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Eigentor bringt „Bullen“ auf Schiene

Red Bull Salzburg hat sich am Mittwoch im Schlager der 17. Runde der tipico-Bundesliga im Titelrennen wieder zurückgemeldet. Der Meister setzte sich im Verfolgerduell auswärts bei der Austria mit 3:1 (0:0) durch und verdrängte die nun punktegleichen Wiener vom dritten Rang. Fünf Punkte fehlen den „Bullen“ in der Tabelle auf Leader Cashpoint SCR Altach, zwei auf Puntigamer Sturm Graz.

Ein spektakuläres Eigentor von Christoph Martschinko (47.) sowie Treffer von Konrad Laimer (64.) und Takumi Minamino (86.) sorgten im mit 4.885 Zuschauer nur spärlich besetzten Ernst-Happel-Stadion für die Entscheidung zugunsten der Gäste. Olarenwaju Kayode gelang im Wiener Schneegestöber in der 70. Minute aus Abseitsposition nur noch der zwischenzeitliche Anschlusstreffer für die „Veilchen“, deren über zweijährige sieglose Leidenszeit gegen die Salzburger damit weitergeht.

1:2 Kayode (70.)

Die Austria holt nach einem Corner ein Tor auf. Schönheitsfehler: Olarenwaju Kayode steht bei seinem Abstauber im Abseits.

Austria brennt auf Ende der Durststrecke

Mit dem Selbstvertrauen von sechs Siegen in den vergangenen sieben Runden brannte die Austria darauf, die Negativserie gegen die Salzburger zu beenden. In den letzten acht Ligaduellen schaute für die „Veilchen“ kein voller Erfolg mehr heraus. Der letzte Sieg datierte vom September 2014, als man in der Red-Bull-Arena mit 3:2 gewann. Heuer zog die Austria in drei Ligaduellen und im ÖFB-Samsung-Cup insgesamt viermal den Kürzeren. Das erste Saisonduell entschieden die „Bullen“ in Salzburg mit 4:1 für sich.

Im Kampf um ein Ende dieser Durststrecke probierte es Austria-Coach Thorsten Fink mit Kevin Friesenbichler und Larry Kayode mit gleich zwei Stürmern. Das Angriffsduo füttern sollte Youngster Dominik Prokop, der erstmals von Beginn an auflief und vor dem Dreiermittelfeld mit Tarkan Serbest, Raphael Holzhauser und Alexander Grünwald agierte. Auf der Bank Platz nehmen mussten indes etwas überraschend Lucas Venuto und Ismael Tajouri, vor deren Qualitäten Salzburg-Trainer Oscar Garcia noch vor der Partie besonders gewarnt hatte.

Salzburg sucht Kaltschnäuzigkeit

Der „Bullen“-Coach hoffte seinerseits, dass seine Offensivkräfte in Abwesenheit des weiter verletzten Jonatan Soriano vor dem Tor mehr Kaltschnäuzigkeit zeigen würden. Neben Munas Dabbur dabei helfen sollte diesmal Fredrik Gulbrandsen, der den Vorzug vor Hwang Hee Chan bekam. Der Südkoreaner hatte zuletzt bei der 0:1-Blamage daheim gegen die Admira einige Möglichkeiten auf zumindest ein Remis ausgelassen und damit wenige Tage nach dem verpassten Aufstieg in der Europa League seinen Anteil am nächsten Rückschlag innerhalb weniger Tage.

Schuss von Salzburg

GEPA/Christian Ort

Die „Veilchen“ hatten gegen die Salzburger mehrmals nur das Nachsehen

Bei frostigen Temperaturen und vor den Augen von ÖFB-Teamchef Marcel Koller versuchte die Austria zunächst einmal, das Zentrum dichtzumachen. Die Salzburger hatten darauf aber die richtige Antwort und probierten, das Mittelfeld mit schnellem Umschaltspiel zu überbrücken. Zwei Schüsse von Dabbur (12., 13.) sorgten auch für die erste Gefahr für das Tor von Austria-Goalie Osman Hadzikic, der in beiden Fälle aber auf dem Posten war. Trotzdem mussten die Salzburger früh den ersten Rückschlag einstecken. Gulbrandsen verletzte sich ohne Fremdeinwirkung und wurde durch Hwang ersetzt (19.).

Friesenbichler hat 1:0 auf dem Kopf

Die Austria nutzte die kurzfristigen Umstellungsprobleme der Gäste umgehend aus und kam zu der bis dahin größten Chance des Spiels. Grünwald schickte Kayode auf der rechten Seite mit einem herrlichen Pass aus der eigenen Hälfte auf die Reise. Der Nigerianer legte einen Zwischenspurt ein, flankte vorbei an Paulo Miranda genau auf Friesenbichler, dessen Kopfball von Alexander Walke gerade noch über die Latte gedreht werden konnte (19.). Auch die „Veilchen“ hatten sich nun erstmals im gegnerischen Strafraum vorgestellt.

Kopfball von Friesenbichler (19.)

Die erste Großchance des Spiels hat aber die Wiener Austria. Nach einer Flanke von Kayode kommt Friesenbichler frei stehend zum Kopfball - zu zentral aufs Tor.

Das Duell entwickelte sich nun bis zum Pausenpfiff vor allem für die feldüberlegenen Gäste aus Salzburg zusehends zur Geduldsprobe. Die Räume wurden immer enger, herausgespielte Aktionen Mangelware. Immer wieder verhinderten frühes Gegenpressing und taktische Fouls einen geordneten Spielaufbau. Für Gefahr sorgten fast ausschließlich Einzelaktionen. Ein Weitschuss von Diadie Samassekou ging doch deutlich am linken Pfosten vorbei (33.), Dabbur blieb kurz vor der Pause im Strafraum an gleich mehreren Gegenspielern hängen (41.).

Martschinko trifft ins eigene Tor

Wie man es richtig macht, zeigte dann unmittelbar nach der Pause Martschinko. Nach einer schöner Aktion der Gäste probierte es Valon Berisha mit einem Stanglpass in die Mitte. Dort wartete zwar kein Salzburger, aber Martschinko, der den Ball unbedrängt und ohne Chance für seinen Schlussmann Hadzikic sehenswert im eigenen Tor versenkte (47.). Während die glückliche, aber verdiente Führung den Salzburgern nun die nötige Sicherheit im Spielaufbau brachte, saß der Schock bei den Austrianern ziemlich tief.

Martschinko trifft ins eigene Tor

Christoph Martschinko hat gegen Salzburg kein Glück. Der Austria-Verteidiger versenkt einen Stanglpass im eigenen Tor.

Und fast hätten die Gäste die Schockstarre gleich ausgenützt und nachgelegt. Hwang legte zurück auf Berisha, der aber aus guter Position weit über das Tor schoss (50.). In der 56. Minute ließ die Austria-Defensive im Strafraum Dabbur gewähren, Jens Stryger Larsen konnte den Ball aber gerade noch auf der Linie stoppen (56.). Eine Minute später landete ein Berisha-Hammer an der Stange und rollte die Torlinie entlang.

Abseitstor macht es noch einmal spannend

Das 2:0 war überfällig und sollte in der 64. Minute fallen. Nach schönem Doppelpass mit Valentino Lazaro stand Laimer frei und sorgte mit einem Flachschuss ins lange Eck für die vermeintliche Vorentscheidung. Plötzlich drehten die Austrianer aber auf und drängten auf den Anschlusstreffer. Mit dem Mut der Verzweiflung und unter Mithilfe des Schiedsrichtergespann wurde es in der Schlussphase dann doch noch einmal spannend. Nach einem Eckball köpfelte der unmittelbar zuvor eingewechselte Richard Windbichler Richtung Tor, und Kayode drückte den Ball noch über die Linie. Das Tor zählte, obwohl der Nigerianer eindeutig im Abseits stand (70.).

Jubel bei Salzburg

GEPA/Christian Ort

Dank des starken Auftritts in Wien ist Salzburg nun wieder Tabellendritter

Salzburg ließ sich aber auch davon nicht mehr vom Weg abbringen und gab das Ruder nicht mehr aus der Hand. Zunächst brachte Hwang den Ball aber nicht im praktisch leeren Tor unter, Windbichler konnte per Kopf noch auf der Linie klären (74.). Nachdem auf der Gegenseite Walke bei einem Grünwald-Schuss aufmerksam geblieben war (81.), machte Minamino den Sack schließlich endgültig zu. Nach einem Sololauf von Lainer auf der rechten Seite, versenkte der Japaner den Ball im dritten Versuch zur endgültigen Entscheidung im Tor (86.).

Wolfgang Rieder, ORF.at

Tipico-Bundesliga, 17. Runde

Mittwoch:

Austria - Salzburg 1:3 (0:0)

Happel-Stadion, 4.885 Zuschauer, SR Schörgenhofer

Torfolge:

0:1 Martschinko (Eigentor/47.)
0:2 Laimer (64.)
1:2 Kayode (70.)
1:3 Minamino (86.)

Austria: Hadzikic - Larsen, Rotpuller, Filipovic (69./Windbichler), Martschinko (85./Tajouri) - Serbest, Holzhauser, Prokop (62./Venuto), Grünwald - Friesenbichler, Kayode

Salzburg: Walke - Lainer, Upamecano, Miranda, Ulmer - Lazaro, Laimer, Samassekou (74./Radosevic), Berisha - Gulbrandsen (18./Hwang), Dabbur (65./Minamino)

Gelbe Karten: Filipovic, Serbest, Friesenbichler, Holzhauser, Windbichler bzw. Samassekou, Dabbur, Laimer

Die Besten: Holzhauser, Filipovic bzw. Miranda, Laimer, Lazaro

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