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„Ein Sonntag für die Ewigkeit“

Der erste Davis-Cup-Titel in der Geschichte hat Argentinien in einen Ausnahmezustand versetzt. Selbst Fußballlegende Diego Maradona hielt es nicht mehr auf seinem Sitz. Der 56-Jährige bejubelte in Zagreb gemeinsam mit 4.000 weiteren argentinischen Fans den 3:2-Erfolg im Endspiel gegen Kroatien und damit den größten Tennistriumph des Landes.

Das von Rückkehrer Juan Martin del Potro angeführte Team feierte den in einem wahren Krimi errungenen Sieg mit blau-weißem Konfettiregen, riesigen Hüten und einer rauschenden Siegesfeier bis tief in die Nacht. In der Heimat wurde der Erfolg zelebriert wie ein nationaler Feiertag. „Ein Sonntag für die Ewigkeit beendete eine lange Geschichte der Leiden“, titelte etwa „La Nacion“.

Diego Maradona beim Davis Cup

Reuters/Marko Djurica

Diego Maradona mutierte in Zagreb zum größten Fan von Del Potro und Co.

Die größte Tageszeitung des Landes ordnete den Sieg als einen der fünf größten Erfolge der argentinischen Sportgeschichte ein und stellte ihn auf eine Stufe mit den WM-Titeln der Fußballer um Mario Kempes (1978) und Maradona (1986) sowie Formel-1-Pilot Juan Manuel Fangio in den 1950er Jahren.

„Ein unvergesslicher Moment“

Zum Gesicht des Erfolgs wurde der ehemalige US-Open-Sieger Del Potro, der seine erstaunliche Rückkehr an die Weltspitze mit seinen Landsleuten krönte: „Es kann sein, dass dies das wichtigste Spiel in meinem Leben war. Ich glaube, ich werde mich immer daran erinnern, was hier passiert ist, und es wird immer ein unvergesslicher Moment sein“, sagte der ergriffene Del Potro.

Juan martin del Potro (ARG)

APA/AFP

Der Pokal war für Del Potro alles andere als eine hässliche Salatschüssel

Selbst Präsident Mauricio Macri gratulierte Del Potro und seinen Kollegen: „Ihr habt uns alle berührt“, sagte er im Fernsehkanal TyC Sports. Zuvor hatte das Staatsoberhaupt seine Freude bereits im Kurznachrichtenportal Twitter geäußert: „Historisch! Mit Kraft, Demut und Arbeit ist Argentinien auf dem Gipfel des internationalen Sports angekommen.“

Del Potro krönt seine Rückkehr

Auch wenn Federico Delbonis mit einem 6:3 6:4 6:2 gegen Ivo Karlovic den entscheidenden Punkt für die Südamerikaner erzielte, war es Del Potro, der nach dem Triumph im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand. Noch im August hatte Del Potro Novak Djokovics Träume von einem Olympiasieg in Rio de Janeiro in der ersten Runde platzen lassen und seine furiose Rückkehr in die Tennisszene am Ende mit Silber veredelt.

Die Krönung dieses langen Weges nach insgesamt drei Operationen am Handgelenk erfolgte nun in Zagreb: Nach seinem Sieg gegen Karlovic am Freitag erwartete Del Potro am Schlusstag beim Stand von 1:2 das Aufeinandertreffen mit Kroatiens Topspieler Marin Cilic. Obwohl dieser 34 Asse servierte, drehte Del Potro einen 0:2-Satzrückstand und gewann 6:7 2:6,7:5 6:4 6:3. „Der Schlüssel war, dass ich immer ruhig geblieben bin“, erklärte der Davis-Cup-Sieger.

Davis-Cup-Finale 2016

Zagreb (Hardcourt, Halle):
Kroatien Argentinien 2:3
Marin Cilic Federico Delbonis 6:3 7:5 3:6 1:6 6:2
Ivo Karlovic Juan Martin del Potro 4:6 7:6 (8/6) 3:6 5:7
Marin Cilic / Ivan Dodig Juan Martin del Potro / Leonardo Mayer 7:6 (7/2) 7:6 (7/4) 6:3
Marin Cilic Juan Martin del Potro 7:6 (7/4) 6:2 5:7 4:6 3:6
Ivo Karlovic Federico Delbonis 3:6 4:6 2:6

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