Themenüberblick

„Jetzt geht es weiter“

Max Franz hat am Samstag mit dem Sieg in Gröden die Durststrecke der österreichischen Abfahrer nach 651 Tagen beendet. Dass es bis zum nächsten Triumph des Österreichischen Skiverbands (ÖSV) in der Königsdisziplin nicht wieder mehr als 21 Monate dauert, dafür will auch der Kärntner sorgen.

„Ich will noch ganz hinauf. Einmal hab ich es jetzt geschafft, jetzt geht es weiter“, sagte Franz und gab sich bereits unmittelbar nach seinem ersten Weltcup-Sieg entschlossen. Schon am Montag stand für den 27-Jährigen aus Weißbriach im Bezirk Hermagor wieder ein Trainingstag in Santa Caterina an, wo am 28. Dezember die nächste Abfahrt stattfindet. Die interne Qualifikation wird ihm dort - anders als zuletzt - erspart bleiben.

Tränen nach erstem Sieg

Nach seinem Premierensieg hatte Franz die Tränen nicht mehr bremsen können. „Die glasigen Augen sind dann aufgebrochen. Keine Chance“, beschrieb der Spross einer „Skifahrerfamilie“ den Moment, als er seine Herzensmenschen umarmte und ihm die Realität seines historischen Sieges begreiflich wurde. „Papa und Onkel leben ja auch fürs Skifahren. Sie peilen das genauso an, und wenn’s dann wirklich da ist, ist es ein wunderschöner Moment.“

Max Franz gewinnt Gröden-Abfahrt

Nach fast zwei Jahren hat das krisengeschüttelte ÖSV-Team am Samstag wieder eine Abfahrt gewonnen. Der Kärntner Max Franz fuhr auf der Saslong zu seinem ersten Weltcup-Sieg.

In seiner Kindheit und Jugend seien die beiden „bei jedem Rennen dabei gewesen. Wenn es am Vortag geheißen hat, gehen wir morgen trainieren, sind sie am nächsten Tag schon oben gestanden.“ Vater Max sei innerhalb des familiären Systems „fürs Skifahren“ zuständig gewesen, Onkel Werner „fürs Rennfahren“.

Hilfe von Cousin Werner

Wobei der Onkel nicht mit Ex-ÖSV-Abfahrer Werner Franz zu verwechseln ist, der seit heuer als zusätzlicher Trainer der Speed-Gruppe gerade mit seinem Cousin Max sehr viel individuell arbeitet. „Ich glaub aber, der Werner ist fürs ganze Team brutal wertvoll“, betonte Max Franz. „Der hat alles mitgemacht, was du mitmachen kannst, hat Verletzungen gehabt und ist Quali gefahren. Er hat teilweise andere Sichtweisen.“

Werner Franz und Max Franz

GEPA/Andreas Pranter

Werner Franz hat einen nicht unwesentlichen Anteil am Erfolg seines Cousins

Viele Verletzungen überwunden

Die Karriere von Franz, dem seit jeher großes Potenzial nachgesagt wurde, war auch bedingt durch Verletzungen mehrmals ins Stocken geraten. Ein Kreuzbandriss, eine Gehirnerschütterung und auch eine Nasenbeinfraktur gehören zu seiner Leidensgeschichte. Der erste Sieg ließ lange auf sich warten. „Nach Saalbach ist es ganz eng geworden, dass das endlich einmal kommt.“ Dort hatte er im Februar 2015 den Triumph schon vor Augen gehabt, als sein Kärntner Teamkollege Matthias Mayer noch zwei Hundertstel schneller war. Es war sein dritter Podestplatz im Weltcup, nun hat er vier.

In der Saison 2015/16 verspürte er leichten Erfolgsdruck, wie er sagte. Dann kam der 19. Jänner und Kitzbühel: Am ersten Hahnenkamm-Trainingstag stürzte Franz nach der Hausbergkante und verletzte sich am Sprunggelenk, Knie und Handgelenk. Im vergangenen Sommer meldete sich der Körper wieder. „Da hat dann zum Beispiel auf einmal das Knie wehgetan, ganz ohne Verletzung.“

Lockerheit als Erfolgsgeheimnis

Trotz der schwierigen Vorbereitung habe er in Val d’Isere, wo er im Super-G Anfang Dezember als Zehnter bester Österreicher war, „gut gefightet“. Auf der Heimreise habe ihm sein um 17 Jahre älterer Cousin Werner, der in seiner Karriere zwei Weltcup-Siege und 19 Podestplätze einfuhr, mehrmals gesagt: „Jetzt kommt Gröden, und Gröden ist sooo schön.“ Dort sei er tatsächlich „viel lockerer hingekommen als in den letzten Jahren, und es hat dann gleich im ersten Training auf Anhieb gepasst“.

Die Saslong gehörte am Samstag ihm. Schlagen hätte Franz wohl nur Aksel Lund Svindal können. Doch der fünffache Gröden-Sieger aus Norwegen verpatzte die Einfahrt zur Schlüsselstelle Ciaslat und musste sich schließlich um vier Hundertstel geschlagen geben.

Max Franz' Fans

GEPA/Christian Walgram

Die Fans von Max Franz hatten den Sieg bereits vor dem Rennen gefeiert

Den „fantastischen Franz“, wie die FIS-Website titelte, hatten einige schon als „ewiges Talent“ abgestempelt. Er selbst habe aber nach Rückschlägen nie an sich gezweifelt. „Ich weiß, ich kann richtig gut Ski fahren. Es muss nur alles zusammenpassen. Die Leichtigkeit beim Skifahren ist brutal wichtig. Dass einfach jeder Schwung sitzt, die Selbstverständlichkeit muss einfach da sein.“ Die komme wiederum vor allem mit guten Ergebnissen. Den Gröden-Sieg hatte sein Fanclub bereits in der Nacht auf Freitag ausgiebig vorgefeiert. „Die müssen gewusst haben, dass das passiert“, scherzte Franz.

Links: