Themenüberblick

Das perfekte Ende einer Saison

Wimbledon-Triumphator, Olympiasieger, ATP-Weltmeister, neue Nummer eins der Welt und das alles in weniger als einem halben Jahr: Andy Murray setzte am Sonntag mit seinem 6:3 6:4-Erfolg über seinen Dauergegner Novak Djokovic bei den ATP-Finals in der Londoner O2-Arena den Schlusspunkt hinter seinen sensationellen Aufstieg zum besten Tennisspieler der Welt.

24 Partien und fünf Turniere in Serie (Peking, Schanghai, Wien, Paris-Bercy, London, Anm.) gewann der Schotte zum Jahresende, seit über zwei Monaten hat der vor Selbstvertrauen strotzende Murray kein Spiel mehr verloren. „Ich habe das niemals erwartet. Die letzten Monate waren die besten meiner Karriere. Diese Partie war der perfekte Weg, die Spielzeit zu beenden“, sagte der 29-Jährige.

Glänzende Perspektiven für 2017

Niedergeschlagen hat sich dieser Höhenflug in der Weltrangliste. Mit den 1.500 Punkten für seinen ersten Sieg bei den ATP-Finals behauptete Murray seine am 7. November übernommene Führung und baute seinen Vorsprung auf Djokovic auf vorerst 905 Zähler aus. Mit einem neuen persönlichen Bestwert von 12.685 Punkten überwintert der Brite relativ komfortabel auf dem Tennisthron. „Eigentlich dachte ich, dass ich erst Anfang nächsten Jahres eine Chance auf Platz eins im Ranking haben würde“, sagte Murray.

Shakehands zwischen Andy Murray und Nowak Djokovic

APA/AFP/Glyn Kirk

Andy Murray und Novak Djokovic dominierten die ATP-Tour im Jahr 2016

Seine Perspektiven für 2017 sind jedenfalls glänzend. Während Murray in der ersten Jahreshälfte nicht viele Punkte zu verlieren hat, muss Djokovic bei den Australian Open, den French Open, in Indian Wells und Miami jeweils den Titel verteidigen. Bis Wimbledon im Juli dürfte der Schotte also kaum zu verdrängen sein. „Es hat mich in den vergangenen Monaten große Anstrengungen gekostet dahinzukommen. Natürlich würde ich dort auch ganz gerne bleiben. Ich weiß, dass das extrem schwierig wird“, so der Brite.

Grand-Slam-Titel sorgen für Motivation

Platz für diesbezügliche Gedanken hatte Murray derzeit aber keinen. Das aufgrund der vielen Spiele äußerst kräftezehrende Saisonende hat beim Schotten Spuren hinterlassen. Bei Murray ist jetzt einmal Ausspannen angesagt. „Ich freue mich, jetzt endlich wieder nach Hause zu kommen. Wieder in meinem eigenen Bett zu schlafen und meine Familie zu sehen“, sagte Murray, der noch vor Weihnachten seine Saisonvorbereitung in Miami starten wird.

Andy Murray

APA/AFP/Adrian Dennis

Gegen das Tennis von Andy Murray war im Herbst kein Kraut gewachsen

Was ihn antreibt, sind Grand-Slam-Turniere. Mit zwei Triumphen in Wimbledon und einem bei den US Open hat Murray noch genügend Potenzial nach oben. „Wenn ich im Dezember zum Training fliege, dann mache ich das mit den Australian Open im Kopf. Für diese Matches musst du Extraarbeit reinstecken, das motiviert mich“, sagte Murray. Mit Melbourne hat er auch mehrere Rechnungen offen. Insgesamt fünfmal stand er beim ersten Major des Jahres im Endspiel, ein Titel fehlt ihm ebenso noch wie auch in Roland Garros.

Murray hofft auf seine besten Jahre

Ob nun seine Zeit, eine „Andy-Murray-Ära“, gekommen ist, wurde er gefragt. „Darüber habe ich nicht nachgedacht. Aber natürlich will ich jetzt in den nächsten Jahren so viel wie möglich erreichen, denn ich werde ja nicht ewig spielen“, sagte Murray, der mit 44 Titeln nun mit Österreichs ehemaliger Nummer eins, Thomas Muster, gleichgezogen hat. Er werde auf diesem Level und mit dieser Anzahl an Matches nicht bis Mitte 30 weitermachen können, glaubt er.

„Ich werde versuchen, die nächsten paar Jahre zu den besten meiner Karriere zu machen“, versprach er. Das Jahr 2016 sei aus allgemeiner Sicht schwierig gewesen, weil mit Roger Federer und Rafael Nadal zwei Superstars große Teile des Jahres versäumt haben. „Sie haben beide viele Fans, nicht nur für das, was sie auf dem Platz erreicht haben, sondern auch weil sie charismatisch und sehr populär sind“, so Murray, der in der Stunde des Triumphs auch an die großen Abwesenden dieses Saisonfinales dachte.

Djokovics Saison war „nicht ideal“

Auch für Djokovic ist vorerst einmal Ruhe angesagt. Der Serbe verspielte in der zweiten Jahreshälfte einen Vorsprung von knapp 8.000 Punkten auf Murray. „Er ist definitiv die Nummer eins der Welt. Er ist der beste Spieler und er verdient es, diesen Titel zu gewinnen“, sagte Djokovic, der in seinem sechsten Masters-Finale erstmals verlor. „Wir sollten Andy diesen Moment ein bisschen genießen lassen und nicht jetzt schon Fragen zur neuen Saison stellen“, forderte der Serbe.

Für Djokovic stand die Saison indes nach dem erstmaligen Gewinn der French Open im Zeichen einiger Rückschläge. Der Negativlauf nahm seinen Anfang mit dem Aus in der dritten Runde in Wimbledon gegen den US-Amerikaner Sam Querrey. „Die letzten fünf, sechs Monate waren nicht ideal, speziell nach dem Gewinn der French Open. Ich hätte ein wenig mehr Zeit gebraucht, das alles zu verarbeiten. Aber diese Zeit hatte ich nicht, ich musste zurück auf den Platz. Dem habe ich Tribut gezollt“, so der Serbe zurückblickend.

Link: