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ÖSV-Stars fehlen verletzt

Die ÖSV-Technikerinnen müssen die WM-Saison stark geschwächt bestreiten: Nach Anna Veith und Eva-Maria Brem verletzte sich kürzlich auch Slalom-Spezialistin Carmen Thalmann. Ohne die Aushängeschilder revidierte deshalb Damen-Coach Jürgen Kriechbaum die Ziele für die kommenden Großereignisse. Mit Podestplätzen ist bis auf Weiteres nicht wirklich zu rechnen.

Denn neben dem Weltcup war es der Plan gewesen, sowohl bei der WM 2017 als auch bei Olympia 2018 in jeder Disziplin vier Starterinnen mit „halbwegs realistischen Medaillenchancen“ ins Rennen zu schicken. „Zumindest für diesen Winter ist das nun aber nicht mehr zu erreichen“, sagte Kriechbaum vor den Technikrennen am Wochenende in den USA. „Wir müssen daher unsere Ziele revidieren. Es wird jetzt noch schwerer, als es ohnehin schon war.“

Große Löcher nach Rücktritten und Ausfällen

Kriechbaum sprach damit einmal mehr die Situation in seiner Technikmannschaft an. Ein Jahr nach Marlies Schild waren im Vorjahr auch Nicole Hosp, Kathrin Zettel und Olympiasiegerin Andrea Fischbacher zurückgetreten.

Jürgen Kriechbaum, Damen-Trainer

GEPA/Harald Steiner

Coach Kriechbaum hofft bei seinem jungen Technikteam auf Überraschungen

Dazu kam der lange Ausfall der zweifachen Weltcup-Gesamtsiegerin Anna Veith, der Zeitpunkt der Rückkehr steht immer noch in den Sternen. Die nunmehrigen Saisonausfälle von Brem und Thalmann reißen auch große Besetzungslücken in die Disziplinen Riesentorlauf und Slalom.

Chance für die Jungen

Die jungen ÖSV-Damen rund um Stephanie Brunner und Katharina Truppe sollen nun mit einer „Jetzt erst recht“-Stimmung zeigen, dass sie an einer solchen Situation sogar wachsen können. Kriechbaum sieht das auch so. „Man bekommt durch Ausfälle die Chance, andere, junge Läuferinnen an den Start zu bringen. Umkehrt wird der Druck größer, wenn man gewisse Ergebniserwartungen nicht erfüllt.“

Der Cheftrainer möchte Letzteres aber eher als Chance begriffen wissen. „Es ist immer die eine oder andere Überraschung drin“, verwies er etwa auf Brunner, die RTL-Vierte von Sölden. Oder auch Katharina Truppe. Die junge Kärntnerin wusste in Levi, wo Thalmann als beste Österreicherin Zehnte geworden war, mit fünftbester Laufzeit zu gefallen.

Insgesamt seien die Erwartungen aber mittlerweile natürlich nicht mehr sehr hoch, betonte Kriechbaum. Der Vorteil sei: „Gibt es keine Stockerlplätze, ist nichts Schlimmes passiert. Sie können also alle ohne Druck ans Werk gehen. Das ist eigentlich eine gute Basis für ein gutes Resultat.“

Ausfälle waren „viel Pech“

Ein Muster für die vielen schweren Verletzungen schon am Saisonbeginn hat Kriechbaum - noch - nicht erkannt. „Ich habe schon viel darüber nachgedacht. Ich tu mir aber schwer, weil jede Verletzung für sich ein eigener Fall war“, relativierte der Trainer.

Brem sei in Österreich vor ihrem doppelten Unterschenkelbruch mit der Skispitze in ein Tor gefahren, Thalmann kürzlich in Copper Mountain mit dem Skiende zunächst weggerutscht, ehe der Ski wieder gegriffen habe. „Dabei dürfte die Verletzung passiert sein und nicht danach beim Sturz“, glaubt Kriechbaum. „Es schaut also so aus, als ob im Moment auch viel Pech dabei ist.“

Auch die zunehmend schneearmen Winter mit den vielen Kunstschneepisten traut sich der ÖSV-Betreuer nicht als auslösendes Element hinzustellen. „Es war weder da noch dort eine so aggressive Piste, dass man mit Verletzungen rechnen musste.“

„Stimmung ist okay“

Speziell aufbauen müsse er seine Mädchen nach dem großen Verletzungspech aber nicht, betonte der Österreicher. „Die Stimmung ist okay, auch wenn mit Carmen jetzt eine wichtige Bezugsperson fehlt. Das ist sicherlich nicht gut.“

Umkehrt wüssten die Jungen gut, wie man damit umgehe. „So hart es klingt. Aber die Verletzung ist gleich im ersten Trainingslauf passiert. Alle haben trotzdem normal weiter trainiert und waren konzentriert bei der Sache.“ Deshalb sei das Training in Copper Mountain insgesamt auch gut gewesen, sagte Kriechbaum, nachdem die Mannschaft am Mittwoch aus Colorado nach Vermont an die US-Ostküste zu den Rennen in Killington geflogen war.

Mehrere Podestkandidatinnen in Speed-Rennen

Österreichs Speed-Damen haben schon am Montag von den USA nach Kanada gewechselt, wo sie sich in Nakiska auf die drei Speed-Rennen nächste Woche in Lake Louise vorbereiten. Dort hat Kriechbaum gleich mehrere Podestkandidatinnen am Start. Auch die jungen Cornelia Hütter und Mirjam Puchner, die im Vorwinter erstmals zugeschlagen haben.

„In Kanada ist es im Vorjahr mit einigen Stockerlplätzen schon ganz gut gelaufen für uns, da ist sicher wieder was drin“, blickt Kriechbaum den ersten Speed-Bewerben des WM-Winters gespannt entgegen.

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