwehr und Außenverteidiger Lainer drückte den Ball per Kopf aus kurzer Distanz zum 2:0 (45.+1) über die Linie. Ohne auch nur einen Torschuss abgegeben zu haben, schlichen die Grün-Weißen in die Kabine. Salzburg dagegen kam mit breiter Brust zurück auf den Rasen. Keine fünf Minuten waren nach Wiederbeginn gespielt, als Berisha mit einem Flachschuss den nicht gerade unterbeschäftigten Strebinger in die kurze Ecke zwang.

Lainer legt zum 2:0 nach

Nach etlichen Großchancen erzielte Salzburg noch vor der Pause das zweite Tor. Nach einem Eckball war Lainer mit dem Kopf zur Stelle.

Nicht nur fand Rapid auch in der Folge keinen Weg in die Partie, auch kam nach einer Stunde noch eine Verletzung von Thomas Murg dazu. Er wurde durch Tomi ersetzt. Salzburg musste nicht mehr machen als notwendig, um den Vorsprung sicher über die Zeit zu schaukeln. Bis zur 75. Minute hatten die enttäuschten Rapid-Fans zu warten, ehe Sonnleitner per Kopf nach einem Schaub-Eckball von rechts doch noch eine gute Chance vorfand und vergab. Ansonsten tat sich kaum noch etwas - zumindest bis zur Nachspielzeit.

Hektische Nachspielzeit

Dann foulte Caleta-Car den eingewechselten Philipp Malicsek (91.) im Strafraum. Den verhängten Elfmeter verwandelte Tomi zum 1:2 (92.). Und so wurde es sogar noch turbulent. Wilde Rudelbildung um Paulo Miranda, Tomi und Sonnleitner resultierte in einer Gelb-Roten Karte für Miranda und Rot gegen den Rapidler. Auch nach Schlusspfiff beruhigten sich die Gemüter nicht. Canadi hatte Mühe, seine neue Mannschaft ohne weitere Rangeleien vom Platz zu bringen. Arbeit hat er in den nächsten Wochen jedenfalls genug.

Harald Hofstetter, ORF.at

Tipico-Bundesliga, 15. Runde

Sonntag:

Salzburg - Rapid 2:1 (2:0)

Wals-Siezenheim, Red-Bull-Arena, 15.082 Zuschauer, SR Harkam

Torfolge:
1:0 Dabbur (8.)
2:0 Lainer (45.+1)
2:1 Tomi (92./Elfmeter)

Salzburg: Walke - Lainer, Miranda, Caleta-Car, Ulmer - Lazaro, Laimer, Samassekou (87./Yabo), V. Berisha - Gulbrandsen (73./Radosevic), Dabbur (96./Wisdom)

Rapid: Strebinger - Pavelic, Sonnleitner, M. Hofmann, Schrammel - Mocinic (67./Malicsek), Szanto - Schaub, Joelinton (33./Grahovac), Murg (64./Tomi) - Kvilitaia

Rote Karte: Sonnleitner (95.)

Gelb-Rote Karte: Miranda (92.)

Gelbe Karten: Lainer, Lazaro bzw. Grahovac, Schrammel, Tomi, Schaub, Hofmann

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