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Hartes Vorgehen der IBU gefordert

Der fünfmalige Gesamtsieger Martin Fourcade erwägt einen Weltcup-Boykott, sollte der Biathlonweltverband (IBU) im sich anbahnenden Dopingskandal um Russland nicht hart durchgreifen. „Wenn nicht, müssen die Biathleten selbst aktiv werden“, sagte der 28-jährige Franzose nach seinem Sprint-Sieg in Nove Mesto dem norwegischen Fernsehsender NRK.

IBU-Präsident Anders Besseberg hatte am Donnerstag die Vorwürfe gegen Russland öffentlich gemacht. Dem Weltverband liegt laut Angaben eine Liste mit 31 dopingverdächtigen russischen Athleten vor. Darunter seien aktive Sportler. Einige Athleten seien schon gesperrt, andere hätten ihre Karriere bereits beendet.

Fourcade, der in dieser Saison sechs der sieben Einzel-Rennen gewonnen hat, fordert aber ein rigoroses Vorgehen des Weltverbandes. „Ich glaube, dass die IBU jetzt das Richtige tut. Sie haben viele Beweise. Es sind ja nicht nur ein oder zwei, sondern 31“, sagte Fourcade. Sollte aber nichts rauskommen, werde er im Jänner „seine Kollegen ermutigen, nicht zu starten“, sagte Fourcade.

Noch keine Namen bekannt

Direkte Beweise und unverschlüsselte Namen liegen bisher aber nicht öffentlich vor. Die IBU könnte jedoch bereits am 22. Dezember erste Ergebnisse präsentieren. Bis kurz vor Weihnachten soll eine Expertengruppe aus fünf Nationen die 31 Fälle aus dem McLaren-Report prüfen und dem IBU-Vorstand Bericht erstatten.

Martin Fourcade

GEPA/Matic Klansek

IBU-Präsident Anders Besseberg stehen schwierige Tage bevor

Russlands Herren-Chefcoach Ricco Groß forderte eine schnelle Veröffentlichung der Namen: „Momentan reden alle nur um den heißen Brei, es kommt zu Vorverurteilungen und Spekulationen.“ Sein Team werde „sehr wohl beäugt, anders angeschaut. Aber einige Athleten werden definitiv grundlos mitbelastet.“

Entsetzen bei der Konkurrenz

Bei der Konkurrenz hat die Zahl der verdächtigen Russen jedenfalls für Entsetzen gesorgt. „Wenn nur zehn Prozent davon stimmt, ist das eine Katastrophe“, sagte der mehrfache Olympiasieger und Weltmeister Ole Einar Björndalen aus Norwegen. Man müsse aber handfeste Beweise abwarten. „Für mich sind alle sauber, solange sie nicht überführt sind.“

Sollten es aber Beweise geben, dann forderte Fourcade von der IBU ein hartes Durchgreifen. „Ich habe in meiner Karriere schon oft gehört, es gibt einen großen Dopingskandal - und dann ist nichts passiert“, erklärte der Franzose: „Ich kämpfe schon immer gegen Doping und habe da eine ganz klare Meinung.“

Schipulin gibt sich entspannt

In Russland wächst indes die Angst vor einem Dopingbann, doch Anton Schipulin gibt sich ganz entspannt. „Diese Informationen rufen bei mir ein Lächeln hervor. Jedenfalls verfalle ich nicht in Panik“, sagt der Staffel-Olympiasieger von Sotschi. „Mir scheint, dass sich hier die Politik allzu sehr in den Sport mischt. Ohne jede Beweise russische Sportler zu beschuldigen, ist zu viel. Das Ganze spitzt sich zu weit zu“, sagte der beste russische Biathlet.

Die Medien sehen hingegen Probleme auf Russlands Biathlon zukommen. „Die Chancen, dass in einer solchen Lage in Russland der Weltcup in Tjumen und 2021 die WM stattfinden werden, sind sehr klein“, kommentiert die Tageszeitung „Sport-Express“. Russlands Sportminister Pawel Kolobkow erklärte angesichts der vielen offenen Fragen nach dem zweiten McLaren-Report: „Wir werden das erst kommentieren, wenn es mehr Klarheit gibt.“

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