Themenüberblick

„Weiß nicht, was wir verbrochen haben“

Viele Chancen, aber nur ein Tor: Red Bull Salzburg hat nur aufgrund mangelnder Effizienz vorzeitig die Aufstiegshoffnungen in der Europa League begraben müssen. Das 1:1 beim FK Krasnodar am Donnerstag im fünften Spiel der Gruppenphase war bitter. Den über weite Strecken schwachen Russen dagegen reichte es, um neben Schalke das Sechzehntelfinal-Ticket zu lösen.

Die Partie wies klare Parallelen zu Salzburgs 2:1 gegen Rapid am Sonntag auf. Die „Bullen“ starteten stark, waren vor der Pause aggressiv und tonangebend, konnten die Überlegenheit aber nur in das 1:0 von Munas Dabbur (37.), der im zweiten Pflichtspiel in Folge traf, ummünzen. Vor allem Fredrik Gulbrandsen (7.) und Valon Berisha (22./Latte) klebte im Abschluss das Pech am Schuh. „Wir haben hervorragend gespielt, nur die Tore haben gefehlt. Wir hätten in der ersten Hälfte fünf Tore machen und das Spiel damit entscheiden müssen“, ärgerte sich Offensivspieler Valentino Lazaro.

Historische Aufholjagd verpasst

Dessen war sich auch Oscar Garcia bewusst. „Das Einzige, was uns gefehlt hat, war, eine der sechs klaren Chancen, die wir hatten, zu verwerten“, analysierte der Salzburg-Coach. Trotz des Ausscheidens überwog bei ihm das Positive. „Wir waren 90 Minuten die bessere Mannschaft - gegen einen Gegner mit hohem Budget. Wir können stolz darauf sein, wie wir gespielt haben“, sagte der Spanier. Das unterstrich Wirtschaftsgeschäftsführer Jochen Sauer: „In der ersten Hälfte hat die Mannschaft ein Sensationsspiel gemacht.“

Fredrik Gulbrandsen (Salzburg) und Stanislav Kritsyuk (Krasnodar)

GEPA/Mathias Mandl

Immer wieder scheiterte Salzburg an sich selbst oder am Tormann

Da die Chance auf eine historische Wende in der Gruppenphase - noch nie in der achtjährigen Bewerbsgeschichte hatte ein Team nach drei Niederlagen zu Beginn noch den Aufstieg geschafft - leichtfertig verspielt wurde, war die Stimmung dementsprechend. „Die Enttäuschung ist bei uns allen groß. In dieser Europa-League-Saison ist das Glück nicht auf unserer Seite“, sagte Sauer und trauerte den vergebenen Möglichkeiten nach. Schon bei den 0:1-Niederlagen gegen Krasnodar und Nizza zu Hause wäre mehr möglich gewesen.

Keine Frage des Geldes

Diesmal kassierte man in der 85. Minute ein äußerst unglückliches Gegentor. „Es ist bitter, alle sind enttäuscht, aber so ist Fußball“, sagte Stürmer Dabbur. Eine abgerissene Flanke senkte sich über Tormann Alexander Walke und prallte von der Stange zurück ins Feld, wo Fjodor Smolow zur Freude der 19.150 Fans aus zwei Metern zur Stelle war. „Ich weiß nicht, was wir verbrochen haben, dass wir so ein Tor kriegen. Er wollte alles machen, aber nicht so. Das ist ganz bitter“, meinte Walke. Garcia konnte dem nur zustimmen. „Krasnodar hatte nur eine halbe Chance - und die wurde genutzt.“

Aus finanzieller Sicht ist das Ausscheiden für den Club nicht tragisch. „Wir planen wirtschaftlich immer mit der Gruppenphase und dann nicht mehr weiter, daher hat das in dieser Hinsicht keine Auswirkung“, betonte Sauer. Zum erst zweiten Mal in sechs Anläufen mussten die Salzburger vor der K.-o.-Phase im Frühjahr die Segel streichen. Das Selbstvertrauen sollte aufgrund der starken Vorstellung aber trotzdem nicht angeknackst sein. Sollten sie auch in der Liga weiter Leistungen wie in Krasnodar oder gegen Rapid zeigen, wird der Titel wohl wieder nur über den noch verletzten Kapitän Jonatan Soriano und seine Kollegen führen.

„Test“ statt „Finale“

Am Sonntag wartet das Heimspiel gegen Admira auf die drittplatzierten Salzburger, die mit einem Sieg den Druck auf das zwei Punkte entfernte Topduo Sturm Graz und Altach erhöhen wollen. „Wir können auf unsere Leistung aufbauen“, sagte Walke und blickte positiv in die Zukunft. Den „Winterkönig“ haben sie noch in der eigenen Hand, in den ausstehenden fünf Runden bis zur Pause geht es noch gegen Altach (3. Dezember/heim) und Sturm (11. Dezember/auswärts). Das dazwischen liegende Europa-League-Duell zu Hause mit dem makellosen Gruppe-I-Sieger Schalke am 8. Dezember ist statt eines „Finales“ nur noch ein „Testspiel“.

Links: