Themenüberblick

Noch mehr Geld für reiche Clubs

Bei ihrer letzten Sitzung 2016 stimmen die Funktionäre der europäischen Fußballunion (UEFA) am Freitag über den neuen Verteilungsschlüssel für die Champions-League-Milliarden für die Jahre 2018 bis 2021 ab. Fest steht schon, dass die ohnehin reichen Clubs künftig noch mehr kassieren werden. Als Architekt der Reform gilt Karl-Heinz Rummenigge.

Doch frei von Kritik ist die vom Vorstandschef des FC Bayern und Vorsitzenden der immer mächtigeren European Club Association (ECA) mit entworfene Reform der Geldflüsse und Zugangskriterien für das große Milliardengeschäft im Europacup nicht.

Proteste gegen Reform

Kleinere Ligen wie die heimische tipico-Bundesliga fühlen sich düpiert, Dänemark drohte sogar zwischenzeitlich mit einem Austritt. Hart wird diese Reform die Clubs aus dem Mittelbau des europäischen Fußballs treffen.

Soriano

APA/Krugfoto

Für heimische Clubs rückt die Champions League immer weiter weg

Tschechien und die Schweiz, derzeit auf den Plätzen elf und zwölf der Rangliste, hätten künftig überhaupt keinen fixen Starter mehr in der Champions League. Auch in der deutschen Bundesliga gibt es bei mittelständischen Vereinen Widerspruch gegen das Konzept, das zwar allen mehr Geld verspricht, aber gerade die Reichen noch viel reicher machen wird.

Androhung von „Superliga“ zeigte Wirkung

Rummenigge sieht dennoch keinen Grund zur Aufregung. „Ich begrüße die UEFA-Entscheidung. Sie reflektiert eine seriöse und faire Lösung für den europäischen Clubfußball. Ich bin besonders erfreut über den Fakt, dass die europäische Fußballgemeinschaft vereint bleibt und nach vorne schreitet“, sagte er, nachdem die UEFA schon im August die Grundpfeiler der Reform schneller als erwartet verabschiedet hatte - ausgerechnet kurz vor der Wahl von Aleksander Ceferin zum UEFA-Chef, der in seinem Wahlkampf viele kleine Länder hinter sich scharte.

Rummenigges ECA, in der die Topclubs des Kontinents organisiert sind, hatte in den Verhandlungen mit der UEFA gute Trümpfe in der Hand. Die mehr oder weniger subtil geäußerte Androhung einer europäischen Superliga zeigte jedenfalls Wirkung. Die Reform ist auf die Belange der Großclubs zugeschnitten. Der Vierte der europäischen Topligen muss nicht mehr in die Qualifikationsrunde zur Champions League. Ökonomische Risiken werden minimiert.

Weniger Platz für „Kleine“, mehr Geld für „Große“

16 statt wie bisher elf der 32 Teilnehmer der Gruppenphase kommen dann definitiv aus den vier Topnationen. Das sind derzeit Spanien, Deutschland, England und Italien. Über den Qualifikationsweg, den kleine Clubs wie die österreichischen bestreiten müssen, schaffen es nur noch sechs statt zehn Teams in die finanziell lukrative Runde.

Die Champions League lohnt sich für vorher erfolgreiche und somit schon reichlich honorierte Clubs noch mehr. Für den laufenden Turnus hatte die UEFA rund 1,2 Milliarden Euro an Gesamthonorar pro Jahr prognostiziert. Der neu berechnete Teamkoeffizient wird künftig mit 30 Prozent in die Prämienrechnung neu einbezogen. Diese Liste führt derzeit Real Madrid vor dem FC Bayern und dem FC Barcelona an.

Dass an alle zu gleichen Teilen ausgeschüttete Startgeld sinkt von 60 auf 25 Prozent. Auch der Marketpool, aus dem alle Teams eines Landes die gleiche Summe erhalten, also zum Beispiel Hoffenheim als Champions-League-Teilnehmer von Münchner und Leverkusener Erfolgen profitieren würde, schrumpft von 40 auf 15 Prozent.

Geschlossene Gesellschaft

Die Überlegenheit der Großclubs zeigt sich heuer deutlich. Erstmals seit Einführung des Achtelfinales in der Champions League sind die sechs Topligen Europas in diesem Jahr komplett unter sich. Alle 16 Mannschaften in der K.-o.-Phase kommen aus Spanien (4), Deutschland (3), England (3), Italien (2), Frankreich (2) und Portugal (2).

Das hatte es seit der Saison 2003/04, als erstmals 32 Mannschaften in der Königsklasse spielten, noch nicht gegeben. Spitzenreiter bei den Achtelfinal-Teilnahmen sind die Clubs der Premier League (46) und der Primera Division (44). Als einziges Land stellen die Spanier in dieser Saison vier Achtelfinalisten (Real, Atletico, Barcelona, Sevilla).

Links: