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Suljovic hofft auf Überraschung

In der Weihnachtszeit verwandelt sich der Alexandra Palace im Norden Londons auch heuer wieder in ein Tollhaus. Angefeuert von 3.000 frenetischen Fans kämpfen von Donnerstag bis zum 2. Jänner die 72 besten Darts-Spieler um den Titel bei der WM 2017 der Professional Darts Cooperation (PDC). Mitmischen wollen auch drei Österreicher, wobei Mensur Suljovic sogar eine Überraschung zuzutrauen ist.

Für die drei heimischen Spieler wird es in der nächsten Woche ernst. Kurz bevor der als Nummer acht gesetzte Suljovic die Scheibe in der ersten Runde gegen den Niederländer Ron Meulenkamp erstmals ins Visier nimmt, steht für Zoran Lerchbacher im „Ally Pally“ am Mittwoch (21. Dezember) sein Vorrundenduell gegen den Engländer Simon Stevenson auf dem Programm. Der Wiener Rowby-John Rodriguez muss sich tags darauf (22. Dezember) mit dem als Nummer sieben gesetzten Engländer Dave Chisnall messen.

Michael van Gerwen (NED)

Reuters/Action Images/Lee Smith

Der Weltranglistenerste Michael van Gerwen geht als Favorit in das Turnier in London

Favorit ist allerdings der Niederländer Michael van Gerwen, der den Titelhattrick von Gary Anderson unbedingt verhindern und sich seinen zweiten Titel nach 2014 holen will. Der 45-jährige Schotte stand sowohl 2015 nach einem hochklassigen 7:6-Finalkrimi gegen den 14-fachen englischen Rekordweltmeister Phil Taylor als auch im Vorjahr nach einem 7:5-Erfolg über dessen Landsmann Adrian Lewis ganz oben. Doch egal wer am Ende den WM-Pokal stemmt, die 24. Auflage der PDC-Titelkämpfe hat bereits im Vorfeld neue Maßstäbe gesetzt.

Preisgeld in neuen Höhen

Das ohnehin schon üppige Preisgeld wurde erneut angehoben und auf 1,65 Millionen Britische Pfund (1,97 Mio. Euro) geschraubt. Der Sieger darf sich heuer über die Summe von 350.000 Pfund (417.300 Euro) freuen. Unglaubliche Zahlen, die untermauern, dass der Darts-Sport sein angestaubtes Schmuddelimage längst abgelegt hat und zumindest in Großbritannien und den Niederlanden vielen anderen Sportarten beim Zuschauerinteresse sowohl live an Ort und Stelle als auch vor den TV-Schirmen bereits den Rang abgelaufen hat. Auch aus Deutschland werden ständig neue Rekordquoten gemeldet.

Darts-Fans

Reuters/Action Images/Peter Cziborra

Das „Ally Pally“ verwandelt sich in den kommenden Wochen wieder in einen Hexenkessel

Eine unaufhaltsame Entwicklung, die vor allem Barry Hearn zuzuschreiben ist. Der 68-jährige Sportpromoter und -funktionär gründete 1992 die PDC und hob den Darts-Sport in den vergangenen 24 Jahren auf ein völlig neues Niveau. Hearn holte das vor allem auf der britische Insel gerne als Volkssport bezeichnete Darts aus den verstaubten und dunklen Pub-Ecken und schaffte den Spagat, neue Zielgruppen zu erschließen, ohne dabei die Traditionalisten zu brüskieren. Das Party- und Alkoholimage wurde dabei bewusst als zentraler Vermarktungspunkt gewählt.

Einzigartige Atmosphäre im „Ally Pally“

Was auf den ersten Blick zunächst noch irritierte, entpuppte sich schon bald als genialer Schachzug. Während sich die Darts-Spieler auf der Bühne nichts schenken, geben auch die Fans im Zuschauerraum richtig Gas und sorgen für eine einzigartige Atmosphäre. Da kann es dann schon einmal vorkommen, dass sich ein Weihnachtsmann und Schneewittchen in den Armen liegen. Oder dass sich Kermit der Frosch und irische Kobolde gegenseitig beim Anfeuern überbieten. Und auch wenn dabei Alkohol im Spiel ist, meistens geht es dabei - wenn auch sehr laut - fair und friedlich zu.

Van Gerwen und Co. nehmen den mitunter extremen Lärmpegel in der Halle allerdings gerne in Kauf, profitieren nicht zuletzt auch sie von der Begeisterung der Fans. „In England sind Darts-Spieler Superstars“, betonte Suljovic in einem Interview mit ORF.at. „Wir haben uns einmal am Abend in einem englischen Fast-Food-Lokal etwas zu essen geholt. Die Leute haben mich erkannt und konnten nicht glauben, dass ich mich selbst anstelle, um mir etwas zu essen zu holen. Aber sie haben uns in Ruhe essen lassen und sind erst nachher für Fotos zu mir gekommen.“

Darts-Fans

Reuters/Action Images/Peter Cziborra

Die 3.000 Zuschauer lassen sich Jahr für Jahr immer wieder etwas Neues einfallen

Suljovic in blendender Form

In diesem Jahr läuft es für den 44-jährigen Wiener bisher blendend. Im September gewann Suljovic mit den International Darts Open 2016 in Riesa als erster deutschsprachiger Spieler ein offizielles PDC-Ranglistenturnier. Kurz darauf stand er bei den European Darts Championship in Hasselt nach Siegen über Rekordweltmeister Phil Taylor und Peter Wright als erster deutschsprachiger Spieler in einem Major-Finale. Dort musste er sich Van Gerwen geschlagen geben. Aktuell rangiert Suljovic in der Weltrangliste auf Rang acht.

Entsprechend groß sind deshalb die Hoffnungen, dass er seine Topplatzierungen (WM-Achtelfinale 2012 und 2016) überbieten kann. Allerdings würde im Viertelfinale - drei Siege vorausgesetzt - Van Gerwen als Gegner warten. So weit wollen seine Landsleute Lerchbacher und Rodriguez gar nicht denken, für das Duo steht zunächst einmal ein gelungener Einstieg in das Turnier im Fokus.

Lerchbacher träumt von Österreicher-Duell

„Ich freue mich schon richtig auf die WM. Ich bin motiviert, das ist für mich derzeit am wichtigsten“, betonte Lerchbacher im Interview mit Dartn.de vor seinem Auftaktduell mit dem Weltranglisten-82. Stevenson. „Ich möchte gerne gegen Mensur Suljovic bei dieser WM spielen. Das wäre dann, glaube ich, die Runde der letzten 16. Wichtig ist es also, gut zu spielen. Der Rest kommt von selbst.“

Eine undankbare Aufgabe erwartet indes Rodriguez, der aufgrund von Rückenproblemen und gesundheitlichen Beschwerden ein verpatztes Jahr hinter sich hat. Mit Chisnall wartet auf den 22-Jährigen immerhin die Nummer sieben des Turniers zum Auftakt. „Die Auslosung könnte besser sein, Losglück hatte ich bei der Weltmeisterschaft sowieso noch nie. Ich glaube aber an mich und werde alles versuchen“, sagte Rodriguez.

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