Themenüberblick

Selbst Miller will es noch einmal wissen

Während Mikaela Shiffrin in Killington an der US-Ostküste ihren großen Heimauftritt mit dem Sieg im Slalom gekrönt hat, hat der US-Skiverband mit Lindsey Vonn, Julia Mancuso und Bode Miller gleich drei Stars vorgeben müssen. Doch wie es aussieht, könnten alle drei im kommenden Jänner in Europa wieder auf die Rennpisten zurückkehren - sogar der bereits 39-jährige Miller, wie nicht nur US-Alpinchef Patrick Riml vermutet.

Vergangenen Donnerstag hatte der US-Ski- und Snowboardverband (USSA) die Teams für die WM-Saison bekanntgegeben. Auf der Liste schienen auch die drei Genannten auf. Die 32-jährige Mancuso hatte nach ihrer Hüftoperation die komplette vergangene Saison verpasst und Miller in den vergangenen beiden Saisonen gerade einmal ein Rennen bei der Heim-WM 2015 in Beaver Creek bestritten. Damals war er im Super-G ausgeschieden.

Derzeit verhindert offenbar nur mehr der Disput mit seinem früheren Ausrüster Head das Comeback des erfolgreichsten amerikanischen Skirennfahrers aller Zeiten und nicht, wie angenommen, dessen Alter oder seine mittlerweile vier Kinder. Für die Geburt der jüngsten Tochter hatte Miller unlängst das Training in Copper Mountain unterbrochen.

Guter Eindruck beim Training

Insgesamt habe Miller, der seit dem Finale 2014 in Lenzerheide kein Weltcup-Rennen mehr bestritt, beim Training in Colorado aber einen guten Eindruck hinterlassen, berichtete Riml. „Bode ist körperlich gut beisammen und in Copper auch gut Ski gefahren.“ Auch aus der Sicht des Tirolers sind es hauptsächlich die Materialdiskussionen, die Miller von seiner Rückkehr abhalten könnten.

Bode Miller (USA) bem Training

GEPA/Christian Walgram

Als 39-Jähriger will sich Miller noch einmal auf den Rennpisten versuchen

Miller hatte sich nach der Vertragsauflösung mit Head an Bomber-Ski beteiligt und möchte mit diesen Latten nun auch im Weltcup starten. Gegen die Vertragsklausel, nur auf Head in den alpinen Skiweltcup zurückkehren zu können, wehrt er sich bekanntlich auch gerichtlich. „Ich hoffe, dass er die Sache mit Head-Chef Johan Eliasch auf die Reihe bekommt“, sagte Riml.

„Er geht immer extreme Wege“

Im Sommer hatte Miller in Chile und Portillo bereits ausgiebig mit dem neuen Material getestet. Riml bezweifelt freilich, dass Miller mit dem neuen Ski und den derzeitigen Schuhen (Full Tilt, ehemals Raichle) rasch Erfolg haben wird. „Ski und Schuhe wurden bis Millers Einstieg nur für Buckelpistenfahrer produziert“, erläuterte Riml. „Auf Miller und Servicemann Chris Krause wartet also noch viel Arbeit.“

„Bode investiert gerade sehr viel Zeit. Wenn sie es also hinkriegen, ist er sicher motiviert, auch wieder Rennen zu gewinnen“, sagte Riml, der dem zweifachen Weltcup-Gesamtsieger nach wie vor Großes zutraut. „Leichter wäre es halt schon, wenn er es auf Head versuchen würde. Er geht aber immer extreme Wege. Er ist aber auch der Einzige, der es geschafft hat, alle zwei Jahre die Ski zu wechseln und trotzdem immer und in mehreren Disziplinen zu gewinnen.“

Traum vom Streif-Abfahrtssieg

Im Dezember wird Miller nach Italien kommen und neue Bombers testen. „Dann muss man schauen, was passiert“, so Riml. Es sei kein Geheimnis, dass Miller liebend gerne nochmals in Kitzbühel und Wengen an den Start gehen würde. „Dass er in Kitz nie die Abfahrt gewonnen hat, ist ihm sicher ein Dorn im Auge.“ Wichtig sei aber in erster Linie, das Material zu verbessern und mit Eliasch eine Lösung zu finden. „Wenn das alles passen würde und sie es nicht abgesagt hätten, wäre Bode schon in Lake Louise oder in Beaver Creek wieder eingestiegen“, ist Riml überzeugt.

Zumindest von US-Verbandsseite würde man Miller jedenfalls nichts in den Weg legen. „Er ist ein sehr wichtiger Athlet. Nicht nur für das US-Skiteam, sondern für den ganzen Weltcup. Wenn er bereit ist und gerne weiterfahren möchte, hat er von uns die hundertprozentige Unterstützung“, betonte Riml.

Vonn auf Reha in Los Angeles

Bei Vonn ist die bisherige Reha nach Oberarmbruch und Operation gut verlaufen. Zu Beginn dieser Woche geht es für die 32-jährige US-Amerikanerin zum Aufbautraining in den Red-Bull-Stützpunkt nach Los Angeles. Wie es derzeit aussieht, dürfte es noch bis Jänner dauern, bis Vonn wieder zurück auf Schnee ist. Die Hoffnungen auf ein Comeback schon am nächsten Wochenende in Lake Louise haben sich damit zerschlagen.

Lindes Vonn (USA)

GEPA/Andreas Pranter

Spätestens im Jänner will auch Vonn wieder mit von der Partie sein

„Das ist die schmerzhafteste Verletzung, die ich je hatte“, erzählte Vonn kürzlich in einem NBC-Interview. „Ich konnte spüren, wie meine beiden Knochenstücke aneinanderstießen und auch die Nerven trafen.“ Natürlich sei sie frustriert. „Ich liebe aber nach wie vor das, was ich mache, sehr.“

Sie werde deshalb auch diesmal nicht aufgeben. Denn sie habe nach wie vor Ziele, betonte Vonn und bezog sich auf den Ingemar-Stenmark-Rekord von 86 Weltcupsiegen (Vonn 76) oder Olympia 2018. „Ohne diese Ziele hätte ich längst aufgehört“, betonte sie einmal mehr.

Links: